Impulsmorgen für Freiwillig Mitarbeitende der Verbandskirchgemeinden

Bild wird geladen... (Foto: Ruth Gehring)
Schwester Veronika Ebnöther ist eine von rund 50«geweihten Jungfrauen» in der Schweiz. Sie nennt sich selbst «Freelance-Schwester» und führt ein eheloses, religiöses Leben, ohne einem Orden anzugehören. In Schaffhausen hat sie aus ihrem Leben erzählt.
Ruth Gehring,
Auf der Suchen nach Schönheit
Die Suche nach Schönheit bedeutet nur einen Ausschnitt vom Ganzen zu sehen. Veronika Ebnöther ist auch eine begabte Fotografin und beweist das den rund 30 Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Impulsmorgens der Verbandskirchgemeinden, mit ihren wunderschönen, zarten und subtilen Bildern. Aufgewachsen in einer katholischen Familie führt sie ihr Weg zuerst zu einem Kunstgeschichte Studium, bevor sie mit 25 Jahren ihre Berufung erlebt, als geweihte Schwester ihr Leben Gott zu widmen.
Die Geschichte der geweihten Schwestern geht zurück auf das 3. Jahrhundert, wo Frauen ihr Leben Gott weihten, alleine und als Selbstversorgerinnen lebten. Sie trugen eine Tunika, einen Schleier und einen Ring. Ab 1971 wurde dieser Brauch wiederaufgenommen. Heute leben rund 3000 Frauen weltweit als geweihte Jungfrauen.
Die Zeit als Missionarin in Südamerika prägte Veronika Ebnöther stark. Das Leben unter den Ärmsten der Armen bedeutete Verzicht und ein hartes Leben mit vielen anspruchsvollen Aufgaben und Begegnungen. Die Idee, sich mit einem selbstgenähten Habit aus blauem Jeansstoff einzukleiden, brachte Frau Ebnöther aus jener Zeit mit.
Heute arbeitet Veronika Ebnöther als Gefängnisseelsorgerin in der Justizvollzugsanstalt Cazis Tignez in der Nähe von Chur. Das Gefängnis gliedert sich in einen offenen und einen geschlossenen Vollzug. Ausgerüstet ist die Freelance-Schwester mit einem Gürtel, an welchem wichtige Dinge wie Alarm, Telefon, Schlüssel, Notizblock und Mundpastillen angebracht sind. Die Atempastillen? Veronika Ebnöther ist viel im Gespräch . Sie tut das stets mit einem feinen Lächeln, was die die Mundpastillen erklärt.
Hinter die Gefängnismauern kommt niemand, welcher sich nicht mehrfach ausweisen kann. Sicherheit ist lebenswichtig. Das Gefängnis beherbergt viele Arten von Delinquenten, vom Versicherungsbetrüger bis hin zum Mörder und Vergewaltiger. Veronika Ebnöther begrüsst beim Morgenappel alle Insassen persönlich. Später kommen sie zu persönlichen Gesprächen zur Seelsorgerin. Ihre Mission lautet: Den Menschen sehen, Nächstenliebe walten lassen . Die Tat ausblenden, aber nicht gutheissen.
70% der Insassen sind ausländischer Herkunft. Alle Gefangenen erleben emotionale Achterbahnen. Stimmungen können schlagartig wechseln, nie dürfen deshalb die Vorsicht und der eigene Schutz vergessen werden.. In den Seelsorge-Gesprächen geht es vielfach um Schuld, um das Delikt an sich und um Beziehungsprobleme.
Veronika Ebnöther betrachtet es als essentiell, dass Humor und auch mal ein Lachen Platz haben. «Nur so gelingt es, Vertrauen aufzubauen», sagt sie. Der erzieherische Auftrag liegt bei den Wärterinnen und Wärtern. Das ermöglicht es Schwester Veronika, auf einer anderen Ebene mit den Gefangenen zu arbeiten. Die Welt in einem Gefängnis unterscheidet sich stark von der unsrigen: «Innerhalb der Gefängnismauern sind stark auch negative Kräfte spürbar. Das fordert mich seelisch und physisch täglich heraus», so Veronika Ebnöther.
Als Ausgleich backt sie wöchentlich ihr eigenes Brot. Nicht im Schnellverfahren, sondern so, dass der Teig mehrmals angesetzt wird und mehrmals aufzugehen hat.
Als letztes Bild zeigt uns die fröhliche und aufgestellte Referentin ein Foto mit dem Kopfhaar einer Geiss. Die Haarbüschel stehen in verschiedene Richtungen. «Sie sind ein Symbol dafür, dass jeder im Leben den eigenen Weg finden muss», erläutert Veronika Ebnöther dazu.
Der Impuls-Morgen mit der Freelance-Schwester aus Graubünden hat uns verschiedene Ausschnitte gezeigt. Sie reichen aus, um ein eindrückliches Ganzes zu sehen.