Marianne Näf-Bräker

Spass und Freiheit im Leben wären toll

Konfirmation und Segen (Foto: Michael Kessler)

Als am Palmsonntag um zehn Uhr die Organistin Maja van der Waerden in der Kirche Gächlingen ihr Orgelspiel begann und elf schön gekleidete Jugendliche die vollbesetzte Kirche betraten, erinnerte es beinahe an eine Hochzeit. Eine Konfirmation ist im Leben eben ein nur wenig wichtiger Anlass.
Bettina Müller
Für Linda Gysel, Melanie Loner, Jelena Rüedi, Carla Brugnoni, Estelle Fitzner, Sophia Genter, Lena Gwerder, Chiara Just, Manuel Labhart, Lorenzo Villanova und Selina Vögeli war es am 10. April so weit. Die Konfirmation bedeutete für die Jugendlichen die Bestätigung ihrer Taufe und die Zugehörigkeit zur Kirche, aber auch den Tag mit ihren Liebsten verbringen, den Abschied von der Konfirmandenzeit, gemeinsam einen Gottesdienst gestalten und tolle Geschenke erhalten. Für Linda Gysel aus Gächlingen war der Tag so besonders, dass sie sogar ihr Kleid für diesen Anlass selber nähte. «Vor einem Monat habe ich damit begonnen und heute kann ich es endlich anziehen», meinte Linda stolz. Sie und Lorenzo Villanova führten gemeinsam durch den ersten Teil des Gottesdienstes. So kündigten sie beispielsweise die Lieder «Life is Life» oder «Seven years» an, welche von den Konfirmandinnen und Konfirmanden gesungen und musikalisch begleitet wurden.

`S Läbe läbe
Das Motto für den Gottesdienst durften die Jugendlichen mitbestimmen und sie wählten etwas, das für sie der jetzigen Lebenssituation entspricht. So beschrieben sie dann auch ihr Verständnis von «`S Läbe läbe» folgendermassen: Machen, was einem gefällt, Zeit mit Freunden und Familie verbringen, glücklich sein, aus Fehlern lernen, Erfahrungen sammeln, etwas riskieren, selbstständig sein, alles geben, Freiheit spüren, Spass haben und das Leben geniessen. Als Ergänzung wurde das Publikum zum Thema befragt und der Strauss an Antworten wurde dadurch noch bunter. Passend dazu sangen die Teenager in einem weiteren Lied «Runaway to a world that we design and don`t care if they call us crazy”.

Spass und Freiheit als Utopie
Nach einer knappen halben Stunde ergriff Pfarrer Werner Näf das Wort und erzählte, dass bei der Gottesdienstvorbereitung die Jugendlichen vor allem zwei Aspekte erwähnten: Spass und Freiheit. Er schälte heraus, dass Spass haben im Leben oft auch mit einer gewissen Anstrengung zu tun habe und Freiheit und Selbstbestimmung alleine auch zur Einsamkeit führen könne. Influencer zu sein wäre zwar Spass und Freiheit gleichzeitig, doch davon zu leben sei in der Schweiz ziemlich schwierig. Er verglich das Leben in seiner Predigt mit einer Autobahn, auf der man nach der gewählten Auffahrt bis zur nächsten eine Zeit lang keine Entscheidungsfreiheit mehr habe. In gewissen Lebensphasen gäbe es nicht so Vieles, über das man entscheiden könne. Manchmal würde auch die eigene Kraft nicht reichen um gut unterwegs zu sein und da brauche es zusätzlich die Kraft von Gott. Marianne Näf, die den wöchentlichen Konfirmandenunterricht seit den Frühlingsferien 2021 geleitet hatte, fasste das vergangene gemeinsame Jahr zusammen und gab den Jugendlichen gute Wünsche mit auf den Weg.

Konfirmation
Nach der eigentlichen Konfirmation und dem Erhalt von Bild und Spruch zeigte die Pfarrerin aus Neunkirch, Eva Baumgardt, den Jugendlichen die Möglichkeiten zur Mitbestimmung in der Kirche auf. Die Konfirmandinnen und Konfirmanden dankten ihrerseits zum Abschluss ihren Eltern und Paten für die Wegbegleitung mit einer Rose. Nach eineinhalb Stunden endete der Gottesdienst und man begab sich zum Apéro und dann zum Schwatzen nach draussen. «Jetzt freue ich mich vor allem auf ein gutes Mittagessen und das Zusammensein mit meinen Liebsten», meinte eine Konfirmandin. Und diese Vorfreude galt bestimmt auch für alle anderen.
Bereitgestellt: 20.04.2022      
aktualisiert mit kirchenweb.ch