Auf den Spuren der Hugenotten und Waldenser

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Eine grosse Gruppe der Steiggemeinde machte sich auf, um die Orte in der Altstadt aufzusuchen, wo vor 330 Jahren Hugenotten und Waldenser logierten.
Admin Steig,
Der Historiker Laurent Auberson erzählte an verschiedenen Stationen, wie die Glaubensflüchtlinge zu Tausenden nach Schaffhausen kamen, übernachteten und nach Deutschland weiterzogen. Nur gerade von einer Familie ist in den Archiven dokumentiert, dass sie in der Stadt blieb. Die Haltung der Bevölkerung war damals zwiespältig. Es gab zwar einzelne Stadtbürger, die den Hugenotten und Waldensern privat Unterschlupf gewährten, aber die Mehrheit der Bevölkerung war kritisch eingestellt. In einem Spitzenjahr kamen 9000 Flüchtlinge nach Schaffhausen. Insgesamt kamen innerhalb von 10 Jahren 28800 Glaubensflüchtlinge in unsere Stadt. Das war für die Bevölkerung eine grosse Last, zählte doch Schaffhausen damals 5000 Einwohner. Wir suchten die Orte auf, wo Hugenotten und Waldenser übernachteten: den Kreuzgang im Allerheiligen, den Ort des St. Agnes Klosters, das Hotel Bären, Krone oder Löwen. Wie kam es zu diesen grossen Flüchtlingsströmen? Aufgrund des Ediktes von Nantes wurden die Reformierten gezwungen, auszuwandern. Der Leitsatz galt damals: "Ein König, ein Reich, eine Religion". Der reformierte Glaube wurde nicht geduldet. Zehntausende mussten fliehen. Die Route der Glaubensflüchtlinge führte von Südfrankreich und Norditalien durch die Schweiz nach Deutschland. Wir suchten auch das schöne Hugenottenmedaillon auf, das vor 329 Jahren für ein Hinterzimmer im "Grossen Haus" am Fronwagplatz angefertigt wurde. Der Schaffhauser Künstler Samuel Höscheller hat es geschaffen. Vermutlich wurde es zu Ehren eines Glaubensflüchtlings aus Frankreich oder aus dem Piemont hergestellt, der bei der Familie Peyer im Hof wohnte. Das allegorische Medaillon zeigte einen Wanderer. Ueber ihm ist die schützende Hand Gottes mit einem Palmzweig zu sehen. Der Palmzweig ist ein Symbol für das Martyrium der Hugenotten. Im Hintergrund ist eine Landschaft aus Südfrankreich zu sehen. Auf dem Band stehen die Worte "il faut souffrir et espérer" (Wir müssen leiden und hoffen). Auch die Jahreszahl 1687 findet sich auf dem Bild. Man nimmt an, dass das Medaillon einen flüchtenden Hugenotten darstellt. Links und rechts sind zwei Schlangennestern zu sehen. Symbolisch dargestellt sind damit die Gefahren, die den Glaubensflüchtlingen auf ihrem Weg drohten. Laurent Auberson wies auf weitere historische Hintergründe hin. 1685 wurde im Edikt von Potsdam, dem sogenannten Potsdamer Toleranzedikt, den protestantischen Glaubensgenossen freie und sichere Niederlassung in Brandenburg gewährt.
Es war eine interessante Führung. Wir sind in die Geschichte unserer Stadt eingetaucht und werden bestimmte Orte in der Altstadt jetzt mit neuen Augen sehen. Heute sind die Flüchtlingsströme in Europa ein grosses Problem. Auf dem Rundgang wurde uns bewusst, dass bereits damals grosse Flüchtlingsströme durch Europa zogen. Der Grund für diese grosse Wanderbewegung der Hugenotten und Waldenser war ihr Glaube, der nicht toleriert wurde. Das, was für uns heute selbstverständlich ist, die Religionsfreiheit, ist ein kostbares Gut. In unserer modernen, multikulturellen Schweiz gilt es, dieser Religionsfreiheit Sorge zu tragen. Martin Baumgartner