Beat Frefel

Es knospt unter den Blättern

Herbstweg <span class="fotografFotoText">(Foto:&nbsp;Beat&nbsp;Frefel)</span><div class='url' style='display:none;'>/kg/buchberg-ruedlingen/</div><div class='dom' style='display:none;'>ref-sh.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>3333</div><div class='bid' style='display:none;'>28513</div><div class='usr' style='display:none;'>321</div>

Der Herbst ist da. Mit allen seinen Farben. Überall verfärbt sich das Grün der Bäume und wird rot, gelb oder braun. Und wenn die Herbstsonne in diese Farbenpracht scheint, dann erglühen sie, die Farben, wie wenn sie noch das letzte Mal zeigen wollen, was in ihnen steckt.
Beat Frefel,
Hinweis:
Erntedankgottesdienst am 18. Oktober 2020, 9.45 Uhr, Kirche Buchberg-Rüdlingen


Der Herbst ist da. Er erinnert uns, dass die sonnige, warme Zeit zu Ende geht. Vom Leichten, Luftigen des Sommers müssen wir Abschied nehmen. Die kühlen und dann die kalten Tage stehen vor der Türe. Die Nebelschwaden haben ebenfalls Einzug gehalten und verbreiten eine melancholische Stimmung. Nicht nur über dem Rafzerfeld.

Der Herbst ist da. Und damit die Zeit der Ernte. Allerorten wird Erntedankfest gefeiert. Wir erinnern uns, was alles gewachsen ist übers Jahr. Früchte, Gemüse, Blumen, Getreide. Wunderbar anzuschauen und zu geniessen. Aber auch im übertragenen Sinn ist etwas geschehen: Freundschaften, Liebschaften, Beziehungen sind übers Jahr gewachsen und stärker geworden, haben sich vertieft und haben an Tragkraft gewonnen.

Der Herbst ist da. Aber nicht nur die Blumen auf dem Feld sind gewachsen, auch das Unkraut hat seinen Platz beansprucht. Wer einen Garten hat oder einen Acker bewirtschaftet, weiss wie schwer das einem das Leben machen kann. Auch Freundschaften, Liebschaften und Beziehungen haben über das Jahr gelitten, sind mühselig geworden oder wurden beendet. Auch das gehört zum Leben. Nicht nur im Herbst.

Wer einen Garten oder einen Acker hat, dem würde es nie in den Sinn kommen, das Unkraut einfach stehen zu lassen und abzuwarten, was passiert. Gott schon. Im Gleichnis vom Unkraut unter dem Weizen (Matthäus-Evangelium 13) finden wir den Satz: Lasst beides stehen bis zur Ernte. Erst dann soll das Unkraut vom Weizen getrennt und entweder ins Feuer geworfen oder in die Scheune gesammelt werden.

Ist das ein Bild fürs Leben? Vielleicht ist es ein Bild fürs Aushalten. Der Herbst erinnert uns mehr als jede andere Jahreszeit, dass das Leben nicht nur die leuchtenden Farben bereithält. Auch das Grau des Nebels ist eine Realität. Aber die Erfahrung sagt uns, dass die Farben wieder zurückkehren. Im Frühling wächst es dann wieder. Alles wird wieder neu.

Hilde Domin bringt es mit diesen Worten auf den Punkt: Es knospt unter den Blättern. Sie nennen es Herbst.
Bereitgestellt: 26.09.2020      
aktualisiert mit kirchenweb.ch