Menschen begegnen dürfen - 20 Jahr-Dienstjubiläum

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Die Psychiatrieseelsorgerin Ariane Van der Haegen ist bereits seit 20 Jahren in der Psychiatrischen Klinik Breitenau im Auftrag der Evangelisch-reformierten Kirche tätig. Ihr Privileg ist es, Menschen begegnen zu dürfen ohne Berichte schreiben und Diagnosen stellen zu müssen: «Ich darf Fragen stellen, auf Zusammenhänge hinweisen, Möglichkeiten ansprechen. Und manchmal springt ein Funke über... vielleicht ein Moment der Gnade, ein Himmelsgeschenk. In der Begegnung zweier Menschen geschieht etwas, das tröstet, hilft, Veränderung anstösst…» Der Kirchenrat dankt ihr herzlich für Ihren Einsatz und gratuliert ihr zu zwanzig Dienstjahren.
Doris Brodbeck,
Erinnerungen und Gedanken zu zwanzig Dienstjahren als Klinikseelsorgerin:

«Als ich am 1.9.2001 als Seelsorgerin in der Breitenau angefangen habe, war der Klinik Haupteingang noch vom Park her. Es gab auch kein Restaurant, das Besucher und Patientinnen in gleicher Weise offensteht. Vielleicht spiegeln diese äusseren Veränderungen gut wider, wie sich die Psychiatrie in 20 Jahren gewandelt hat. Diese Veränderungen wirken sich natürlich auch auf die Arbeit der Seelsorge aus. Die Psychiatrie hat sich geöffnet und die Aufenthaltsdauer der Patienten und Patientinnen hat sich verkürzt. Aber bei allen Veränderungen begegne ich hier Menschen mit ihren Fragen, Zweifeln, Nöten. Das ist gleichgeblieben.
Als ich am ersten Arbeitstag hier in die Breitenau gekommen bin, hatte ich keine konkreten Vorstellungen, was mich hier erwartet würde. So wie viele, hatte ich noch nie eine Psychiatrische Klinik von innen gesehen. Und Anfangs habe ich auch gedacht, dass ich da nicht besonders lange arbeiten werde. Doch seither hat sich viel getan. Die vielen Schicksale und Begegnungen haben mich bewegt und angerührt. Ich habe mich mehrfach intensiv weitergebildet im seelsorgerlich-therapeutischen Bereich. Und so bin ich nun seit 20 Jahre hier und kann immer noch sagen, dass ich meine Arbeit sehr gerne mache.
Eine Arbeit, die hier im Umfeld einer Psychiatrischen Klinik stattfindet, aber von der Kirche ermöglicht wird. Die Freiheit, die mir damit zur Verfügung steht, ist ein grosser Pluspunkt meiner Arbeit. Denn ich muss mit keiner Krankenkasse abrechnen, keine Berichte über Patienten schreiben und keine Diagnosen stellen, sondern ich darf einfach Menschen begegnen, ihnen zuhören und von ihnen erfahren, was sie beschäftigt. Manchmal ist das Gott oder die Frage des woher und wohin. Öfter aber sind das ganz andere Fragen, die Fragen nach lieben und geliebt werden, das Aussprechen von Angst, oder der Alltag, der schwer zu bewältigen ist. Und ich bin einfach da, höre zu. Das ist meine Aufgabe und mein Beruf. Ich habe keine konkreten Vorstellungen, wohin es gehen muss. Ich darf Fragen stellen, auf Zusammenhänge hinweisen, Möglichkeiten ansprechen. Und manchmal springt ein Funke über... vielleicht ein Moment der Gnade, ein Himmelsgeschenk: in der Begegnung zweier Menschen geschieht etwas, das tröstet, hilft, Veränderung anstösst….
Ich bin dankbar, meine Arbeit ist reich und erfüllend, immer noch, auch nach 20 Jahren.»

Ariane Van der Haegen