Ich steh an deiner Krippe hier

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Noch stehen wir nicht. Sondern stecken bis über beide Ohren in Vorbereitungsarbeiten für Weihnachten und das Jahresende. Der Advent ist für viele eine hektische Zeit. Vielbeschäftigt sind wir unterwegs und immer in Bewegung. Da tut es gut, einfach mal stehen zu bleiben...
Matthias Koch,
Noch stehen wir nicht. Sondern stecken bis über beide Ohren in Vorbereitungsarbeiten für Weihnachten und das Jahresende. Der Advent ist für viele eine hektische Zeit. So vieles muss noch erledigt werden – vor den Festtagen, vor dem Jahresabschluss. Die Weihnachtszeit ist zudem eine emotionale Zeit. Einsamkeit schmerzt in dieser Zeit besonders. Wer einen Menschen verloren hat, ringt mit dem Gefühl, die Festtage ohne diesen Menschen zu durchleben. Wieder andere stehen in diesen Wochen unter Strom oder leiden unter dem Druck der hohen Erwartungen an sich selbst, an das perfekte Fest, an die Familie. Advent ist eine bewegte Zeit: Jahresessen und Feiern im Verein oder am Arbeitsplatz, Verwandtenbesuche, kulturelle und musikalische Events, Märkte und allerlei Einkaufsrummel. Da ist immer viel los.

Ich steh an deiner Krippe hier. Der Beginn des alten Weihnachtsliedes von Paul Gerhardt wirkt wie ein fehlplatzierter Kontrast. Denn im Advent fällt es manchmal schwer, stehenzubleiben und innezuhalten, durchzuatmen und einfach mal ganz bei sich zu sein – und sich im Innern auf Weihnachten und dessen Kern zu besinnen. Diesem Kern von Weihnachten kommen wir näher, wenn wir genau hinschauen, wer denn da an der Krippe steht.
Da ist zum Beispiel der Hirte. Das Leben hat ihn viel gelehrt. Als Lohnarbeiter muss er für wenig Geld die Schafe anderer hüten. Ein echter Chrampfer. Am Ende bleibt ihm doch nur wenig. In der Gesellschaft wird er kaum beachtet. Zu einem Hirten blickt niemand hoch. Vielleicht hatte er mal davon geträumt, seine eigene Herde zu züchten. Gelungen ist es ihm nie. Immer wieder kam es zu einem Rückschlag. Immer landete er wieder bei einem Herdenbesitzer, wo er neu anheuern musste, um wenigstens durchzukommen.

Der Hirte ist für mich ein Symbol: Er steht für einen Menschen, der seine Erwartungen tief hält. Für jemanden, der es kaum mehr wagt, über das hinaus zu hoffen, was über seinen Horizont hinausgeht. Die Enttäuschungen im Leben haben diesen Menschen so geformt. Vielleicht hat er sich stets bemüht, tüchtig und anständig zu sein. Und doch musste er unten durch und hinten anstehen. Andere waren schneller, cleverer, frecher oder hatten einfach unverschämtes Glück.

Solche Enttäuschungen gehen nicht spurlos vorüber. Manchmal zeichnen sie einen Menschen, er erwartet nicht mehr viel vom Leben und hört auf zu träumen, weil ihn die erfahrenen Rückschläge lähmen.

Als die Hirten an der Krippe standen, machten sie eine gegenläufige Erfahrung. Gott fängt unten an, bei ihnen. Gott wird Mensch. Er nimmt einen Weg auf sich, der keinen Halt vor dem Scheitern und vor Enttäuschungen macht. Jesus geht nicht den Königsweg, den Weg der Hochglanzmagazine und bejubelten Stars. Jesus fängt unten an. Im Stall. Dort, wo nicht alles auf Hochglanz poliert ist. Er wird zum Weggefährten aller Enttäuschten und Hoffnungslosen. Er nimmt sie bei der Hand, tröstet sie, lacht und weint mit ihnen – wie sein Leben später zeigt. Er sieht in ihnen einen Glanz, den andere nicht wahrhaben. Einen Glanz, der in jedem Menschen scheint. Manchmal ganz unscheinbar.

Vielleicht kennen Sie das Gefühl der Hirten aus Ihrem Leben. Die gegenläufige Erfahrung der Hirten an der Krippe möchte uns da aufrichten. Wider Erwarten schenkte ihnen das Licht in der Krippe neue Hoffnung und liess sie ihren Glanz entdecken. Das will auch uns Mut machen, nicht einfach aufzugeben, sondern weiter zu hoffen; auch auf das, was über unseren Horizont hinausgeht.

In der Adventszeit ist in unserer Kirche die Krippe aufgebaut. Sie lädt ein, hinzuzutreten und innezuhalten. Ebenso, wenn Sie auf der Strasse an einem der lichterfroh geschmückten Bäume vorbeigehen oder Sie für sich eine Kerze anzünden – bleiben Sie doch einen Moment stehen und denken Sie an das Licht der Hirten, das Licht von Weihnachten. Es scheint auch Ihnen und möchte Ihren Glanz zum Leuchten bringen.
Autor: Matthias Koch     Bereitgestellt: 06.12.2018    
aktualisiert mit kirchenweb.ch