Begegnungsort Schaffhausen
Verband evang.-ref. Kirchgemeinden in der Stadt Schaffhausen

«Wir wollen die Steigkirche weiter öffnen»

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Die Stadt Schaffhausen, der die Steigkirche gehört, die Kirchgemeinde und der Quartierverein planen eine Sanierung des Kirchenschiffs.
Das Ziel: In Zukunft sollen dort nicht nur Gottesdienste stattfinden. Es könnte ein Quartierzentrum für die Breite entstehen.
Dario Muffler
Ernste Blicke treffen einen, wenn man die Steigkirche in Schaffhausen betritt: Auf dem grossen
Wandbild ist Christus abgebildet, um ihn sieben Engel sowie zwölf Männer. Das Bild
stammt aus dem Jahr 1948. Ein Jahr später wurde die Kirche eingeweiht. Seither hat
man am Gebäude keine grossen Änderungen mehr vorgenommen. Das sagt Heinz Lacher, er ist Bau- und Liegenschaftsreferent im evangelisch-reformierten Kirchgemeindeverband der Stadt Schaffhausen (St. Johann-Münster, Zwingli, Steig und Buchthalen). «Baulich wie auch energetisch besteht Handlungsbedarf», sagt er. Das weiss auch die Stadt, der die Steigkirche gehört. Statt nur die Bauarbeiten durchzuführen, geht man die ganze Sache nun fundierter an. Die zuständige Stadträtin Katrin Bernath (GLP) sagt: «Bei den aktuellen Überlegungen geht es um die Frage, ob weitere Nutzungen in den Räumlichkeiten sinnvoll und möglich sind.» Spricht man mit Martin Baumgartner, dem Pfarrer der Steigkirche, hört sich das enthusiastischer an. «Wir wollen die Räume der Steigkirche weiter öffnen », sagt er. «Was wir diskutieren, ist eine Erweiterung der Nutzungsmöglichkeiten.» Neuer Anlauf für Quartierzentrum Mit an Bord ist auch der Quartierverein
Breite. Vorstandsmitglied Rolf Bollinger sagt: «Wir möchten gemeinsam in der Kirche ein Zentrum für das Quartier schaffen.»
2016 hatte der Verein bereits ein Konzept für ein Quartierzentrum ausgearbeitet, eine Liegenschaft stand ebenfalls zur Verfügung. Wegen Einsprachen scheiterte das Projekt aber. Nun wagt man gemeinsam mit der Stadt einen Neuanfang. Ein Workshop mit allen Parteien hat bereits stattgefunden, ein weiterer ist im Mai geplant.
Zwar sind bereits heute zahlreiche Gruppierungen in den Räumen der Kirchgemeinde Steig anzutreffen, auch nicht kirchliche. Unter anderem hält dort auch der Quartierverein seine Vorstandssitzungen ab. «Wir müssen aber regelmässig auch Absagen erteilen», so Baumgartner. Die Räumlichkeiten seien ausgelastet. Im Zuge der notwendigen Bauarbeiten soll darum die Gestaltung des Kircheninnenraums überdacht werden. Heinz Lacher sagt: «Man muss sich offenhalten, auf feste Bänke zu verzichten.»


Die Steigkirche

Ursprünglich stand die Steigkirche an der Stelle, wo sich heute die alte Sternwarte befindet. «Dreikönigskapelle» wurde das Kirchlein genannt, das Ende des 13. Jahrhunderts erstmals
erwähnt wird. 1895 wurde auf deren Fundament eine grössere neugotische Kirche gebaut.
Am 1. April 1944 wurde diese Kirche Opfer der amerikanischen Bombardierung von Schaffhausen.
Man entschied sich für einen Neubau an anderer Stelle. Am 28. August 1949 wurde die heutige Steigkirche eingeweiht. «Man muss sich offenhalten, auf feste Bänke zu verzichten.»
Heinz Lacher, Vorstand des städtischen Kirchgemeindeverbands

Um einen Eindruck davon zu erhalten, wie die umgebaute Steigkirche aussehen könnte, reist eine Delegation mit Vertretern des Quartiervereins, der Kirchgemeinde und der Stadt Anfang April nach Luzern. Dort besucht sie den MaiHof: ein 2013 renovierter Kirchensaal, der heute das Quartierzentrum ist. Es finden dort Abendtische, Yogastunden oder Seminare statt.

