Zeit und Ewigkeit

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Ewigkeit. Das ist doch eigentlich ein Wort für einen Gedanken, den man gar nicht fassen kann. Ewigkeit ist ja gerade das, was wir nicht fassen können.
Admin Steig,
Und doch erahnen wir manchmal etwas davon, dass unendliche Weiten da sein müssen, unermessliche Räume - und wir mit unserem kleinen Leben irgendwo da mitten drin.
Wenn man etwa in einer stillen Nacht in den Bergen den Himmel betrachtet und die Millionen Sternen sieht, dann schaut man und staunt und kann die unendlichen Weiten nicht fassen. Man weiss, dass man da in einen unendlichen Raum hinausschaut. Aber man kann sich nicht vorstellen, wie das ist. Unendlichkeit - Tausende von Lichtjahren könnte man da hinausfliegen und man käme immer noch nicht an ein Ende. Der Verstand ist überfordert. Aber diese riesenhafte Unendlichkeit ist eine Realität. Das ist ein seltsames Gefühl. Man kommt sich plötzlich unendlich klein vor, Und man merkt, dass man eigentlich gar nicht viel weiss und dass man vielleicht auch gar nicht so wichtig ist, wie man sich nimmt. Irgendwie befreit es einen. Aber irgendwie macht es einem auch ein bisschen Angst. Was bin ich denn in diesem unfassbar grossen Universum?
Hier beginne ich zu ahnen, was mit dem Wort Ewigkeit gemeint sein könnte. Wenn die Religion von Ewigkeit redet, dann meint sie wohl dieses grosse, ganz und gar unfassbare Geheimnis. Die Ewigkeit ist das Meer, in welchem meine Zeit und meine Welt ein einziger, kleiner Tropfen ist. Ich kann die Ewigkeit nicht recht denken und gar nicht fassen und doch lebe ich in ihr - so wie ich das unendliche Weltall nicht denken und nicht fassen kann und doch in ihm lebe.
Unser Glaube hat das Menschenleben stehts in einem grösseren Zusammenhang eingebettet gesehen. Die Zeit des Einzelnen war immer umfangen von der Ewigkeit. Die Zeit des Einzelnen war nie etwas Isoliertes und losgelöst von allem anderen Leben. Jeder, der glaubte, wusste ganz genau, dass mit ihm nicht alles anfing und mit ihm nicht alles aufhörte. Er wusste sich aufgehoben in einem grösseren Ganzen.
Ein Beispiel für dieses Bewusstsein ist der 90. Psalm Da stehen die Worte:

"O Herr, du warst unsre Zuflucht von Geschlecht zu Geschlecht. Ehe die Berge geboren waren und die Erde und die Welt geschaffen, bist du Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Du lässest die Menschen zum Staube zurückkehren, sprichst zu ihnen: "Kehret zurück, ihr Menschenkinder!... Unser Leben währet siebenzig Jahre, und wenn es hoch kommt, sind es achtzig Jahre...Lehre uns unsre Tage zählen, dass wir ein weises Herz gewinnen."

In diesem Psalm ist das Kleine und das Grosse zusammen. Das Grosse, das ist Gott, der von Ewigkeit zu Ewigkeit ist. Gott, der nicht fassbar ist und doch alles umfasst. Das Kleine, das ist unser persönliches Leben, unser Leben, das vergänglich ist wie die Blume, die am Morgen sprosst und am Abend verdorrt. Das Kleine ist vom Grossen umfangen.
Unser Leben währet siebzig Jahre und wenn es hoch kommt, sind es achtzig Jahre, heisst es weiter. Zweieinhalbtausend Jahre nach der Niederschrift dieses Psalms könnte man vielleicht die Zahlenangaben um zehn erhöhen und von achtzig und neunzig Jahren sprechen. Wenn wir diese Worte innerlich mitbeten, spüren wir, dass wir in unserem kleinen, begrenzten Leben umfangen sind von der Ewigkeit Gottes.

Unsere Lebenszeit ist im Angesicht der Ewigkeit nicht bedeutungslos. Unsere kleine Zeit wird von der grossen Ewigkeit nicht erdrückt, sondern gehalten. Und so mündet der Psalm in die Bitte ein: "Lehre uns unsere Tage zählen, dass wir ein weises Herz gewinnen." Luther hat diese Stelle etwas anders übersetzt: "Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden."

Jeder hat seine ganz persönliche Lebenszeit, die ihm gewährt wird. Wie lange sie sein wird, weiss niemand. Ein jeder von unseren Tagen erhält seine Bedeutung, wenn wir ihn aus der Hand des ewigen Gottes empfangen. Ein jeder von unseren Tagen erhält seine Bedeutung, wenn wir ihn in die Hand des ewigen Gottes zurückgeben. Dort, von Gott kommen wir her und dorthin gehen wir einmal zurück. Dort sind wir aufgehoben und daheim. In Gottes grosser Ewigkeit.

Der Herr segne deinen Ausgang und Eingang von nun an bis in Ewigkeit. Segensspruch beim Ausgang aus der Steigkirche. Amen