Adriana Schneider

«Wir sind entschlossen, Mensch zu sein»

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Am Sonntagabend erlebten die rund 50 Besucher und Besucherinnen im Hofackerzentrum eine bewegende und begeisternde Hommage in Wort und Musik an Martin Luther Kings Denken und Wirken. Die Schauspielerin Vera Bauer und die Soul- und Blues-Sängerin Christina Jaccard, begleitet vom Pianisten Dave Ruosch und dem Schlagzeuger Steve Grant, führten durch die Höhen und
Beatrice Kunz Pfeiffer,
„I have a dream!“ Schon als 10-Jähriger hörte Martin sehr gerne guten Predigern zu, und in seinem wortgewaltigen Vater hatte er in nächster Nähe ein Vorbild. Mit seinem brillanten Studienabschluss hätte er auch an der Ostküste Karriere machen können, doch wollte er seine erste Stelle als Prediger im schwarzen Süden annehmen: Er zog mit seiner Frau Coretta nach Montgomery, der Hauptstadt Alabamas.
Seine Feuertaufe erlebte er durch einen Zwischenfall mit Rosa Parks. Die Afroamerikanerin Rosa Parks war verhaftet worden, weil sie im Bus – müde und mit schmerzenden Füssen nach einem langen Arbeitstag – sitzen geblieben war, anstatt ihren Platz einem weissen Fahrgast zu überlassen, wie das Busgesetz es vorschrieb. Über das Telefon verbreitete sich die Aufforderung, die Busbetriebe in Montgomery zu boykottieren, wie ein Lauffeuer. Und Martin Luther King wurde gebeten, mit seinen Worten die Menschen für diesen Boykott zu stärken.
Nach einer Bedenkfrist, in der King sich fragte, ob dieses politische Engagement mit seinem christlichen Glauben vereinbar sei, sagte er zu: Er hatte erkannt, dass dieses Verhalten der afroamerikanischen Bevölkerung Montgomerys ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung sein konnte, sofern es von Jesu Gedanken der Gewaltfreiheit und Feindesliebe getragen war. So stellte er die Bedeutung dessen, was geschehen war, ins Licht der Botschaft Jesu.
Diese Vision des gewaltfreien Kampfes für Gerechtigkeit und Humanität war der Anfang einer Bürgerrechtsbewegung, die auf die ganze Welt ausstrahlen sollte: „Die Welt stand auf, als Rosa Parks sitzen blieb“. Auch die amerikanischen Präsidenten John F. Kennedy und später Lyndon B. Johnson stellten sich auf Martin Luther Kings Seite.
Doch blieb King trotz seines Erfolges immer auf dem Boden der Realität: Er spürte zeit seines Lebens den abgrundtiefen Hass in der weissen Bevölkerung: fast täglich erhielt er Todesdrohungen und Anrufe mit Beschimpfungen. Über zwanzigmal musste er ins Gefängnis. Es wurde ein Bombenanschlag auf sein Haus verübt, als seine Frau und Tochter daheim waren. Die Polizei ging mit Wasserwerfern und Hunden gegen Kinder und Jugendliche vor, die gegen die Inhaftierung von Martin Luther King in Birmingham demonstrierten, indem sie friedlich in Richtung Rathaus marschierten. Ein Bombenanschlag auf eine Kinder-Sonntagsschule forderte viele Todesopfer. Dies waren Beispiele dafür, dass die Gleichheit vor dem Gesetz noch lange nicht Chancengleichheit im Alltag bedeutet.
Trotzdem hörte King nicht auf, zu predigen, dass Hass nur mit Liebe vergolten werden kann, und dass physischer Gewalt und Entwürdigung nur mit seelischer Kraft zu begegnen ist. Dieses Standhalten im Glauben trotz allem war es, was in den 60er Jahren weltweit Hoffnung verbreitete.
Davon inspiriert entstanden auch unzählige Spirituals und Gospels, Musik, die einen Freiheitsraum eröffnet, um das Leid der Unterdrückung mitzuteilen und so zu teilen. Die Leidenschaft und der tragende Rhythmus dieser Musik steckten auch die Zuhörerinnen und Zuhörer im Hofackerzentrum an: Sie wurden nicht müde, Beifall zu spenden.
Bereitgestellt: 27.09.2018     
aktualisiert mit kirchenweb.ch