Kirchgemeinde mit Ambitionen

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Lukas Huber (Foto: Doris Brodbeck)
Pfarrer Lukas Huber kam am 1. August 2001 mit seiner Frau Marianne und zwei Kindern nach Oberhallau. 2010 wechselten sie mit unterdessen vier Kindern in die Kirchgemeinde Löhningen-Guntmadingen. Der Kirchenrat gratuliert ihm zu zwanzig Dienstjahren im Kanton Schaffhausen.
Doris Brodbeck,
Bericht von Radio Munot über das 20-Jahr-Jubiläum von Lukas P. Huber

Was war Ihnen wichtig, als Sie am 1.8.2001 die Pfarrstelle in Oberhallau begonnen haben?
Meine Frau und ich wollten uns die Berufs- und Familienarbeit teilen, darum bewarb ich mich auf die 60-Prozent-Stelle in Oberhallau. Als wir die Pfarrwahlkommission und das Dorf kennenlernten, hatten wir den Eindruck: Das könnte passen, auch wenn wir beide aus der Grossstadt stammen. In Oberhallau bekamen wir das dritte und vierte Kind, es war in Sachen Familie eine sehr glückliche Zeit. Im Pfarramt habe ich, wenn ich ehrlich bin, den Kampf um ein sinnvolles Verhältnis von Beruf und Familie/Freizeit verloren. Es ist schwierig, zu 100 Prozent für ein Pfarramt verantwortlich zu sein und 60 Prozent angestellt zu sein. Einige meiner Ziele im Pfarramt haben sich aber verwirklichen lassen: Aufbau eines Familiengottesdienst-Teams, Gründung des «Fiire mit de Chliine», Ausbau der regionalen Jugendarbeit. Ich bin immer wieder erstaunt, wie innovativ kleine Kirchgemeinden sein können und wie viel mit einer klaren Vision möglich ist.

Unterdessen sind Ihre Kinder gross geworden. Wie hat sich das ausgewirkt?
Es war erstaunlich, wie sich die Magie des Aufwachsens von Kindern auswirkte: Plötzlich hat man mehr Freiheit und Zeit. Sehr glücklich bin ich, dass alle unsere Kinder ihren Platz im Jugendbereich unserer Kirchgemeinde gefunden haben. Zu beobachten, wie sie zusammen mit allen anderen jungen Menschen ihre Leiterinnen- und Leiter-Qualitäten ausbauen, ist einfach grossartig. Das wird ihnen auch noch zugute kommen, wenn sie längst nicht mehr im Jugendbereich mitarbeiten.

Sie haben vor elf Jahren das Pfarramt gewechselt und sind nach Löhningen-Guntmadingen gekommen. Warum das?
Als ich angefragt wurde, ob ich nach Löhningen-Guntmadingen wechseln würde, musste ich mir das sehr gut überlegen: Ist es sinnvoll, nur ein paar Dörfer weiterzuziehen? Ein wichtiger Gesichtspunkt war, dass ich in Löhningen-Guntmadingen weiterhin mithelfen kann, den Jugendbereich der Kirchgemeinden Oberhallau, Gächlingen, Löhningen-Guntmadingen und unterdessen auch Beringen zu entwickeln. Dieses Jahr haben wir ihn umbenannt, er heisst jetzt «Junge Kirche Klettgau». Und genau das soll der Jugendbereich auch werden: eine junge Kirche.

Wie haben Sie auf die Veränderungen durch Corona im letzten Jahr reagiert?
2019 hatte ich keine Ahnung davon, wie man Videos aufnimmt – ich bin ein Audiomensch, Filme bedeuten mir sehr wenig. Ich habe im März 2020 ganz, ganz schnell lernen müssen, wie man Online-Gottesdienste aufnimmt, schneidet und veröffentlicht. Ich bin ein grosser Anhänger des Konzepts Kirchgemeinde, ich glaube darum an das lokale Feiern des Gottesdienstes; und wenn es im Kirchengebäude nicht möglich ist, dann eben online. Unterdessen können wir ja wieder in der Kirche oder im Pfarrgarten Gottesdienst feiern, wir streamen aber regelmässig einzelne Gottesdienste live; die Pandemie scheint ja nicht so schnell vorbeizugehen.

Was wünschen Sie der Kirche?
Es steht ja in der Kantonalkirche erneut eine Strukturreform an. Die strukturellen Fragen muss man natürlich klug angehen; ich wünsche der Kantonalkirche und den Kirchgemeinden, dass sie nicht komplett auf die Strukturen fokussieren, sondern den Kirchgemeinde-Aufbau im Auge behalten. Die Fragen des Gemeindebaus beschäftigen mich sehr, darum habe ich vor ein paar Monaten zusammen mit der jungen Theologin Anna Näf, die auch aus dem Chläggi stammt, einen Podcast gestartet: «Aufwärts stolpern, der Podcast für die Kirchgemeinde mit Ambitionen». Ich wünsche der Kirche, dass sie sich auf das Zentrum besinnt: den Glauben an Jesus Christus. Und dass sie von diesem Zentrum her überlegt: Wie hören immer mehr Menschen von der christlichen Hoffnung? Wie können Menschen erfahren, dass sich der Glaube im Leben positiv auswirkt? Wie erleben sie die Kraft einer gesunden Gemeinschaft? Und natürlich auch: Was können wir uns in unseren Dörfern für ein lebensförderliches Miteinander, unter Kindern, unter Erwachsenen und Senioren, tun?

» Medienbericht Dienstjubiläum
» Portraitfoto Lukas Huber
Kontakt: » https://www.ref-sh.ch/lukas.huber