Palmsonntag ohne Konfirmation

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Es ist in der Steiggemeinde Tradition, an Palmsonntag die Konfirmation durchzuführen. Aufgrund der ausserordentlichen Lage haben wir die zwei Konfirmationen in den Juni verschoben. Erst dann werden wir ein schönes Erinnerungsphoto von den jungen Menschen bei der Steigkirche machen können.
Martin Baumgartner,
Die Konfirmandinnen und Konfirmanden müssen sich somit noch etwas gedulden. Wir waren in den Vorbereitungen für die Konfirmation, als uns die Entscheidung des Bundesrates erreichte, dass alle Schulen geschlossen werden. Zum Glück haben wir das Thema bestimmt. Die Jugendlichen haben eigene Gedanken formuliert und einen Sketch vorbereitet. Im Juni ist ein Abend geplant, wo wir in der Kirche alles üben werden.
Ein Wort höre ich viel in diesen Tagen, da ich mit Gemeindeglieder telephoniere und mich nach ihrem Ergehen erkundige. Das Wort Geduld. «Wir müssen jetzt Geduld haben, bis diese schwierige Zeit vorübergeht», sagte eine älteres Gemeindeglied. «Was mich am meisten schmerzt, ist, dass ich meine Enkelkinder nicht mehr sehen kann. Sie kamen immer am Dienstag nach der Schule zu mir zum Mittagessen. Jetzt ist es nicht mehr möglich. Aber ich weiss, auch diese Zeit kommt wieder». Ich denke aber auch an die vielen Menschen, die ihr Geschäft jetzt geschlossen haben und sich fragen: wie lange dauert dieser Notstand noch? Und ich denke an die Aerzte und das Pflegepersonal, die in den Spitälern und Altersheimen gefordert sind, und an die vielen Mensche, die unter erschwerten Bedingungen die Wirtschaft in Schwung halten und hoffen, dass bald wieder normale Zeiten zurückkehren.
Das Wort Geduld passt zu unserer Zeit. Wir brauchen sie alle. Was ist aber mit diesem Wort gemeint? Ich erinnere mich, dass ich einem Konfirmanden einen Spruch zum Thema Geduld auf den Lebensweg mitgegeben habe. Im Hebräerbrief lesen wir die Worte: «Was nötig ist, ist die Geduld. Ohne sie werden wir nicht erfüllen, was Gott von uns erwartet, und werden das versprochene Gut nicht gewinnen.»
Wir wissen ein wenig, in was für einer Situation die Menschen damals waren, denen der Hebräerbrief geschrieben wurde. Sie lebten in einer schwierigen Zeit, wurden wahrscheinlich wegen ihres Glaubens verfolgt, beraubt und teilweise gefangenommen. Und nun muss unter diesen Menschen eine gewisse Ungeduld aufgekommen sein. «Wann endlich hört diese schwierige Zeit einmal auf?» So hat der eine oder andere gefragt. Einige haben auch ihren Glauben über Bord geworfen. In der Haltung:»Das bringt ja gar nichts!» Gerade diesen Menschen wird nun dieser Vers ans Herz gelegt: «Was ihr jetzt nötig habt, ist die Geduld.» Geduld ist gerade eine zentrale Seite des Glaubens.
Jesus hat diese Geduld in einem ganz erstaunlichem Masse gelebt. Als Petrus ihn fragte:» Wie oft muss ich einem Menschen verzeihen? Siebenmal?» Da gab Jesus zur Antwort: «Nein, nicht siebenmal, sondern siebzigmal siebenmal!» Was für eine Geduld! Oder damals, als ein paar Pharisäer eine Frau, die Ehebruch begangen hatte, zu Jesus schleppten und ihn mit Fragen und Anklagen überhäuften, da sagte Jesus zunächst gar nichts. Er bückte sich und schrieb mit dem Finger auf die Erde. Was für eine wohltuende Geduld im ganzen Gestürm! Und ich denke auch an jenes Gleichnis, das Jesus einmal erzählt hat. Ein Baum hat drei Jahre keine Früchte getragen. Der Besitzer sagt zum Gärtner: «Hau ihn um!» Aber der Gärtner sagt: «Lass ihn doch noch ein Jahr stehen. Ich will den Boden lockern und düngen.» Geduld zu üben mit anderen Menschen oder in einer bestimmten Situation, das ist etwas ganz Grosses. Kein Wunder heisst es schon im Alten Testament: «Weiter als Heldentum bringt es die Geduld.» Wir brauchen diese Geduld im täglichen Leben. Eine Wunde heilt nicht von heute auf morgen. Das braucht Zeit. Und es gibt Probleme, wo ich erst nach langer Zeit eine Lösung finde, die die beste ist. Geduld heisst ja nicht einfach nichts tun. Geduld ist nicht Passivität. Es gibt eine aktive Geduld, die nicht aufgibt, die an einem Problem arbeitet, bis ich wieder festen Boden unter den Füssen habe. Als ich das griechische Wort für Geduld näher unter die Lupe nahm, machte ich eine schöne Entdeckung. Geduld heisst wörtlich übersetzt:»unten dran bleiben». Genau diese Geduld ist momentan gefragt. Die ausserordentliche Lage aushalten, die Anweisungen der Behörden beachten, das Beste aus der Situation zu machen, kreativ nach Möglichkeiten zu suchen, wie wir füreinander da sein können. Wir haben alle diese Geduld nötig. Nicht nur in dieser Zeit des Notstandes. Meine Konfirmandinnen und Konfirmanden brauchen genauso diese Geduld. Sie haben ihre Wünsche und Vorstellungen im Blick auf ihre Zukunft. «Dranbleiben», nicht aufgeben, offen sein für das, was Gott ihnen schenken will, hoffen und vertrauen, dass sich ein guter Weg ergibt, dass das Ziel in dieser schwierigen Zeit mit jedem Tag näher rückt. Das ist eine Lebenshaltung, die wir momentan einüben. Sie tut uns gut in dieser Zeit und über diese Zeit hinaus. Martin Baumgartner