Abschied von Kirchenratspräsident Frieder Tramer

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Abschiedsgeschenk
Zum Abschied von Kirchenratspräsident Pfarrer Frieder Tramer aus dem Kirchenrat der Evangelisch-reformierten Kirche des Kantons Schaffhausen hat Sabine Dubach vor der Synode folgende Worte formuliert: Ich will Ihnen – wie sich Frieder Tramer jeweils ausdrückte – nicht «ein Wort zum Tag angedeihen lassen», sondern sein Wirken im Kirchenrat würdigen:
Rundschreiben R
An der Sommersynode 2004 wurde Pfarrer Frieder Tramer als Nachfolger von Pfarrer David Lentzsch in den Kirchenrat gewählt. Die Ressorts waren damals noch mit sieben Kirchenrätinnen und Kirchenräten etwas anders zusammengesetzt als heute. Pfarrer Frieder Tramer übernahm die Erwachsenenbildung, Soziales, Gefängnisseelsorge / Gehörlosenseelsorge und Medien. In all diese Bereiche arbeitete er sich mit Herzblut ein. Damals schrieb er im Geschäftsbericht: «Wer die Alten hat, hat die Zukunft...». Dieser Satz stimmt rein zahlenmässig noch heute, nimmt doch die Zahl der älteren Kirchgemeindemitglieder zu. Als teilzeitlicher Gemeindepfarrer in Stein am Rhein, der sich zusammen mit seiner Ehefrau bis heute das Gemeindepfarramt teilt, hatte er immer im Blick, wie die Kirche heute wahrgenommen wird. Sie entscheidet sich zunächst und hauptsächlich daran, wie wir als Kirchgemeinde leben und arbeiten: Gottesdienste, Unterricht, Trauerfeiern usw. Hier lebt der Austausch und wird entscheidend das gesellschaftliche Bild der Kirchen geprägt. Dies will allerdings nicht heissen, dass es all die Aufgaben auf Ebene der Kantonalkirche nicht braucht – ganz im Gegenteil. Ein Beispiel dafür ist die professionelle Kommunikation in der Krise. So haben wir heute als Kantonalkirche ein Krisenkommunikationskonzept, das unter der Leitung von Frieder Tramer erarbeitet wurde.

Als wesentliche Aufgabe unserer Kirche und insbesondere unserer Gesellschaft sieht Frieder Tramer, Menschen verschiedener Herkunft, Kultur, Sprache und Religion das Zusammenleben zu ermöglichen. So engagierte er sich im Forum für Migrationsfragen und bei Integres. Frieder Tramer sah stets, dass keine Kirche ohne die Ehrenamtlichen, wie er sie zu nennen pflegte, lebt. An ihnen hängt die Kirche, denen ihre Kirchgemeinde wichtig ist und die dafür Zeit und Energie aufbringen wollen. Ermutigend ist für Frieder Tramer zu erleben, dass sich trotz aller Mühe bei der Suche Freiwillige noch finden lassen. Nie vergessen hat Frieder Tramer, dass unsere Arbeitswelt einem Teil der Bevölkerung die Chance auf einen selbst erarbeiteten Lebensunterhalt nicht gibt, und wir uns als Kirche mit Beiträgen wie zum Beispiel an den Verein Erwerbslosen-treff Schaffhausen (Schreibstube VETS) engagieren. Die Würde des Menschen und die Tatsache, dass alle in Gottes Augen dieselbe Würde haben und die Menschen an der Teilhabe nicht ausgeschlossen werden, ist für Frieder Tramer Grundlage des Christsein.

2011 erfolgte die Anfrage im Kirchenrat, ob Frieder Tramer das Präsidium übernehme. Anfänglich tat er sich schwer mit dem Gedanken, als damals noch deutscher Staatsangehöriger einer schweizerischen kirchlichen Exekutive vorzustehen. Aber seine Entscheidung für ein Ja sollte zum Glücksfall für den Kirchenrat werden. In der Sommersynode 2011 wurde Frieder Tramer als Nachfolger von Dr. Silvia Pfeiffer zum Kirchenratspräsidenten gewählt. Seine präsidiale Amtszeit war geprägt vom Kampf um den Staatsbeitrag des Kantons Schaffhausen samt Volksabstimmung und der teils schmerzlichen, weitreichenden Strukturreform innerhalb der Schaffhauser Kirche. Nicht nur der Staat musste Sparprogramme aufgleisen, um die Defizite in den Griff zu bekommen, auch die Schaffhauser Kirche sah frühzeitig, dass strukturelle Defizite in Zukunft nicht mehr zu bewältigen sind. Eine Landeskirche hat nicht Möglichkeiten, am Finanzmarkt durch Staatsanleihen oder dergleichen zu Geld zu kommen, sondern Ausgaben und Einnahmen müssen im Gleichgewicht sein. An derselben Synode, wie Frieder Tramer zum Kirchenratspräsidenten gewählt wurde, beschloss die Sommersynode einen Strukturprozess aufzugleisen. In diesem Prozess ging es ums Geld, aber nicht nur.

