Viele Krippenspielbesucher trotz der gefürchteten Herdmanns

Bild wird geladen...
Eine quirlige Weihnachtsfeier und ein Krippenspiel, das aus den Fugen zu geraten droht: Die Gächlinger Schülerinnen und Schüler haben auf ihre Weise die Weihnachtsgeschichte erzählt.
Bettina Müller
Eigentlich war das Stück bereits für 2020 vorgesehen, doch in diesem Jahr konnte es nun endlich aufgeführt werden: Hilfe, die Herdmanns kommen!
Die achtzehn Kinder der 5. und 6. Klasse schlüpften im Theater, für welches ihr Klassenlehrer Reto Beeler die Mundartfassung geschrieben hatte, erfolgreich in zum Teil schwierige, aber auch passende Rollen und manch ein Kind musste dafür viel Text auswendig lernen. Unter der Regieanleitung von Karin Schlude begann die Klasse nach den Herbstferien mit dem Proben. Bedenken wegen der Durchführung waren bei allen Beteiligten vorhanden, doch das Wagnis lohnte sich und der Bundesrat machte dem Krippenspiel keinen Strich durch die Rechnung.
Die Kirche war – mit entsprechenden Abständen in den Bänken – voll und feine Klänge von Tim auf der Gitarre waren zu hören. Nach dem Solo «Rock around the christmas tree» von Eria und dem Applaus der Zuhörer begrüsste Pfarrer Werner Näf die Anwesenden mit den Worten: «Wir alle wollen in diesem Jahr möglichst normale Weihnachten hinkriegen. Ob das aber auch die Herdmanns machen?»
Die Kinder der Herdmann Familie waren im Dorf gefürchtet: Sie rauchten, stahlen, logen, erpressten, klauten Znünis, verhielten sich wie wilde Tiere und zündeten auch schon mal einen Schopf an. Kaum vorstellbar, dass ein Krippenspiel mit ihnen in den Hauptrollen Erfolg haben könnte. Doch genau so war es. Frau Müller übernahm als Stellvertretung für Frau Schnetzler, die mit einem Beinbruch im Spital lag, die Leitung des Krippenspiels. Sie gab den Herdmann Kindern eine Chance, obwohl diese zu Beginn nur wegen der versprochenen Süssigkeiten bei der Rollenverteilung auftauchten. Eugenia Herdmann übernahm die Rolle der Maria und niemand wagte ihr zu widersprechen, da sie heimlich, aber unmissverständlich, den anderen Kindern schreckliche Strafen androhte. Und so kam es, dass das Krippenspiel in diesem Jahr mehr Nerven kostete und den Herdmanns zuerst erklärt werden musste, was eine Krippe und eine Herberge ist und wer Jesus war.

Die Schülerinnen und Schüler spielten die Geschichte der Herdmanns gekonnt und das Publikum hatte immer wieder etwas zum Schmunzeln und Lachen. Die Erst- bis Viertklässler unterstützten das Stück mit Singen. Nicht nur im Theaterstück spürten die Besucher, dass die traditionelle Weihnachtsgeschichte, die sich ausnahmsweise nicht vor einem friedlichen Hintergrund abspielte, genauso gut in unsere Zeit passt und eine spezielle Botschaft verkündet. Das Stück zeigte, dass uns die Weihnachtsgeschichte, welche wir alle zu kennen glauben und oft nur noch beiläufig konsumieren, persönlich ansprechen will. Und so wird Maria auch immer etwas von Eugenia Herdmann haben, ein bisschen verwirrt und unruhig und bereit, jeden zu verprügeln, der ihrem Baby zu nahe treten will. Nach der 80-minütigen Aufführung, welche mit Gesang und Gitarre von Lynn und Lucy endete, und einem grossen Applaus, bedankte sich Werner Näf bei den Beteiligten und empfahl allen wärmstens die Kollekte für «Tschad – Schulbücher für Mathe und Französisch».
Weihnachtsspiel der Schule
19.12.2021
14 Bilder