Von der Predigt zur Poesie

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Kathrin Hasler-Pflugshaupt (Foto: Laxsitha Srikanthan)
Am 18. Juli feiert Pfarrerin Kathrin Hasler-Pflugshaupt ihren 80. Geburtstag. Sie verbringt ihren Ruhestand in Beringen mit ihrem Mann, Johann Georg Hasler. Nachdem sie als Pfarrerin lange Zeit Predigten gehalten hat und als Redaktorin tätig war, hat sich ihr Umgang mit Sprache gewandelt. Sie schreibt heute gerne kurze, verdichtete Texte, zum Beispiel dreizeilige Haikus.
Doris Brodbeck,
In einem christlichen Elternhaus aufgewachsen, besuchte sie zunächst das Lehrerinnenseminar in Bern und unterrichtete vier Jahre als Lehrerin. In der Berner Kantorei schätzte sie die Bibelauslegungen, mit denen der Dirigent die gesungenen Werke erläuterte. Sie entschloss sich zum Theologiestudium in Bern und Wuppertal und war die einzige Frau in ihrem Jahrgang mit neun Männern. Bis auf die Dozentin für Hebräisch, Dora Scheuner, unterrichteten damals an der theologischen Fakultät Bern ausschliesslich Männer. Nach drei Jahren im Pfarramt in Stettlen bei Bern heiratet sie 1975 Johann Georg Hasler und zog zu ihm nach Beringen, wo er das Pfarramt versah. Nach der Geburt der zwei Töchter war Kathrin Hasler nur am Rande theologisch tätig, doch leitete sie die Sonntagschulvorbereitung, half beim Start einer Jugendgruppe, traf sich mit einer Frauengruppe und predigte gelegentlich.

Als ihr Mann 1983 ins Spitalpfarramt wechselte, zog die Familie nach Neuhausen. Hier begann Kathrin Hasler mit Freiwilligengruppen Gottesdienste zu gestalten. Ab 1989 bis 1998 war das Ehepaar gemeinsam im Pfarramt in Neuhausen angestellt. Kathrin Hasler liebte es, zu Auftritten der Neuhauser Kantorei Predigten zu gestalten. Als Liebhaberin von Gedichten lud sie zu Poesieabenden ein. Mit Teams initiierte sie Frauenkaffees an Vormittagen, um Frauen mit Kindern den Besuch zu erleichtern. Sie bildete sich zur Bibliodramaleiterin aus und bot Kurstage an, bei denen biblische Geschichten im Rollenspiel erlebt wurden. Nach einer weiteren Ausbildung schuf sie die Schreibwerkstatt „federleicht“, die sie im Gemeinderaum unten im Pfarrhaus anbot. Zudem war sie übergemeindlich tätig als Co-Redaktorin der Evangelischen Zeitschrift „Frauenforum“ und schrieb Bibelauslegungen für die Evangelische Zeitschrift „Leben und Glauben“.

Auch bei Radio Munot waren im „Gedanken zum Tag“ Kathrin Haslers Geschichten zu hören. Ihr Interesse an Sprache und Musik kamen ihr auch als Mitglied der deutschschweizerischen Liturgie- und Gesangbuchkommission zu gute. Noch heute singt sie im Beringer Kirchenchor mit. Viel Freude bereiten ihr auch die vier Enkel. Nach der Pensionierung ergab sich auf Anfrage einer Sterbebegleiterin hin zudem eine weitere, erfüllende Aufgabe: Kathrin Hasler wählt für Sterbende Geschichten und Gedichte aus, die ihnen am Bett vorgelesen werden. Der Kirchenrat dankt ihr herzlich für ihren langjährigen Einsatz.

Doris Brodbeck, Kommunikationsbeauftragte des Kirchenrats

Ein Radio-Beitrag von Kathrin Hasler (Radio Munot September 2012):
Ein ganz besonderer Stein