Taizé - Reise

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Eine Reise nach Taizé ist eine Reise nach innen - zur Stille, zum Nachdenken, zur Meditation, zum Gebet.
Bericht von Claudia Ernst
Eine Gruppe von 5 Frauen und 2 Männern hatte sich am Sonntag-Morgen des 29. 9. beim Münsterplatz eingefunden, um zusammen mit unserm Reiseleiter Pfarrer Matthias Eichrodt in einem Kleinbus nach Taizé im französischen. Burgund zu fahren. Nach einem Zwischenhalt in Genf fuhr uns Matthias sicher und souverän zum Ziel , d.h. zunächst nach Cormatin, wo wir in einer sehr hübschen „gîte rurale“ logiert haben. Nach dem Einchecken ging’s nur noch wenige km weiter zur Communauté de Taizé, wo unsere Gruppe willkommen geheissen wurde und wir die ersten Informationen erhielten. Dann nahmen wir teil am gemeinsamen Nachtessen und machten damit unsere ersten Erfahrungen mit dem typischen „Taizé-Groove“: Langes Anstehen in grosser Menschenmenge, einfachste Nahrung, rudimentäre Infrastruktur und Logistik – wir erfuhren wieder einmal, wie wenig es braucht zum Leben.... Danach erlebten wir unser erstes Abend-Gebet (Genaueres darüber weiter unten).

Ab Montag nahmen wir teil am üblichen Tages-Ablauf von Taizé, allerdings stärkten wir uns zuvor bei einem köstlichen Frühstück in unserer Pension und verpassten dadurch den Morgen-Gottesdienst und das Frühstück in Taizé. Um 10 Uhr fand jeweils die Vorlesung („Bibelarbeit“) von frère Matthew statt, einer der Höhepunkte des Tages! Frère Matthew erläuterte jeden Morgen einen Abschnitt aus dem Johannes-Evangelium, und er tat dies in einer wahrhaft packenden Art, auch war sein Humor erfrischend! Er brachte die Botschaften der Bibel so herüber, dass man ihren Wesenskern erkennen konnte, ihren innersten mystischen Gehalt. Es ist nicht möglich, diese äusserst geistvollen Erläuterungen kurz zusammenzufassen, aber etwas kam immer wieder durch: Gott ist allumfassende Liebe – wir Menschen drücken unsere Liebe zu Gott so aus, dass wir einander lieben (Worte Jesu: „Liebt einander, so wie ich euch geliebt habe“) – was wir für unsere Mitmenschen und für die Erde tun, tun wir für Gott – was wir einem Menschen geben, geben wir Gott... Aber auch das: Es muss nichts Grossartiges sein – wenn wir geben, was wir haben, und tun, was wir können, ist es genug. Ein Zitat aus einer der Taizé-Schriften bringt es auf den Punkt: „Jede wahre Mystik führt in die konkrete Handlung.“

Anschliessend an den Vortrag folgte jeweils eine Zeit der Stille, dann der kurze Mittags-Gottesdienst und wieder das gemeinsame Essen. Da wir uns in der Gruppe rasch näher kamen, wurden diese Essenszeiten immer fröhlicher! Am Nachmittag war Gelegenheit, am Einüben der 4-stimmigen Gesänge teilzunehmen, danach Gruppengespräche über das am Vormittag Gehörte. Dann fuhren wir jeweils nach Cormatin zurück und hatten Zeit zur freien Verfügung, um im Hotel auszuruhen oder Kaffee trinken zu gehen etc. Zum Abendessen waren wir wieder in Taizé. Auch für praktische Arbeiten in der Gemeinschaft waren wir eingeteilt worden, ich z.B. zum Abwaschen am Abend. Am ersten Abend erzeugte dies einen leisen Widerstand in mir, aber auch das wurde von Tag zu Tag fröhlicher!

Und dann der Höhepunkt des Tages: Das Abendgebet mit allen zur Zeit am Ort anwesenden ca. 700 Menschen in der grossen Kirche, auch die frères der Communauté sind mit dabei. Dieses gemeinsame Gebet wird von Gesängen in verschiedenen Sprachen getragen, diese sind kurz und werden viele Male wiederholt. So beginnt der Verstand zu schweigen und die Worte und Klänge dringen ins Herz. Dazwischen ein Bibeltext in verschiedenen Sprachen, eine längere Zeit der Stille, ein Gebet für alle Völker der Erde. Diese gemeinsame Gesangs- und Gebets-Meditation zusammen mit so vielen, zum grossen Teil sehr jungen Menschen berührte mich zutiefst und erzeugte die wunderbare Erfahrung von Verbundenheit und eine unbeschreibliche Freude.

Zurück in Cormatin liess die Gruppe den Tag gemeinsam ausklingen in einem unserer Appartements bei Brot, Käse, Wein, tiefgründigen Gesprächen, aber auch viel Gelächter....
Das war unser Rhythmus in diesen wenigen Tagen, nur einmal unterbrachen wir ihn mit einem Ausflug nach Cluny Am Freitag nach dem Vortrag fuhren wir zurück nach Schaffhausen, wieder fuhr uns Matthias sicher und kompetent.

Es war eine eindrückliche Zeit, die wir gemeinsam erlebt haben, und viel dazu beigetragen hat unser Reiseleiter Matthias Eichrodt mit seiner herzlichen, persönlichen, lockeren und humorvollen Art, auch war er flexibel, hatte ein offenes Ohr für Spezialwünsche - und er war absolut verlässlich, es klappte alles störungsfrei. Von Herzen Dank, Matthias, dass du uns diese unvergesslichen Tage ermöglicht hast!



Taize 2019
14.10.2019
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