Das etwas andere Krippenspiel

Bild wird geladen... (Foto: Markus Müller)
Von wegen leerer Kirche: Gestossen voll war die Kirche Löhningen, als ein Dutzend Kinder und Teenagern die Weihnachtsgeschichte erzählten. Zwischen den Szenen sang ein Projektchor.
Lukas P. Huber,
«Meine Damen und Herren, ich sehe, Sie warten alle aufs Krippenspiel», wandte sich der Teenager Jonas Ernst nach dem gemeinsamen Singen von «O du fröhliche» an die volle Kirche Löhningen.

«Wir haben aber ein Problem», fuhr er an der Gemeinde-Weihnachtsfeier weiter, «es fehlen alle Schauspieler, und wir suchen Freiwillige», und schaute fragend ins Publikum. «Sie kennen ja alle die Geschichte die sich jährlich wiederholt, wer also macht mit?», ermunterte er die Leute.

Tatsächlich blieb der suchende Scheinwerfer im weiteren Verlauf an genügend Personen hängen, um alle Rollen besetzen zu können. Ein Kissen unter den Pullover für die schwangere Maria, einen Stab für Josef, eine Suppenschüssel für den Wirt, Schlapphüte für die Hirten und weisse Tücher für die Engel, und fertig war die Kostümierung.

Gekonnt bauten die jungen Schauspieler immer wieder Brücken vom heutigen Alltag in die damalige Zeit. Nein, Taxi gab es damals noch nicht, Maria und Josef müssten wirklich zu Fuss die 150 Kilometer zwischen Nazareth und Bethlehem zurücklegen. Der Wirt empfahl ein Doppelzimmer, eine Suite oder, als es zur Geburt kommen sollte, noch besser die Einlieferung ins Kantonsspital. «Wir sind in einem Krippenspiel, da bietet man den Stall an», brachte ihn Regisseur Jonas Ernst wieder auf den richtigen Weg. Auch die Nennung von Geschenken, Fernsehen und Youtube in Zusammenhang mit Weihnachten musste er seinen Schauspielern ausreden.

Den Zusammenhang zwischen den kurzen Sequenzen legte der Adhoc-Chor unter Leitung von Monika Niebuhr und Klavierbegleitung von Maja Ernst. Die nach einem Aufruf im Kirchgemeinde-Brief zusammengestellten Sänger und Sängerinnen beeindruckten musikalisch nach nur zweimaliger Probe. Das Publikum zeigte sich mit grossem Applaus begeistert vom etwas anderen Krippenspiel.

Die Kinder, über Religionsunterricht und persönliche Anfrage zum Mitmachen gewonnen, überzeugten durch ihr mit grosser Selbstsicherheit vorgetragenes Rollenspiel (Regie: Katharina Vogt und Lukas P. Huber). So schlecht vorbereitet war das Krippenspiel also nicht, stellte Pfarrer Lukas P. Huber abschliessend fest. Man kenne die alte Geschichte wirklich gut: Schwangerschaft, Stall, Hirten, Engel. Das stehe in scharfem Kontrast zum jungen Paar vor 2000 Jahr, das völlig unvorbereitet in eine schwierige Situation quasi geworfen worden sei. Die Geschichte mit ihrer Zuversicht gebenden Bedeutung sei gerade wichtig zum Jahresende, denn niemand wisse, was ihn erwarte im nächsten Jahr; er ermutigte die Gemeinde darum, darauf zu vertrauen, dass der gleiche Gott, der Maria und Josef zwar in eine schwierige Lage geführt, sie darin aber begleitet habe, auch mit den Menschen im Jahr 2020 bleibe.

Damit leitete Huber zu «Stille Nacht, heilige Nacht» über. Mit der Verabschiedung von Karin Bradler aus dem Familiengottesdienst-Team endete die vom Familiengottesdienst-Team vorbereitete Gemeinde-Weihnachtsfeier. Die Kirchgemeinde traf sich anschliessend im Mesmerhuus zu Punsch und Lebkuchen.

Was sich übrigens seit Menschengedenken auch nicht verändert hat, ist der grosse Christbaum in der Löhninger Kirche, ausschliesslich mit Äpfel und Kerzen geschmückt.
Gemeinde-Weihnachten 2019
31.12.2019
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