Bettagsbotschaft der Schaffhauser Landeskirchen

Doris Brodbeck,
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Nudelsuppe in der Ochseschüür

Das sogenannte Bettagsmandat, das die Schaffhauser Landeskirchen jährlich zum Dank-, Buss- und Bettag formulieren, nimmt diesmal das Bild der Tischgemeinschaft auf und entwirft eine Alternative zum Konkurrenzkampf: Genug für alle.
Schaffhauser Bettagsmandat 2012

Konkurrenz oder Friede

Konkurrenz geht davon aus, dass es Gewinner und Verlierer gibt. Verlieren ist schon in Sport und Spiel bisweilen bitter. Im Wirtschaftsleben heisst Verlieren häufig Krankheit, Armut, Tod.
Unsere Gesellschaft setzt auf Konkurrenz: sie belebe das Geschäft, sie motiviere zu Höchstleistung. Das mag sein, ändert aber nichts daran, dass Niederlagen bei diesem Geschäftsmodell unvermeidlich sind. Häufig wird Verlierern im Wirtschaftsleben – Arbeitslosen, strukturschwachen Kantonen, Ländern wie Griechenland – empfohlen, ihre Konkurrenzfähigkeit zu steigern. Der Ratschlag vernachlässigt, dass dann andere ins Hintertreffen geraten. Diese werden nun ihrerseits versuchen, wettbewerbsfähiger zu werden – eine Spirale, die von sich aus kein Ende kennt.

Unser christlicher Glaube setzt auf ein anderes Hauptwort: Schalom, Friede. Und das beste Bild fürs Gemeinte ist der gemeinsame Tisch, an dem alle genug zum Leben bekommen. Das ist Friede! – viel mehr als Mitleid mit sozial Schwachen oder Verzicht auf Gewalt. Solcher Friede erkennt das gemeinsame Interesse als ureigenstes Interesse. Denn am gemeinsamen Tisch ist der Appetit unteilbar. Der Genuss der Ressourcen ist wahrer Genuss nur, wenn auch der Nachbar geniessen kann. An diesem Tisch sitzen wir nicht, weil wir uns einen Platz dran erkämpft haben. Wir haben unseren Platz, weil wir als Geschöpfe Gottes dazu eingeladen wurden.

Verantwortungsvolle Oekonomie (auf Deutsch „Haushaltführung“) weiss sich allen am Tisch verpflichtet. Und es gibt Unternehmen, es gibt auch politische Institutionen, die dem nachleben. Doch die Sorge um unsere oekonomische Zukunft steht in seltsamem Gegensatz zum sichtbaren und allgegenwärtigen Reichtum in unserem Land. Das ist kein Wunder. Denn das Modell „Konkurrenz“ macht die Sorge zum System. Gestern gewonnen zu haben ist keine Garantie, nicht morgen zu den Verlierern zu gehören. Lebensqualität wird durch Konkurrenz nicht garantiert. Unser christlicher Glaube legt uns nahe, Frieden, das Bild vom gemeinsamen Tisch, zum Modell unserer Oekonomie und unserer Politik zu machen.

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Autor: Doris Brodbeck     Bereitgestellt: 09.09.2012    
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