«Wo zwei oder drei in Gemeinsamkeit zusammenkommen, bin ich mitten unter ihnen» (Matthäus 18, 20 Bibel in gerechter Sprache). Eine Kirche, die kleiner wird, kann trotzdem wirkungsvoll sein. Wie schrieb Frieder Tramer in einem Vorwort zum Geschäftsbericht 2011: «Wenn wir unsere Kirche mit weltlichen Massstäben beurteilen, wird uns der Strukturprozess nur depressiv anmuten. In der Wahrnehmung unseres Glaubens macht auch eine kleiner werdende Kirche Hoffnung auf Segen und Zukunft. Und weckt unsre Fantasie, unsere Energie, unsere Kraft für eine lebendige, gewitzte oder auch lichte und salzige Kirche».

2012 fing es an, heftig zu werden. Unser Strukturprozess war in vollem Gange, als der Kanton Schaffhausen ein einschneidendes finanzielles Entlastungsprogramm schnürte, von dem auch die Kirchen nicht verschont bleiben sollten. Neben der Kürzung des Staatsbeitrages wollte man den Kirchen die existenzielle Indexierung des Staatsbeitrages streichen. Nach zahlreichen Debatten im Kantonsrat, verbunden unsererseits mit einem enormen Aufwand um zu zeigen, was die Kirchen leisten, kam es im November 2013 zu einer Volksabstimmung über die Volkskirche. Es gibt historische Gründe, warum der Kanton den Landeskirchen Geld gibt. Aber noch heute ist es im Interesse des Staates und von uns allen, wenn die Landeskirchen für ihre Aufgaben Geld bekommen. Dass die Volksabstimmung für die Kirchen letztlich erfolgreich verlief, verdanken wir wesentlich Frieder Tramer. Ebenso ist die Kirche in ihrer Strukturreform ein schönes Stück vorangekommen, aber für Frieder Tramer war immer klar: «Wir haben viel erreicht! - Wir sind noch lange nicht fertig»: Diese Aussage gilt bis zum heutigen Tag und wird die Zeit des Kirchenratspräsidiums von Frieder Tramer überleben. Jetzt kann man sich natürlich fragen: Ist unsere Kirche nicht zu sehr vom Geld bestimmt, zu weltlich, zu materialistisch? Nein, es ist eine notwendige Erinnerung daran, dass Wirtschaft und «Care», wie man das heute modern ausdrückt - sich gegenseitig nicht ausschliessen, sondern vielmehr gegenseitig ergänzen müssen. Frieder Tramer plädierte dabei immer für Fürsorge, Obhut, Pflege, Umsicht und Achtsamkeit – eben «Care».

In die Zeit von Frieder Tramer als Kirchenratspräsident fiel auch das Reformationsjubiläum. Die Errungenschaften der Reformation wie zum Beispiel die Erkenntnis, dass der Ablass als Heilsangebot nichts taugt, sind Frieder Tramer wichtig. Die Kirche ist für ihn ein Ort, wo man noch sorgfältig und mit Respekt mit den Worten umgeht. Wie er schrieb er doch so treffend in seinen legendären Vorworten im kirchenrätlichen Geschäftsbericht: «Wenn (fast) alle «whatsäppeln und twittern», dann nehmen wir uns in der Kirche z.B. Zeit für eine Predigt im Sonntagsgottesdienst.» So gehört für Frieder Tramer der Sonntagsgottesdienst zum zentralen und wichtigen Lebensbeweis und Lebenssinn unserer Kirche.

Lieber Frieder Tramer, wir danken dir von Herzen für Dein stetes Engagement in den letzten 15 Jahren, für Dein Dasein, Dein Mittragen, Dein theologisches und fundiertes Debattieren nicht in eigener Sache, sondern stets zum Wohle der Mitmenschen und unserer Kirche. So wünsche ich Frieder Tramer im Namen des Kirchenrates nicht einen «guten Restdienstag», wie er jeweils nach der Kirchenratssitzung zu sagen pflegte, sondern eine erfreuliche Restzeit als Pfarrer in Stein am Rhein und eine sanfte Einübung der in zwei Jahren folgenden Pensionierung.

Sabine Dubach, Vizepräsidentin des Kirchenrats
Abschied Frieder Tramer
21.06.2019
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