Politik ist Gottes Kerngeschäft (Aussprachesynode)

Doris Brodbeck,
Simon Hofstetter —  Aussprachesynode <div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>ref-sh.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>4482</div><div class='bid' style='display:none;'>43826</div><div class='usr' style='display:none;'>1297</div>

Weit über sechzig Synodale und Gäste beschäftigten sich an einem sonnigen Samstag mit der Frage «Wie nehmen wir als Evangelisch-reformierte Kirche in unserem Kanton politische Verantwortung wahr?» Die Aussprachesynode in der Zwinglikirche Schaffhausen wurde vom Referenten Pfarrer Dr. Simon Hofstetter vom Institut für Theologie und Ethik des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes SEK begleitet. Die Synodale Marianne Näf aus Gächlingen moderierte die Tagung.
Kirchenratspräsident Frieder Tramer betonte in der einleitenden Andacht, dass es bei der politischen Verantwortung um die Frage gehe, an welchen Gott wir glauben. Gott sei Mensch geworden und nehme Teil an unserem Leben. Das Zeichen sei der Abendmahlstisch in unseren Kirchen; Gott sättige Seele und Leib. Alle hätten Zugang zu diesem Tisch. Um menschliche Bedürfnisse, die am gemeinsamen Tisch sichtbar würden, um die gehe es auch in der Politik.

Kirchliche Einmischung?
Der Referent Simon Hofstetter konnte auf eine Umfrage bei Politikern zurückgreifen, die man gefragt hatte, was sie sich für ein politisches Engagement der Kirche wünschten. Es gab drei Typen von Antworten. Die einen kritisierten es als «kirchliche Einmischung», andere hielten es für das Kerngeschäft der Kirche, sich auch politisch zu äussern, und wieder andere schränkten politische Stellungnahmen auf bestimmte Themen ein, die der Kirche nahestehen. Er hielt fest, dass eine kirchliche Stellungnahme auf einem gemeinsamen Entscheidungsfindungsprozess basiere und nicht die individuelle Meinungsbildung ersetze, sondern sie fördere.

In Gruppengesprächen wurde mit überwiegender Mehrheit bei zwei Enthaltungen und drei Neinstimmen dem Willen zu einem politischen Engagement Ausdruck gegeben – jedoch mit dem Schwerpunkt auf differenzierten Stellungnahmen und Gesprächen und nicht so sehr auf Parolen.

Meinungsbildung fördern
Simon Hofstetter zeigte in einem zweiten Teil am Nachmittag Formen von Stellungnahmen, Modelle der Zuständigkeit und Kriterien zur Orientierung bei der Beurteilung von politischen Themen auf. Leitend sollten jeweils mehrere der folgenden Aspekte sein: Übereinstimmung mit der jüdisch-christlichen Tradition der Bibel, Kontinuität des kirchlichen Engagements, Stimmlose in der Gesellschaft stärken, Förderung der Gemeinschaft, zukünftige Generationen berücksichtigen, Freiheit und Verantwortung ermöglichen.

Die Frage, welches Gremium zuständig sei für politische Stellungnahmen, wurde nicht abschliessend beantwortet. Mehrere Arbeitsgruppen sahen den Kirchenrat oder eine ständige synodale Kommission als Akteur, andere wünschten sich einen Beschluss der Synode. Als konkretes Beispiel wurde in fast allen Arbeitsgruppen die Konzernverantwortungsinitiative ausgewählt, zu der man gerne frühzeitig regionale Veranstaltungen zur Meinungsbildung anbieten möchte.

Doris Brodbeck,
Kommunikationsbeauftragte der Evangelisch-reformierten Kirche des Kantons Schaffhausen

vgl. Kirchenbote online: Interview mit Simon Hofstetter (» Kirchenbote Mai 2018, S. 3)

» Präsentation und Plakate (intern)
Ende April wurde ein Interview mit Simon Hofstetter und mit Stimmen von Synodalen im Unterwegs bei Radio Munot ausgestrahlt:
Autor: Doris Brodbeck     Bereitgestellt: 27.04.2018    
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