Vom Gottesdienst in die Wanderschuhe

Doris Brodbeck,
Auf den Spuren der Hugenotten und Waldenser —  von Schaffhausen nach Thayngen<div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>ref-sh.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>2278</div><div class='bid' style='display:none;'>15652</div><div class='usr' style='display:none;'>330</div>

Auf den Spuren der Hugenotten und Waldenser: von Schaffhausen nach Thayngen

Die Schaffhauser Reformierten gedachten am diesjährigen Reformationssonntag der französischen und italienischen Glaubensflüchtlinge, die vor rund dreihundert Jahren in die Schweiz und nach Schaffhausen strömten. Nach dem stark besuchten Gottesdienst im Münster und mehreren Gedenkansprachen verfolgten rund vierzig Wanderlustige die Spuren der Hugenotten und Waldenser von Schaffhausen nach Thayngen, die zukünftig einmal ausgeschildert werden sollten.
Der feierliche Gottesdienst der Stadtkirchgemeinden und der Eglise réformée française wurde von den Kirchenchören La Capella und Rafzerfeld sowie dem Zürcher Migrationschor "Les Messagers d'Afrique" mitgestaltet. Pfarrerin Kristin Rossier Buri, Vize-Ratspräsidentin des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbunds, sprach in ihrer Predigt von der besonderen Gestalt der Westschweizer reformierten Kirche, die auf den Genfer Reformator Jean Calvin zurückgeht und vom wichtigen Einfluss, den Zuwandererfamilien der Hugenotten und Waldenser auf Genf, Waadt und Neuenburg ausübten. Pfarrer Christoph Waldmeier erinnerte, dass Migration damals wie heute Angst auslöst - sowohl bei den Flüchtenden wie auch bei der Gesellschaft, die sie aufnimmt. Die Frage nach der eigenen Identität könne aber nur indirekt gelöst werden über die Frage nach den gemeinsamen Zielen. Der Gottesdienst wurde nach der Liturgie der Eglise réformée gefeiert, mit Texten und Liedern in Deutsch und Französisch und mündete in das gemeinsame Abendmahl.

Grussworte
Anschliessend an den Gottesdienst erinnerte Silvia Pfeiffer, Schaffhauser Historikerin und Beiratsmitglied der Stiftung "Via" an die immense Menge von Flüchtlingen, die Schaffhausen vorübergehend aufgenommen hat. Rolf Bloch, Präsident der Stiftung "Via", möchte den Kulturfernwanderweg, der bereits in den angrenzenden Ländern stückweise besteht, auch in der Schweiz weiter umsetzen als Besinnung auf die Flüchtlingsschicksale damals wie auch heute. Stadtpräsident Thomas Feurer gab zu bedenken, dass die Flüchtlingsthematik eine Bewährungsprobe für die Betroffenen wie auch für die Gesellschaft darstelle. Ein Kulturfernwanderweg könne das gegenseitige Verständnis fördern und biete ein Innehalten in einer hektischen Welt.

Abschreiten
Die zweistündige Wanderung, die von Erklärungen durch René Specht, Beiratsmitglied von "Via", und den Kartographen der Stiftung, Werner Vogel, begleitet war, führte von Herblingen auf Wanderwegen nach Thayngen. Die Festlegung der Route des Kulturfernwanderwegs folge den Wanderwegen, weil die ursprünglichen Strassen nicht mehr bestehen oder heute von Auto befahren werden. Oft hätten die Flüchtlinge auch die bequemeren Wasserwege gewählt, was allerdings nicht auf die Region Schaffhausen zutrifft. Zwischen Eglisau und der Rheinau konnte man die Schiffe nicht von Ochsen flussaufwärts ziehen lassen, da das Flussufer dies nicht zuliess.

Spuren in Thayngen
In Thayngen traf zeitgleich auch die deutsche Wandergruppe ein, die in einer Tageswanderung von Singen her unterwegs war. Nach einer stärkenden Kürbissuppe im Kirchgemeindehaus Adler gab es eine Abschlussfeier in der Kirche. Pfarrerin Sabine Aschmann hatte Auszüge aus dem Kirchenkassenheft im Pfarrarchiv transkribieren lassen, die zahlreiche Spenden an die durchwandernden Flüchtlinge nannten und auch das Begräbnis eines Waldenserkindes. Spannend war dann auch von Simone Saxer, der Gründerin der Stiftung "Via" und selbst von Hugenotten abstammend, Ausschnitte aus dem Tagebuch des Hugenotten Henri Chièze in deutscher Übersetzung zu hören, der in Schaffhausen mehrere Monate zubrachte und die damaligen Lebensgewohnheiten in Schaffhausen und die Grosszügigkeit seiner Gastgeberfamilie schilderte. Der Teilnehmer Gérard Arabin erzählte zudem, dass er seine Vorfahren im Schaffhauser Stadtarchiv ausfindig gemacht hat, die damals dank mehrerer Gulden aus der Stadtkasse nach Frankfurt weiterreisen konnten. Für die Ausschilderung des Wegabschnittes von Schaffhausen nach Thayngen müsste sich noch eine Arbeitsgruppe bilden.

Fotos vom Reformationsfest (durch Doppelklick in Originalqualität herunterladbar):

Informationen, Medienberichte etc. unter www.ref-sh.ch/hugenotten-waldenser
Autor: Doris Brodbeck     Bereitgestellt: 04.11.2012    
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