Erfahrungen aus der Zwinglikirche
Sucht man ein ähnliches Beispiel, muss man aber nicht bis nach Luzern reisen. In Schaffhausen wurde die Zwinglikirche bei ihrer Sanierung vor acht Jahren ebenfalls so konzipiert, dass sie für vieles genutzt werden kann. Dort, wo an Sonntagen Gottesdienste gefeiert werden, finden jetzt
auch Konzerte oder Generalversammlungen von internationalen Konzernen statt.
Wolfram Kötter, Pfarrer der Kirchgemeinde Zwingli, sieht einen Gewinn darin, dass die Kirche zu einem multifunktionalen Raum gemacht wurde. «Wir haben nur gute Erfahrungen gemacht», sagt er. «Viele Leute haben die Kirche so ganz neu entdeckt.»

Die römisch-katholische Kirche St. Konrad: Vorreiter der erweiterten Kirchennutzung
Nicht nur evangelisch-reformierte Kirchengebäude werden für mehr als Gottesdienste
genutzt. Die katholische Kirche St. Konrad auf dem Emmersberg in Schaffhausen
wurde 1971 eingeweiht. Gebaut wurde sie vom Architekten W. M. Förderer
genau mit der Absicht, dass nicht nur sakrale Handlungen darin stattfinden sollen.
Urs Elsener, Co-Dekanatsleiter und Pfarrer des Pastoralraums Schaffhausen-Reiat,
sagt: «Der St. Konrad war von Anfang an als Begegnungszentrum konzipiert.»
Das Gebäude macht bereits von aussen einen weltlichen Eindruck und hat keine
eindeutigen Merkmale wie einen Kirchturm. Auch der Innenraum wurde so konzipiert,
dass etwa eine Bestuhlung für eine Theateraufführung möglich ist. So
finden seit der Einweihung auch regelmässig Konzerte statt.
Zudem finden zurzeit rund 20 Gruppierungen Platz in den Räumen des «Koni»,
wie der St. Konrad gerne auch genannt wird. Die Aktivitäten reichen von Anlässen
der Jungwacht-Blauring über Krabbelgruppen bis zum Seniorenturnen, das
im «Koni» stattfindet.
Seit Jahren eine Wohngemeinschaft Dass alle Gruppen aneinander vorbeikommen,
bedinge Koordination, so Elsener. «Die Räumlichkeiten und die Kirchen
werden alle genügend genutzt», sagt er. Im Kanton Schaffhausen seien Erweiterungen
der Nutzungen oder gar Umnutzungen von kirchlichen Immobilien gar
kein Thema. «Es stehen ganz gewöhnliche Renovationen an», so der Pfarrer. «Und
diese würden wir nicht vornehmen, wenn die Gebäude nicht gebraucht würden.»
Eine gänzlich profane Verwendung haben seit einigen Jahren die Pfarrhäuser
des «Konis» und der Kirche St. Peter in Schaffhausen. Letzteres wird als Wohnraum
für Asylsuchende zur Verfügung gestellt. Und wo einst der Pfarrer des St. Peter
gewohnt hat, lebt jetzt eine Wohngemeinschaft junger Leute.
Die Kirchen und andere Immobilien sind bei den Katholiken im Besitz der Glaubensgemeinschaft und nicht der Kommune. Zudem sind katholische Kirchen – im Gegensatz zu evangelischen –
geweiht. Deshalb hat die Schweizer Bischofskonferenz eine Empfehlung zur «Umnutzung von Kirchen und von kirchlichen Zentren» abgegeben. Darin wird etwa festgehalten, dass irchen «aufgrund ihrer symbolischen Bedeutung nach Möglichkeiten nicht anderen Religionen,
anderen religiösen Gemeinschaften oder Sekten» zur Verfügung gestellt werden sollen. Bei Vermietung oder Verkauf sollen Kirchen weiterhin als Begegnungsorte dienen.
Autor: Admin Verband     Bereitgestellt: 03.04.2018