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Hugenotten waren Flüchtlinge in Stein am Rhein

Kino Schwanen (Foto: Doris Brodbeck)
Kino Schwanen (Foto: Doris Brodbeck)
Die Geschichte der französischen Glaubensflüchtlinge wird im neuen Film «pluss.huguenots» von Markus Plüss aus Ramsen anschaulich dargestellt. Die Filmpremière im Kino Schwanen musste zweimal gezeigt werden angesichts des grossen Interesses von rund 100 Personen. Voraus ging ein ebenfalls gut besuchter regionaler Gottesdienst in der Stadtkirche Stein am Rhein zum Thema Flucht.
Doris Brodbeck,
In sorgfältig gewählten Worten schilderte Pfarrerin Marilene Hess im Cinéglise-Gottesdienst, der der Filmmatinée voranging, wie Erinnerung Zukunft gelingen lässt und zitierte unter anderem Bonhoeffer: «Vergessen ist Mangel an Liebe.» Ja, der christliche Glaube baue auf der Erinnerung auf, meinte sie und zeigte, wie die Menschen im Exil in Babylon aus der Geschichte Gottes mit den Menschen Zuversicht schöpften. Dazu spielte Peter Leu Werke aus dem Genfer Hugenottenpsalter, komponiert von der in die Schweiz geflüchteten jüdisch-stämmigen Musikerin Lili Wieruszowski, sowie von Bach "Wohin soll ich fliehen hin" und zwei Fugen von Johann Pachelbel. Er erinnerte daran, dass auch das Wort "Fuge" von Flucht kommt.

Flüchtlinge mussten weiterziehen
Vor dem Film sprach Christoph Buff aus Stein am Rhein von Pierre Roman, der 1685 mit seiner Frau Marguerite Carré und etwa acht Kindern in Stein als französischer Pfarrer eingesetzt und besoldet worden war. Er lehrte danach auch Steiner Knaben französisch und durfte bis zu seinem Lebensende bleiben, während die übrigen Flüchtlinge weiterziehen mussten. Christoph Buff verriet, dass auch seine Familie von Waldensern abstamme, die bereits 200 Jahre früher in die Schweiz gekommen waren.

Markus Plüss stellte fest, dass die Hugenotten mit ihrem Freiheitsgedanken die Schweiz geprägt hatten. Er wies auf das Symbol der Taube hin, die Teil des Hugenottenkreuzes bilde und als Symbol wiederholt in seinen Film auftaucht. Sie erinnere wie auch die biblischen Zitate aus dem Alten Testament an den Wunsch nach Freiheit. Den Weidling im Film hatte er in Stein am Rhein gefilmt und die "hohle" Eiche fand sich in Ramsen.

Doris Brodbeck freute sich als Präsidentin des Hugenotten- und Waldenserwegs Aargau-Zürich-Schaffhausen, bis in zwei Jahren auch die Route über Winterthur und Stein am Rhein mit historischen Täfelchen an zentralen Wanderwegweisern auszuschildern. Die Wegbroschüre aus dem Aargau besteht bereits und erwähnt auch die Familie Plüss.

Weitere Filmvorführung
Am regionalen Cinéglise-Gottesdienst beteiligten sich die reformierten Kirchgemeinden Ramsen, Buch, Stein am Rhein-Burg und Stein am Rhein-Hemishofen und gewährten einen reduzierten Eintritt. Eine weitere Filmvorführung im Kino Schwanen ist für Sonntag 4. September um 11 Uhr geplant.

2022 Filmpremiere Stein am Rhein
29.05.2022
4 Bilder
Fotografin
Ev.-ref. Kirchgemeinde Burg
Burg 3, 8260 Stein am Rhein
052 741 22 27
Doris Brodbeck (Foto: Heinz Dutler)
Verantwortlich: Doris Brodbeck
Bereitgestellt: 29.05.2022