Tapferkeit

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Was verstehen wir unter dem Wort Tapferkeit? Der erste August ist ein Anlass, wo wir auf die eigene Geschichte zurückblicken und die Gegenwart reflektieren.
Admin Steig,
Auch wir haben unsere Helden der Geschichte. Wilhelm Tell zum Beispiel, der für Freiheit und Gerechtigkeit gekämpft hat. Er schreckte nicht vor dem verhassten Landvogt Gessler zurück und blieb standhaft und tapfer. Auch wenn das Leben unseres Nationalhelden mit vielen Legenden geschmückt wurde, so bleibt wohl ein historischer Kern, der unsere schweizerische Haltung widerspiegelt. Friedrich Schiller hat in seinem Drama den Gründern unseres Landes die Worte in den Mund gelegt: «Wir wollen sein ein einig Volk von Brüdern, in keiner Not uns trennen und Gefahr. Wir wollen frei sein, wie die Väter waren, eher den Tod, als in der Knechtschaft leben. Wir wollen trauen auf den höchsten Gott und uns nicht fürchten vor der Macht der Menschen.» Diese Worte widerspiegeln das schweizerische Selbstverständnis. Freiheit ist ein hohes Gut.

Tapferkeit ist aber heute nicht nur ein positives Wort. Es gibt auch eine falsche Heldenverehrung. In den Medien wird immer wieder an dunkle, problematische Seiten gewisser Persönlichkeiten erinnert. Helden, die Kriege und Schlachten gewonnen haben, haben andere Völker unterdrückt. Helden hatten auch ihre Schattenseiten. In der Schweiz ist man darum skeptisch mit der Heldenverehrung. Wir erinnern uns, wie vor ein paar Jahren ein Bundesrat abgewählt wurde. Man will keinen Bundesrat, der zu viel Macht hat.

Was entdecken wir, wenn wir das Wort Tapferkeit in der Bibel suchen? Es gibt eine falsche und eine richtige Tapferkeit. Das entdecken wir in der Gestalt des grossen Königs David. An drei entscheidenden Stellen geht es um das Motiv der Tapferkeit.

Nachdem David zum König gesalbt wurde, wurde er Saul vorgestellt. Er könne gut Harfe spielen und die bösen Geister vertreiben, wird ihm berichtet. David wird in den Königspalast geholt. Saul entdeckt seine Führungsqualitäten. Aber es dauert nicht lange, da wird David für Saul zur Bedrohung. Dieser will den Rivalen beseitigen.

Saul bietet ihm seine Tochter Merab an, wenn er in den Krieg zieht. Insgeheim denkt Saul, David werde sich ins Schlachtfeld werfen und im Kampf gegen die Philister umkommen. Aber es kommt anders. David siegt gegen den Riesen Goliath dank seiner Tapferkeit und seinem Mut. Das gefällt Saul ganz und gar nicht. Er beginnt ihn zu verfolgen. Ein Königskrimi beginnt.
Nach dem Tod Sauls wird David König und regiert das Land. Er ist auf dem Höhepunkt seiner Macht. Die Geschichte von der Tapferkeit ist aber damit noch nicht zu Ende erzählt. Im Glanz seiner strahlenden Macht und seines Erfolgs steht David einmal am Abend auf der Zinne seines Palastes und erblickt auf dem Dach eines Nebenhauses eine schöne Frau – Bathseba. David lässt sie zu sich in den Palast holen. Es geht nicht lange und Bathseba ist schwanger. Wie reagiert David? Er versucht, es zu vertuschen und lässt den Mann von Bathseba, Urija, von der Front zurückholen. Aber das Vertuschungsmanöver misslingt. David, der Draufgänger und Machtmensch, greift jetzt zu einem schrecklichen Mittel. Es ist übrigens dasselbe Mittel, das Saul gegen ihn anwenden wollte. Er lässt dem Kommandanten einen Brief überbringen. In diesem steht, dass Urija an vorderster Front kämpfen solle, sodass er umkommt. Der Wunsch von David geht in Erfüllung. Bald darauf stirbt Urija in der nächsten Schlacht. David hat sein Ziel erreicht.

Aber jetzt tritt der Prophet Nathan auf. Nathan nimmt kein Blatt vor den Mund. Er sagt der mächtigsten Gestalt des Landes die Wahrheit. Entscheidend aber ist es, wie Nathan das macht. Er erzählt ihm eine Geschichte. Eine Geschichte, die erst am Schluss als Gleichnis erkennbar wird: 2.Samuel 12,1-7a.

David erkennt selber, was er getan hat. Entscheidend ist in dieser Geschichte: hier wird nicht moralisiert, hier werden andere nicht runtergemacht, sondern hier wird ganz realistisch erzählt, wie wir alle manchmal Schwierigkeiten haben mit der Macht.

Jahrhunderte später zeigt uns Jesus von Nazareth, was Tapferkeit bedeutet. Er hat immer wieder tapfer und mutig reagiert, in vielen Streitfällen hat er geschlichtet mit einem klugen und friedlichen Wort. Jesus stand zu seinem Auftrag, zu seinem Wort von Gottes Vergebung und Versöhnung, selbst dann noch, als er dafür leiden und sterben musste. An diesem Friedensprediger entdecken wir, was Tapferkeit in den Konflikten des Lebens bedeutet. Möge Gott uns solche Tapferkeit schenken – eine Tapferkeit, die menschlich ist.

Der Herr segne dich und behüte dich, der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig, der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden. Amen