Am Anfang war das Lachen - Bibel einfach erklärt (SN)

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Matthias Koch (Foto: SN Bibelkolumne)

Weisheit und Heiterkeit müssen keine Gegensätze sein. Im Alten Testament ist Weisheit lebensfroh und sexy, voller Sinnlichkeit und Schaffensfreude, die das Leben in seiner bunten Vielfalt begrüsst. Das inspiriert mich, der Welt mehr Farbe zuzutrauen und mich davon anstecken zu lassen.
Matthias Koch,
Am Anfang war das Lachen und Scherzen

SPRÜCHE, KAPITEL 8, VERSE 22 UND 29-31:
«Der HERR hat mich, die Weisheit, geschaffen am Anfang seines Wegs, vor seinen anderen Werken, vor aller Zeit. Als er die Grundfesten der Erde festsetzte, da stand ich als Werkmeisterin ihm zur Seite und war seine Freude Tag für Tag, spielte vor ihm allezeit. Ich spielte auf seinem Erdkreis und hatte meine Freude an den Menschen.»

Der bittere Ernst des Lebens holt uns immer wiedermal ein. Diese Erfahrung lässt sich kaum vermeiden. Man redet dann davon, wie man auf den Boden der Realität aufschlägt. Man spricht vom bösen Erwachen, als ob die Sonnenseiten des Lebens nur ein Traum wären. Wer zu oft enttäuscht wird, verliert das Vertrauen in sich und die Welt oder beginnt ganz am Guten zu zweifeln. Dann fällt es schwer, Heiteres und Fröhliches zuzulassen, weil anderes es zudeckt oder man den Sinn dafür verloren hat. Es bringt ja doch nichts, rutscht schnell über die Lippen.
Dabei war am Anfang aller Dinge das Lachen und Scherzen – und die Weisheit. Davon erzählt zumindest das alttestamentliche Buch der Sprüche. Darin wird die Weisheit als das allererste Geschöpf vorgestellt. Und diese Weisheit hat es in sich. Sie wird als lebensfrohe, verspielte Vertraute Gottes beschrieben, die vor allem anderen war – sogar vor der Zeit. In der Vorstellungswelt des Alten Testaments treffen Weisheit und heiteres Lachen zusammen: Als eine lebensbejahende Frau, die scherzend und lachend Gott zur Seite steht. Das im Ursprungstext verwendete hebräische Wort mesachäqät hat sogar eine erotische Note. Die fröhliche Frau Weisheit strotzt vor Sinnlichkeit und Schaffensfreude, die das Leben in seiner bunten Vielfalt begrüsst.

Ist diese quirlige Frau an Gottes Seite ein augenzwinkerndes Gegenbild zu einseitigen, patriarchalischen Vorstellungen von Gott? Ein sanfter Stupser für alle, die Weisheit mit ertragender Ruhe gleichsetzen? Ein breites Gegenlachen, wo Weisheit mit verbittertem Ernst verwechselt wird? Wer weiss… Auf jeden Fall lehrt mich diese fröhliche Frau Weisheit, dass Heiterkeit und Lachen von Anfang an Teil der Welt sind und Teil jenes Geschehens, das schöpferisch Neues entstehen lässt. Am Anfang war Lachen und Scherzen. Darin steckt für mich die Ermutigung, das Suchen des Guten und Fröhlichen nie aufzugeben. Es ist von Anfang an der Welt beigelegt trotz allem anderen. Es inspiriert mich, der Welt mehr Farbe zuzutrauen und mich davon anstecken zu lassen.

Matthias Koch, reformierter Pfarrer in Neuhausen am Rheinfall, Gefängnisseelsorger

Kolumne in den Schaffhauser Nachrichten
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Bereitgestellt: 17.04.2021      
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