Reformierte Kirche Waltensburg GR braucht Hilfe

Doris Brodbeck,
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Das Bergdorf Waltensburg mit 390 Reformierten muss 300'000 Fr. aufbringen, um das Kirchendach zu renovieren und die wertvollen Gemälde in ihrer Kirche zu retten. Sie hofft auf Unterstützung aus dem Unterland.
Der sogenannte Waltensburger Meister hat nach 1300 die romanische Kirche im Bündner Bergdorf Waltensburg eindrücklich ausgemalt. Die Abendmahlsszene mit Fusswaschung gehört dazu.
Weitere Künstler haben bedeutende Bilder an der Aussen- und Innenwand der Kirche hinzugefügt. Nun sind diese Bilder bedroht, denn das Dach muss dringend renoviert werden - doch die Kirchgemeinde mit 390 Einwohnern hat kein Geld. Neben den Beiträgen von Kanton und Denkmalpflege muss sie 300'000 Fr. zusammenbringen.

Es knistert im Gebälk von Waltensburg

Eigentlich wollte der Kirchgemeindevorstand nur die Heizung sanieren. Doch als die Behörde in corpore auf den Estrich der Kirche Waltensburg kletterte, kam die böse Überraschung. «Wir sahen, dass Dach und Balken in einem sehr schlechten Zustand sind», so Kirchgemeindepräsidentin Corina Hunger. Brächte der nächste Winter viel Schnee, die berühmten Wandmalereien des Waltensburger Meisters wären in akuter Gefahr.

Fehlbetrag. Nach dem ersten Schock trug der fünfköpfige Vorstand eine Mängelliste zusammen. Unter dem Schlussstrich prangte eine Summe von 850 000 Franken. «Den grossen Teil der Kosten übernimmt die Bündner Landeskirche, einen weiteren Teil hoffentlich der Denkmalschutz», sagt Corina Hunger. Dennoch: Am Ende verbleiben rund 300 000 Franken, die das 390 Seelen Dorf Waltensburg selber auftreiben muss.
Das ist nicht einfach. Denn das romanischsprachige Waltensburg am Eingang zum Bündner Oberland leidet unter Überalterung. Familien mit Kindern finden kaum Arbeitsplätze und mussten in der Vergangenheit immer wieder abwandern. Zwar versuche der Gemeindevorstand derzeit Gegensteuer zu geben, so hoffe man auf touristische Projekte, die Bergbahnen und den Golfplatz in Brigels. Aber eben, das ist Zukunftsmusik. Corina Hunger: «Wir haben keine Mitglieder mit den finanziellen Möglichkeiten, grössere Beträge zu geben.»

Der Wohltäter. Vor achtzig Jahren war das alles noch ganz anders. Ein trutziger Gedenkstein direkt neben der Eingangstür zur Kirche erinnert an Anton Cadonau, den wohlhabenden Bürger von Waltensburg, der ohne Nachkommen starb. Von seinem Vermögen vermachte er einen Teil der Kirche, die 1932-1934 eine grosse Renovation durchführte. Erstmals wurden die später berühmten Wandmalereien aus drei Epochen freigelegt, bis dahin waren sie von einer weissen Kalkschicht übertüncht. «Wir hoffen natürlich», sagt Corina Hunger lächelnd, «dass noch einmal so jemand kommt wie Anton Cadonau und hier Wohnsitz nimmt.»
Bis es soweit ist, muss der Kirchenvorstand andere Wege finden. Corina Hunger ist nicht untätig geblieben. «Wir haben angefangen, Kirchgemeinden und Feriengäste in Zürich und im Aargau anzuschreiben und um einen Beitrag anzufragen.» Auch schaltete man eine Anzeige in der Zürcher Ausgabe von «reformiert.». Das Echo war ermutigend, es gab eine Reihe von positiven Antworten. Manche Zürcher Kirchgemeinden verfügen über Budgets für Hilfe an inländische Projekte. So flatterten inzwischen Zusagen zwischen 3000 und 10 000 Franken auf den Tisch des Kirchgemeindevorstandes.

Achtung Fledermäuse. Geht alles gut mit der Finanzierung, dann kann im Sommer 2009 renoviert werden. Ausser die Fledermäuse machen dem Projekt noch einen Strich durch die Rechnung. Denn auf dem Estrich wurde Kot gefunden. In den kommenden Tagen klären Spezialisten ab, ob es sich um eine Brutstätte handelt. Corina Hunger glaubt nicht daran, denn es sei nur wenig und alter Kot. Falls aber doch, dann dürfte die Renovation noch um einiges teuerer werden und sich weiter verzögern. Es bräuchte dann sicher einen Stapel weiterer Bittbriefe ins Unterland, um für die Fledermäuse zu werben und die Wandmalereien für die nächsten Jahrzehnte doch noch zu schützen.

Pilze und Schädlinge im Dachstuhl

Die letzte Renovation in Waltensburg erfolgte vor fünfzig Jahren. Unterschätzt oder nicht erkannt wurden die bauphysikalisch problematischen Konstruktionen von Decke und Dach. Kondensat führte zu Feuchte, Pilz und Schädlingsbefall vom Holz. Nun könnten das Dach und die Decke undicht werden – mit unabsehbaren Folgen für die darunter liegenden Wandmalereien.
aus: reformiert. Bündner Ausgabe

Kontakt für Spenden:

Pfarrer Lukas Baumann, Pfarrhaus, 7158 Waltensburg/Vuorz, Tel. 081 941 19 55
Kirchgemeindepräsidentin Corina Hunger-Cadonau, Crap Martin 96, 7158 Waltensburg/Vuorz, Tel. 081 941 24 01

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Autor: Doris Brodbeck     Bereitgestellt: 03.08.2008    
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