Konfirmation auf der Steig

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Die Konfirmation fand auf der Steig trotz Coronavirus statt
Martin Baumgartner
Julius Thoma und Julian Stoffel vom Jugendchor Chorisma haben Lieder angestimmt, die zum Festgottesdienst gepasst haben. Songs der Beatles und moderne Lieder, die Lebenserfahrungen aufnahmen und Zuversicht und Hoffnung vermittelten.
Für mich war es nicht verwunderlich, dass meine Konfirmanden das Thema Gesundheit gewählt haben. In den vergangenen Monaten haben sie sich mit der Pandemie auseinandergesetzt. Die Coronakrise hat sie sensibler gemacht. Sie haben im Rahmen des Gottesdienstes ihre Gedanken geäussert zum Thema. Hier einige Beiträge: In der Zeit des "Home schooling war mein Tagesrhythmus gestört. Ich habe immer nur gelernt. Meine Gesundheit hat darunter gelitten. Ich habe gelernt, meine Zeit besser einzuteilen. Für die Gesundheit kann man froh und dankbar sein. Die meisten Menschen empfinden sich als gesund, wenn es ihnen seelisch und körperlich gut geht. Es gibt aber auch Menschen, die eine unheilbare Krankheit haben. Aber auch sie können gesund sein, solange sie sich wohl fühlen und nicht leiden müssen. Deshalb ist es schwierig, zu sagen, wer gesund und und wer nicht. Gesundheit ist keine Selbstverständlichkeit im Leben. Wir sollten für jede Stunde danken, in der wir gesund sind. Gesundheit ist ein Geschenk. Jede Krankheit bedeutet eine Hürde im Leben. Krankheiten sollten nicht unsere Freunde stehlen. Lachen und Spass haben ist eine wichtige Medizin. Auch in unserer Pandemie ist es wichtig, dass wir nicht aufgeben. Es ist eine Zeit, wo wir zusammenhalten. Nur miteinander können wir die Pandemie überstehen.
Geundheit ist das wichtigste im Leben. Wenn man nicht gesund ist, ist man auch nicht glücklich und kann das Leben nicht geniessen. Man sollte immer zuerst an seine Gesundheit denken. Wenn ich zum Beispiel etwas Neues mit meinem Bike ausprobieren möchte, überlege ich mir zuerst, was das Risiko ist. Es gibt Krankheiten, denen man nicht ausweichen kann. Wichtig aber ist, dass man sich helfen lässt. Man muss auch an sich selber glauben, dass am eine Krankheit übersteht. Aeltere Menschen haben meist mehr Probleme mit der Gesundheit. Aber manches kann man vorbeugen, wenn man zum Beispiel die Muskulatur stärkt und seine Beweglichkeit trainiert."
In der Predigt habe ich diese Lebenserfahrungen der jungen Menschen aufgenommen. Es gibt verschiedene Zeiten im Leben, wo wir uns grundsätzliche Fragen stellen. Was ist eigentlich wichtig im Leben? Auch im Unterricht haben die Konfirmanden auf diese Frage eine Antwort gegeben. Folgendes ist ihnen wichtig: Zufriedenheit, Unterstützung, Wertschätzung, Dankbarkeit, Lebensfreude, gutes Tun, Erfahrungen sammeln, Neues lernen, Zusammenhalt, der nächsten Generation wichtige Werte weitergeben, bestimmte Lebensziele verfolgen, Reisen, die Welt entdecken, Freundschaften schlissen und Karriere machen. Das sind die Wünsche, die die jungen Menschen im Herzen tragen.
Erinnern Sie sich, als Sie auch solche Wünsche wie die Konfirmanden im Herzen getragen haben? Wie war es damals? Waren Ihre Wünsche ähnlich wie die Wünsche der Konfirmanden? Und dann kam das Leben. Manches kam anders als geplant. Bestimmte Wünsche gingen nicht in Erfüllung. Glücklich ist, wer rückblickend trotzdem sagen kann: es ist gut so, wie es ist. Vieles ist anders gekommen. Im Rückblick entdecken wir wie eine gnädige Hand, die uns durch die Erfahrungen des Lebens geleitet hat. Die Hand Gottes. Ich wurde geführt. Andere haben mich begleitet. Ich bin nicht allein mit dem, was ich zu tragen habe. Das ist eine schöne Erfahrung im Leben.
In der momentanen Pandemie gilt es, Abstand zu bewahren, um unsere Gesundheit und die Gesundheit der anderen zu schützen. Vor 700 Jahren war diese Devise auch aktuell. Die sogenannten Sondersiechen uf der Steig, die Aussätzigen, lebten im heutigen Altersheim Steig, getrennt von der Gesellschaft. Genauso war es zur Zeit Jesu. Die Aussätzigen mussten in Höhlen ausserhalb der Stadt Jerusalem leben. Niemand wollte mit ihnen Kontakt haben. Das Essen wurde ihnen geliefert. Im Markusevangelium finden wir nun eine schöne Geschichte. "Ein Aussätziger kommt bittend zu Jesus, wirft sich vor ihm auf die Knie und sagt zu ihm: Wenn du willst, kannst du mich rein machen. Da hatte er Erbarmen mit ihm, streckte seine Hand aus, rührte ihn an und sprach zu ihm: ich will es, werde rein."

Das erstaunliche ist: Jesus berührte den Aussätzigen mit der Hand. Er kümmerte sich um ihn. Der Kranke war ihm nicht gleichgültig. Er be- hand- elte ihn im wahrsten Sinne des Wortes. Ein schönes Bild. Ich denke an Mediziner, die mit all ihren Sinnen einen Patienten wahrnehmen und sich so ein umfassendes Bild machen. Jesus wendet sich diesem kranken Menschen zu und sieht ihn mit den Augen der Liebe an.

Für Euch, liebe Konfirmanden, geht es genauso darum, mit einer Offenheit und Zuversicht in die Welt hinaus zu gehen und mit Augen der Liebe die Menschen wahrzunehmen. Ich kann euch verraten. Ihr werdet Augen machen, die Gnade Gottes erfahren und immer wieder überrascht werden.

Der Herr segne dich und behüte dich.
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.
Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden. Amen