Ewigkeitssonntag in der Steigkirche

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Möge Euch das Licht durch die Dunkelheit begleiten
Nyree Heckmann,
Manchmal bin ich so müde…es sind zu viele Aufgaben,
zu grosse Anforderungen, und die Verluste, die mir zugemutet werden sind zu gross.
Manchmal bringt mich das wirklich an den Rand meiner Kraft. Dann möchte ich nur noch verschwinden, abhauen, abtauchen. So wie Elija. Hört selbst, wie es dem Propheten erging. Und wie fürsorglich Gott ihm begegnete:

1. Könige 19 Elia am Horeb

Elija wünscht sich den Tod und wird gestärkt
4 Elija ging noch einen Tag lang weiter –
Tiefer in die Wüste hinein.
Dann setzte er sich unter einen Ginsterstrauch
und wünschte sich den Tod.
«Es ist genug!», sagte er.
«HERR, nimm mir doch das Leben!
Denn ich bin nicht besser als meine Vorfahren.»
5 Schliesslich legte er sich hin
und schlief unter dem Ginsterstrauch ein.
Plötzlich berührte ihn ein Engel
und forderte ihn auf: «Steh auf und iss!»
6 Als Elija um sich blickte,
fand er etwas neben seinem Kopf:
frisches Fladenbrot und einen Krug mit Wasser.
Er ass und trank, dann legte er sich wieder schlafen.
7 Doch der Engel des HERRN erschien ein zweites Mal.
Wieder berührte er ihn und sprach: «Steh auf und iss!
Denn du hast einen weiten Weg vor dir!»

Elija begegnet Gott am Horeb
8 Da stand Elija auf, ass und trank und ging los.
Durch das Essen war er wieder zu Kräften gekommen.
40 Tage und 40 Nächte war er unterwegs,
bis er den Horeb, den Berg Gottes erreichte.
9 Dort ging er in eine Höhle, um darin zu übernachten.
11 Da sprach Gott zu ihm: «Komm heruas!
Stell dich auf den Berg vor den HERRN!»

Und wirklich, der HERR ging vorüber:
Zuerst kam ein gewaltiger Sturm,
der Berge sprengte und Felsen zerbrach.
Der zog vor dem HERRN her,
aber der HERR war nicht im Sturm.
Nach dem Sturm kam ein Erdbeben.
Aber der HERR war nicht im Erdbeben.
12 Nach dem Erdbeben kam ein Feuer.
Aber der HERR war nicht im Feuer.
Nach dem Feuer kam ein sanftes, feines Flüstern.
13 Als Elija das hörte,
bedeckte er das Gesicht mit seinem Mantel.



Ja, er hat sich selbst in diese Situation gebracht, der Prophet.
Er hat einen nicht wieder gut zu machenden Fehler begangen.
Elija, der Prophet wurde darum bedroht, von aussen.
Von innen drohte er zu zerbrechen. Er musst weg.
Und dann wurde er zum Flüchtling.

Unsere Situationen sind sehr verschiedenen.
Ich habe einen Menschen, der mir nahe war, verloren.
Dafür konnte ich nichts.
Elija hat sich selbst in diese Situation gebracht.
Und doch, flüchten möchte ich dann und wann auch.

Weil es nicht geht.
Weil etwas in mir mitgestorben ist mit der Person, die mich verlassen hat.
Weil ich es manchmal nicht ertragen kann, dass um mich herum das Leben weitergeht, als wäre nichts gewesen.
Dann möchte ich weg.
Dann halte ich mein Leben selbst fast nicht mehr aus.

Wie das wohl wäre, frage ich mich,
wenn mir dann so ein Bote Gottes begegnen würde, der mich versorgt. Der mich nicht fallen lässt, sondern so annimmt, wie ich gerade bin.
Der mir etwas zu essen und trinken vorbeibringt.
Der die Vorhänge aufzieht und wieder Licht in meine Wohnung lässt.
Und der mir dann sagt: Steh auf und iss.
Es ist kein befehlender Ton, aber ein klarer.
Dieser göttliche Bote stiesse wieder eine Tür ins Leben auf und das Licht erscheint mir grell. Zuerst.
Meine Augen müssen sich daran gewöhnen, wieder in ein Licht zu schauen.
Mit der Zeit geht es, wird es besser. Dann blendet es nicht mehr so stark. Dann tut es nicht mehr gar so weh. Dann sehe ich klarer.

Aber mehr schaffe ich nicht. Im Moment.

Was wäre, wenn dann – so wie bei Elija – der Engel, der Bote Gottes – noch einmal erschiene. Und dieses Mal berührte er mich und sagte noch einmal: Steh auf und iss. Du hast noch einen weiten Weg vor Dir.
In dieser Stimme höre ich so viel Zutrauen. Und Gewissheit.

Da sagt mir eine andere Person, was ich mir selbst noch nicht sagen kann:
Du hast noch einen Weg vor Dir.
Du hast noch einen Weg vor Dir. Er ist weit. Ja.
Er braucht Zeit. Ja. Aber es ist wichtig, es ist unabdingbar, dass Du ihn gehst.
Damit du wieder ins Leben zurückfindest.

Und wie wäre es, wenn auch ich Gott in dieser Zeit wahrnehmen könnte.
Und zwar so, wie Martin Buber den Bibeltext versteht:
Gott als eine Stimme verschwebenden Schweigens:
Da
vorüberfahrend ER:
ein Sturmbraus, gross und heftig,
Berge spellend, Felsen malmend,
her vor SEINEM Antlitz:
ER nach Beben ein Feuer:
ER im Feuer nicht –
Aber nach dem Feuer
eine Stimme verschwebenden Schweigens.


Der Sturm in meinem Innern hat ausgedient. ¨
Jetzt ist es das verschwebende Schweigen.
Damit könnte sie beginnen, die Verwandlung. So wie bei Elija.
Er kommt zur Ruhe, findet eine neue Gewissheit,
hat Vergeben für seine Fehler empfangen.
Ich komme zur Ruhe, finde neuen Trost,
durch all die todvernetzten Gedanken und Empfindungen.

Die Heilung beginnt, wenn ich begegne.
Zuerst dem Engel, dem Boten Gottes,
der mich versorgt in meiner Not.
Und dieser, dieser weist hin auf den, in dessen Händen auch mein Leben liegt.
Und hier, wenn ich Gott begegne – in einem verschwebenden Schweigen. Dann entsteht Raum, in dem ich heilen kann.
Amen.

Ich wünsche Ihnen eine trostreiche Zeit!

Nyree Heckmann