Frisch und würzig gerüstet fürs Amt

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Mit einem vielseitigen Workshop hat die Schaffhauser Kantonalkirche ihre Behördenmitglieder in ihre Pflichten eingeführt. Die Diskussion zeigt: In den Kirchenständen zeichnet sich ein Paradigmenwechsel ab.
Adriana Schneider,
«Ich schlief und träumte, das Leben sei Freude. Ich erwachte und sah, das Leben war Pflicht. Ich handelte, und siehe, die Pflicht war Freude». Mit diesem Zitat von Rabindranath Tagore eröffnet Kirchenrätin Cornelia Busenhart den Einführungstag für Mitarbeitende der Kirchenstände und der Synode im Schönbühl Schaffhausen.
«Frisch und würzig» lautet das Motto der Veranstaltung, die von der Materie her gesehen auch leicht «trocken und fade» hätte ausfallen können. Nicht so in Schaffhausen.
Der Vormittag widmet sich der Information. Frieder Tramer bringt dem Publikum in seinem Vortrag «reformierte Kirchenstruktur» die reformierte Kirchenlandschaft anschaulich näher, angefangen von der einzelnen Kirchgemeinde bis hin zum Schweizerisch Evangelischen Kirchenbund SEK. Danach stellen sich die einzelnen Personen mit ihren Funktionen innerhalb der Kantonalkirche vor: Kirchenrat, Administration und die verschiedenen Fachstellen liefern durch kurze Einblicke in ihre Arbeit ein überschaubares Ganzes. Um «up to date» zu bleiben, führt der Internetbeauftragte Werner Näf in die Hompepage «ref-sh» der Kantonalkirche ein, bevor es offline darum geht, «miteinander ins Gespräch» zu kommen. «Warum engagieren wir uns für unsere Kirche, wo liegt unsere Hoffnung für sie?», werfen die Gesprächsleiter in die Runde. «Für mich muss die Kirche ganz dezidiert zu gesellschaftspolitischen Fragen Stellung beziehen», antwortet Hanspeter Jud, der neu im Kirchenstand der Kirchgemeinde Schaffhausen-Zwingli mitwirkt. «Die Kirche soll wachsam sein und Werte vermitteln, an denen man sich orientieren kann. Dafür setze ich mich gerne ein».
Für Nicole Mathys steht die Kinder- und Jugendarbeit im Vordergrund: «Wir müssen als Kirche im sozialen Bereich arbeiten. Gerade Jugendliche sollten das Christentum kennenlernen, damit sie auch andere Religionen beurteilen können. Dabei helfe ich gerne mit», so das neue Mitglied der Kirchgemeinde Steig. Andere nennen persönlichen Erlebnisse, Prägungen aus dem Elternhaus und Begegnungen mit anderen Menschen, die zu ihrem Engagement in der Kirche geführt haben.

Wertschätzung grossgeschrieben

Nach dem Mittagessen vertiefen sich die Diskussionen in Amtsgruppen. Im Forum der Kirchenstände geht es um die Kultur der Zusammenarbeit und der Wertschätzung. «Wertschätzung bedeutet, in der eigenen Kompetenz ernst genommen zu werden», fasst Kirchenschreiberin Gabriele Higl zusammen. Hierzu gehöre auch eine professionelle Sitzungsleitung, die darauf achte, dass alle Sitzungsteilnehmer gleichermassen zu Wort kommen, und dass Mitarbeitergespräche regelmässig stattfinden.
Mit einem klaren Votum äussert sich Kirchenratspräsident Wolfram Kötter zur hierarchischen Struktur einer Kirchgemeinde: «Laut Kirchenordnung ist der Kirchenstand Arbeitgeber der Pfarrpersonen und verfügt über Weisungspflicht». Hier zeichnet sich ein Paradigmenwechsel ab, wie Cornelia Busenhart erläutert: «Viele langjährige Seniorpfarrpersonen haben die Kultur ihrer Gemeinden so massgeblich geprägt, dass sie zusammenbricht, wenn diese Pfarrperson geht. Mit einer neuen Generation nähern wir uns der Praxis, dass der Kirchenstand die Gemeinde gestaltet, und das Team diese Gestaltung gemeinsam mit der Pfarrperson ausfüllt». Unterschiede sind dabei zwischen den Stadt- und Landgemeinden auszumachen. «Auf dem Land funktionieren die Kirchgemeinden noch stark personenbezogen», sagt Sandra Leu, Kirchenpflegerin der Kirchgemeinde Hemmental. Die Mitglieder der Kirchenstände machen sich an diesem Punkt auch Gedanken über den sich abzeichnenden Mangel an Pfarrpersonen und darüber, wie eine verstärkte Zusammenarbeit zwischen einzelnen Kirchgemeinden aussehen könnte.
Am Ende des Tages zeigt sich Kirchenrätin Cornelia Busenhart zufrieden mit dem Workshop. «Die Zukunft erfordert mehr Zusammenarbeit, das ist hier deutlich geworden. Der Kirchenrat möchte deshalb den Kontakt zu den Gemeinden vermehrt wahrnehmen».
Zum Schluss gab sie jedem Behördenmitglied ein Gläschen mit Kräutersalz mit auf dem Weg: «Wir alle gemeinsam sind das Salz der Erde. Wir wünschen Euch von Herzen Gottes Segen für Eure Amtszeit und bleiben in Kontakt».
Behördeneinführung 2019
09.09.2019
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