Safran macht den Kuchen gehl!

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Berge von Koffern, Rollator, E-Piano plus das Velo unseres Chauffeurs verschwinden vor dem HofAckerZentrum im Bauch des Rattin-Cars. Untrüglich ein Zeichen, dass die Seniorenferien unserer Kirchgemeinde Buchthalen anstehen.
Daniel Müller,
Und los geht die Fahrt am Montagmorgen anfangs September über alle Berge. Auf dem Brünig stärken wir uns mit Hackbraten und Kartoffelstock, bevor wir im dichten Nebel den Grimselpass in Angriff nehmen. Kaum haben wir den Pass überquert, lacht uns die Sonne entgegen und wir brausen das Goms hinunter, lassen es uns nicht nehmen, am erstbesten Stand an der Strasse bereits erntefrische Walliser Aprikosen zu naschen. Eine kleine Vorfreude auf unsere Ferienwoche im Wallis.
Bald erreichen wir das Tagesziel. Im Haus Schönstatt in Brig, einem von katholischen Schwestern geführten Begegnungs- und Seminarhotel angekommen, suchte man vergeblich im Zimmer nach Fernseher, Tresor und Minibar. Dafür gab es Radio Maria. Wir wurden sehr herzlich willkommen geheissen und genossen die ganze Woche über die gastfreundliche Atmosphäre, das feine Buffet und insbesondere die ausgesprochene Zuvorkommenheit des Personals.
Die Tage hatten ihren Rhythmus. Nach dem Morgenessen trafen wir uns jeweils zu einer kleinen Morgenandacht mit Musik, Liedern und zum Tagesausflug passenden Texten. Bis zum Mittagessen war jeweils Zeit zur freien Verfügung, die ganz unterschiedlich genutzt wurde. Nachmittags waren wir immer unterwegs, um die nähere und weitere Umgebung zu erkunden. Und abends traf man sich noch einmal in der Runde zum Austausch über das, was tagsüber alles so gelaufen war und um ein paar fröhliche Lieder anzustimmen. Während danach einige sich für die Nachtruhe zurückzogen, frönten andere leidenschaftlich dem Spiel oder sassen einfach zusammen, um noch etwas zu plaudern.
Am Dienstag bestiegen wird zur groben Orientierung den Kleinen Simplon-Express für eine Tour durch Brig, machten einen Schlenker nach Naters, vorbei am berühmten Beinhaus, wo uns die vielen Totenschädel aus ihren leeren Augen beim Vorbeifahren anstarrten. Und dann genossen wir eine ausgedehnte Führung durch das Stockalperschloss, das Wahrzeichen von Brig. Kaspar Jodok Stockalper (1609-1691) war einer der mächtigsten Männer, den das Wallis je gekannt hatte. Ein rastloser Handelsherr, der vom Salz bis zu Söldnerregimentern mit allem handelte, was Geld versprach und den Simplonweg ausbauen liess. „Roi du Simplon“ oder „Walliser Schlitzohr der Superklasse“ wurde er auch schon genannt (Bauer/Frischknecht, Auswanderungen, 2008).
Wunderbares Wetterglück hatten wir am nächsten Tag bei unserem Ausflug auf die Bellalp, mitten ins UNESCO-Welterbe. Mit der Luftseilbahn ging es hoch auf die Alp und von dort je nach Marschtüchtigkeit bis zur nächsten oder übernächsten Einkehrmöglichkeit. Wer noch einigermassen gut zu Fuss war, konnte von der Plattform aus den Aletschgletscher sehen. Ergreifend dieser mächtige Gletscher, und bedenklich wie sehr er in den letzten Jahren aufgrund der Klimaerwärmung geschmolzen ist.
Der Donnerstag führte uns durch das wilde Val d’Hérémence hinauf bis zum gewaltigen Staudamm Grande Dixence. Im Car war es mucksmäuschenstill, als unser Chauffeur René Lauchenauer die letzten Haarnadelkurven gekonnt meisterte. Bei Regen, Wind und Nebel standen wir vor der mächtigen Staumauer und fanden bald in der ehemaligen Unterkunft der Bauarbeiter Schutz und einen heissen Kaffee. Nach diesem imposanten Bauwerk, das von Menschenhand gemacht wurde, besuchten wir auf der Rückkehr ein ganz besonderes Naturschauspiel: die Erdpyramiden von Euseigne. Diese eigenartigen Gebilde sind durch lange geologische Prozesse entstanden. Unterwegs trafen wir auch noch auf Eringer Kühe, diese kleine, kräftige Rinderrasse mit ihrem dunklen Fell, die vor allem bekannt sind durch die Kuhkämpfe.
Nach der längeren Fahrt zum Grande Dixence blieben wir am folgenden Tag in der Nähe. Am Hang gegenüber besuchten wir das weltberühmte Safrandorf Munt und liessen uns von einer überzeugenden Referentin für die Welt des Safrananbaus begeistern. Da an diesem Tage auch noch ein Treffen der lokalen Züchter des Schwarznasenschafes in Munt stattfand, kamen wir in den Genuss, diese Tiere mit ihren langen Mähnen aus nächster Nähe zu bestaunen, und ihre äusserst feine Unterwolle zu befühlen. Als Zvieri konnte man sich an einem leckeren Safrankuchen gütlich tun oder ein Safranprodukt wie Safrankäse oder Öl im Lädeli kaufen. Und danach wusste man, warum man sagt, dass Safran mit Gold aufgewogen werde.
Wer gerne langfristig plant, begann am Samstag, dem Tag vor der Heimkehr bereits etwas zu packen. Platz musste man allenfalls noch freihalten für ein Mitbringsel an lokalen Produkten vom Städtli Brig. Viele nutzten die Gelegenheit, um am Morgen noch etwas einzukaufen oder einfach gemütlich auf dem zentralen Platz in Brig einen Kaffee zu trinken. Oder einen Apérol Spritz.
Als kleine Abschlussfahrt unserer Walliserferien besuchten wir Saas-Fee, umrahmt von der Mischabel-Bergkette, die insgesamt 11 Viertausender umfasst. Daraus ergibt sich ein einzigartiges Panorama, wodurch der Ort auch als „Perle der Alpen“ bekannt wurde. Dass der Himmel etwas verhangen war, tat der guten Stimmung der Reisegruppe jedoch keinen Abbruch.
Schnell waren die Tage verflogen. Der Rückweg am Sonntagmorgen führte uns durchs Unterwallis mit seinen ausgedehnten Rebbergen über Martigny an den Genfersee, wo wir gleich vis-à-vis vom Schloss Chillon das Mittagessen genossen. Wohlbehalten und mit vielen Eindrücken von unseren Ferien im Wallis kamen wir abends an unserem Ausgangspunkt, dem HofAckerZentrum in Buchthalen, an.
Ein grosses Dankeschön gebührt Paula Tanner vom Kirchenstand, die einmal mehr als versierte Reiseleiterin ein spannendes und erlebnisreiches Ferienangebot für unsere Seniorinnen und Senioren geplant und durchgeführt hat.
Und ein kleines Geheimnis sei verraten: Nächstes Jahr geht’s an den Lago di Lugano ins Tessin. Benvenuti in Ticino!
Alben 2019
21.09.2019
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