Virtuell: Morgenbesinnung

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Entzünden Sie die Kerze - ein Lichtermeer für die Hoffnung

Eingangsworte und Begrüssung
Freundliche Worte sind Honigwaben, süss für die Seele und heilsam für die Glieder.
Sprüche 16,24
Gott hat dir ein Gesicht gegeben, lächeln musst du selber.
aus Irland
Lieben heißt einen anderen Menschen so sehen zu können, wie Gott ihn gemeint hat.
Fjodor M.Dostojewski

Seid alle, seien Sie alle gegrüsst und eingeladen zur Morgenmeditation, wie wir sie jeden Dienstagmorgen in unserer Kirche Buchthalen um 07:45 miteinander feiern.

Gebet
Du bist unter uns, Gott.
Du siehst, wie wir heute zu dir kommen:
gelassen oder getrieben,
bedrückt oder glücklich.
Wir nehmen diesen Tag aus deiner Hand und bitten dich:
sei uns nahe bei unserem Tun und Lassen,
bei allem, was heute geschieht.
Lass uns wach in diesen Tag gehen:
aufgeschlossen für neue Ideen,
offen für neue Begegnungen,
beschwingt durch neue Töne.
Amen
                             Tagzeitengebet Deutscher Evangelischer Kirchentag,                                Berlin-Wittenberg Reformation2017

Lied
GB 724
1) Soll ich meinem Gott nicht singen?
Sollt ich ihm nicht dankbar sein?
Denn ich seh in allen Dingen,
wie so gut er's mit mir mein´.
Ist doch nichts als lauter Lieben,
das sein treues Herze regt,
das ohn Ende hebt und trägt,
die in seinem Dienst sich üben.
Alles Ding währt seine Zeit,
Gottes Lieb in Ewigkeit.
2) Wie ein Adler sein Gefieder
über seine Jungen streckt,
also hat auch hin und wieder
mich des Höchsten Arm bedeckt,
alsobald im Mutterleibe,
da er mir mein Wesen gab
und das Leben, das ich hab
und noch diese Stunde treibe.
Alles Ding währt seine Zeit,
Gottes Lieb in Ewigkeit.
7) Wenn ich schlafe,
wacht sein Sorgen
und ermuntert mein Gemüt,
dass ich alle liebe Morgen
schaue neue Lieb und Güt.
Wäre mein Gott nicht gewesen,
hätte mich sein Angesicht
nicht geleitet, wäre ich nicht
aus so mancher Angst genesen.
Alles Ding währt seine Zeit,
Gottes Lieb in Ewigkeit.
Paul Gerhardt 1607-1676

