Kirche will Erprobungsräume schaffen

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Sabrina Müller (Foto: Doris Brodbeck): Zentrum für Kirchenentwicklung in Zürich
Die Evangelisch-reformierte Kirche sucht nach neuen Strukturen, die den gesellschaftlichen Veränderungen Rechnung tragen. Dabei liess sie sich am Samstag 30. Oktober 2021 an einer Aussprachesynode von dem Referat von Sabrina Müller vom Zentrum für Kirchenentwicklung in Zürich inspirieren.
Doris Brodbeck,
Diese schilderte, wie die Veränderung von unten geschehen könne, indem Erprobungsräume geschaffen und unterstützt werden. Die Finanzen dafür sind in Schaffhausen bereits vorbereitet worden durch den Zukunftsfonds. Jetzt gilt es, eine entsprechende experimentierfreudige und wertschätzende Kultur aufzubauen und zu erproben. Der Kirchenrat beabsichtigt, diese Denkanstösse in seine Retraite aufzunehmen und im kommenden Frühling mit den Kirchgemeinden weiter zu diskutieren. Der Aussprachesynode vorausgegangen ist eine Vernehmlassung die von praktisch allen Kirchgemeinden beantwortet worden ist. Die entsprechenden Fragen wurden in einem World Café diskutiert und die Erkenntnisse auf Plakaten präsentiert.

Hier ein paar Impulse aus der Aussprachesynode:
Synodepräsident Werner Käser greift die gesellschaftlichen Veränderungen auf: Nicht der Wind bestimmt unseren Kurs, sondern wer die Segel zu setzen weiss.
Dekan Peter Vogelsanger knüpfte an zwei Lieder an: Ein Schiff das sich Gemeinde nennt: Ziel ist es, das Beste für die Gäste auf dem Schiff zu machen. Wir sind eine Schiffsflotte, die miteinander kommuniziert. Das Ziel ist die Heilung alle Völker.

Sabrina Müller, Zentrum für Kirchenentwicklung: Die Studie von Jörg Stolz, wonach die Kirchen kleiner, ärmer und älter werden, sollte nicht meditiert werden, denn dies führt nicht weiter. Angesichts von Megatrends gibt es drei Reaktionen:
1) Abbau und Ausdünnung des Angebots oder Status quo festhalten versuchen
2) Neubau der Kirche zu einer Beteiligungskirche, Aufgabe der landeskirchlichen Strukturen
3) Umbau der Kirche: statt Monokulturen kirchliche Diversität

Sabrina Müller plädiert bei den Landeskirchen für die dritte Reaktion und vergleicht es mit einer Quiltdecke, bei der unterschiedliche Muster ein Ganzes ergeben. Sie stellt Versuche in Deutschland und Österreich vor, Erprobungsräume zu schaffen, die kontextbezogen Angebote mit Menschen zusammen entwickeln. Sie erinnert an Ernst Lange: "Relevantwerden der Christusverheissung für eine spezifische Situation".
Selbst wenn wir junge Menschen ansprechen, erreichen wir gewöhnlich nur 2 Milieus. Aber wenn sich Menschen zum Beispiel über ein Thema, ein gemeinsames Hobby etc. ansprechen lassen, wird es vielfältiger. Es braucht dafür Toleranz für andere Stile, die einem selbst nicht entsprechen würden.

In Sketches haben Werner Näf, Lukas Huber, Stephanie Signer und Daniela Scherello Situationen im frühen Christentum nachgespielt und dabei gefragt, wieviel Struktur es braucht und wie viel Freiraum für Engagement gelassen wird.

In Workshops wurden Bereiche wie Freiwilligenarbeit und Mitarbeit in Behörden mit Thomas Hauser von Benevol angeschaut. Wo Sozialdiakonie in den Kirchgemeinden geschieht, zeigten Nicole Russenberger und Ruth Gehring vom Diakoniekonvent auf. Mit Johanna Tramer und Monika Nägeli von der Fachstelle Katechetik wurde die Vermittlung von Kompetenzen im kirchlichen Unterricht angeschaut und Cornelia Busenhart stellte die Chancen von multiprofessionellen Teams vor mit Pfarrpersonen, Sozialdiakonie, Katechetinnen und weiteren kirchliche Mitarbeitenden. Lukas Huber erzählte zusammen mit Jungen Erwachsenen vom Aufbau einer Jungen Kirche im Klettgau.
Aussprachesynode
30.10.2021
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