Danach

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Gott streckt seine Hand nach uns aus
Michèle Lampinen,
Die Schwelle ist überschritten, angekommen sind wir im neuen Jahr – wer hätte das gedacht? Die Festtage mit den Geschenken, reichlich gedeckten Tischen und noch reichlicher gefüllten Bäuchen liegen schon eine Weile hinter uns, die Kerzen sind abgebrannt und die Nadeln des einst in vollem Glanz erstrahlten Weihnachtsbaums sind längst vertrocknet und rieseln bei der kleinsten Berührung von den Ästen. Die letzten Tage des alten Jahres, die manch einen von uns beinahe an den Rand des nervlichen Zusammenbruchs führten, sind vorbei. Tanten, Onkel, Cousins und Schwippschwager sind abgereist, ein Stück vom Rest des Fest-Bratens, sorgsam in Alufolie gewickelt, im Handgepäck dabei. Vorbei ist auch das kindliche Staunen, das kribbeln im Bauch und den Händen, die Vorfreude darauf, was das Christkind wohl bringen wird. Vom hellen, alles überstrahlenden Stern von Bethlehem ist nur noch ein kaum mehr wahr zu nehmendes Glimmen übrig. Nicht mehr lange und auch dieses Licht wird im gewohnten Alltag untergehen, erstickt vom Gefühl der Gleichgültigkeit. Dort, wo noch vor Kurzem Engels-Chöre ihre Lieder sangen, ist nunmehr Stille, Kälte und Leere anzutreffen. Als hätte jemand zum Jesus-Kind gesagt: «Los, steh auf, verlass die Wärme und Geborgenheit, und sieh zu, wie du klar kommst!» Und so geht es doch auch uns ein Bisschen. Mittendrin im ersten Monat des Jahres erscheinen die Tage mit den vielen Lichtern und dem Duft nach Mandel-Spekulatius wie ein Traum. Und so stehen wir da, hilflos und frierend, ziellos, ohne Hand, die uns führt, alleingelassen.
An Weihnachten kam uns Gott freiwillig entgegen, für jeden sichtbar, nichts und niemand konnte ihn übersehen. Doch jetzt müssen WIR uns um IHN bemühen. Ich bin mir sicher, er streckt auch jetzt seine Hand aus, wir müssen sie nur sehen.