Lesetext

Die Sonnenuhr
Immer wenn ich eine Sonnenuhr sehe, kommt mir als erstes jener Zweizeiler in den Sinn,
den wir als Kinder einander gern ins Poesiealbum schrieben: „Mach es wie die Sonnenuhr,
zähl die heiteren Stunden nur.“ Ach ja, das Heitere, Lustige, Schöne, das sollen wir
aufnehmen – und das andere möglichst unbeachtet lassen. Die trüben Tage, die dunklen
Stunden sollen wir an uns vorbeiziehen lassen, so wie auch die Sonnenuhr die dunklen
Stunden ignoriert. Sie nimmt sie schlicht nicht zur Kenntnis. Sie reagiert nicht darauf. Es gibt
sie nicht für sie.
Die ganze Wahrheit kann das aber auch nicht sein. Irgendwie gehören ja doch die dunklen
Stunden auch zu unserem Leben. Und nicht selten sind sie – im Rückblick gesehen – sogar
wichtig und gut gewesen. Wir wachsen ja nicht nur am Schönen, sondern auch am
Schweren. So negativ sollten wir also von den dunklen Stunden nicht denken. Irgendwie
gehören sie auch dazu.
„Mach es wie die Sonnenuhr, zähl die heiteren Stunden.“ Wenn wir das Wörtchen „nur“
weglassen, reimt sich der Spruch zwar nicht mehr, aber es bleibt die Aufforderung bestehen,
die heiteren Stunden wahrzunehmen. Das heisst: wir sollen das Liebe, Gute, Schöne,
Freudvolle, das uns begegnet, auch tatsächlich wahrnehmen und in uns aufzunehmen. Die
Aufforderung ist nötig, weil es gar nicht selbstverständlich ist, dass wir das tun. Für eine
Sonnenuhr ist es völlig selbstverständlich, dass sie reagiert, sobald die Sonne auf sie scheint.
Wir Menschen reagieren häufig nicht. Wir lassen die heitern Stunden unbemerkt und
ungenutzt vorbeigehen. Wir nehmen die kleinen und grossen Wohltaten, die Sonnenstrahlen
und das Gute, das uns geschenkt wird, oft nicht wahr.
Erst wenn uns etwas fehlt, beginnen wir zu reagieren. Dann sind wir genau das Gegenteil
von einer Sonnenuhr, man könnte das vielleicht eine Schattenuhr nennen: wenn man nur
das Schlechte anzeigt, nur das Fehlende wahrnimmt, nur das das Missliebige feststellt.
„Mach es wie die Sonnenuhr…“ Wie viele Sonne, wie viele heiteren Stunden braucht der
Mensch, um glücklich zu werden? Diese Frage ist wohl falsch gestellt. Es kommt nicht in
erster Linie auf die Sonnenscheindauer an oder auf die Menge der Sonnenstrahlen, sondern
auf die Fähigkeit, sie wahrzunehmen. Ein Mensch mit einem wachen Sinn wird jeden Tag
irgendeinen Sonnenstrahl entdecken und sagen können: „Das macht mich glücklich.“ Ein
Mensch hingegen, dem die Wahrnehmung fehlt, wird selten glücklich sein, auch wenn er
noch so sehr auf der Sonnenseite des Lebens wohnt.
In Europas höchstgelegener Bündner Gemeinde Lü, das auf einer herrlichen Sinnenterrasse
im Münstertal liegt, habe ich an einer Hauswand eine Sonnenuhr entdeckt mit der
rätoromanischen Inschrift: „Guard‘ adüna, disch il sulai, la fortüna chattast in tai.“ Das heisst
übersetzt: „Pass auf, sagt die Sonne, dass Glück findest du in dir.“ Es ist also nicht damit
getan, dass man sich einen möglichst guten Platz an der Sonne aussucht oder herbeiwünscht
und dann denkt, Glück und Zufriedenheit stellten sich automatisch ein. Der Schlüssel zum
Glücklichsein liegt nirgendwo als bei mir selbst. Die Sonne kann wohl scheinen, sie kann mir
wohl ihre Strahlen schicken – ob viele oder wenige, spielt nicht die entscheidende Rolle -,
aber ob ich sie hereinlasse und in mein Bewusstsein aufnehme, das liegt bei mir.
                                                  Margrit Balscheit, 1997

Stille

Unser Vater

Segen
Möge dein Weg dir freundlich entgegenkommen, Wind dir den Rücken stärken, Sonnenschein
deinem Gesicht viel Glanz und Wärme geben. Der Regen möge deine Felder tränken, und bis
wir beide, du und ich, uns wiedersehen, halte Gott schützend dich in seiner hohlen Hand.
Irischer Reisesegen
Es segne uns Gott der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.
Amen

Seit dem 24.März 2020 versammeln wir uns geistig - dank Mailverkehr und dem auf unserer Homepage aufgeschalteten Text, wohl jeweils zu Hause – um in geistlicher Verbundenheit miteinander zu hören, zu beten, zu loben und zu meditieren, in der Vertrautheit einer über 40jährigen(!) Tradition der Morgenbesinnung unserer Kirchgemeinde Buchthalen. Bald können wir uns wieder erneut in der Kirche treffen, nämlich am 23.Juni 2020, mit den entsprechenden Vorsichtsmaßnahmen.
Ich freue mich, Euch wieder zu begegnen!
Seid behütet!
Ich grüsse Euch alle ganz herzlich
Kurt Müller
Kontakt: Kurt Müller
Sonnenuhr 1685 Haus Gregori Latsch/Bergün GR
09.06.2020
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