Charisma und Oekumene - Erinnerungen von Arnold Bittlinger

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Arnold Bittlinger
Der dritte Teil der Erinnerungen des vielseitig engagierten ehemaligen Oberhallauer Pfarrers Arnold Bittlinger ist erschienen und bietet einen spannenden Einblick in denjenigen Teil seines Lebens und Schaffens, den er von seinem Wohnsitz im Oberhallauer Pfarrhaus aus von 1978 bis zur Pensionierung 1993 gestaltete.
Doris Brodbeck,
Während der letzten fünfzehn Jahre seiner beruflichen Tätigkeit bereiste er im Auftrag des Ökumenischen Rats der Kirchen die Kontinente, um in einen Dialog mit den in den Kirchen neu aufbrechenden charismatischen Bewegungen zu treten. Er führte aber auch seine in Deutschland begonnene Ökumenische Akademie weiter und verlegte sie ins Nidelbad oberhalb Rüschlikon am Zürichsee. Durch seine vielfältigen internationalen Kontakte stand er in einem regen Austausch mit kirchlichen Vertretern, die ihn auch in Oberhallau besuchten.

Weltweite Kontakte
Unter dem Titel „Oft auch gegen den Strom – Mein Weg in die Weite“ erzählt der heute 83jährige Theologe und Psychoanalytiker von seinen Begegnungen, die er in der weltweiten Kirche, aber auch in der Kirchgemeinde Oberhallau erleben durfte. Die persönlichen Schilderungen malen nicht nur ein farbiges Bild seines eigenen Lebens, sondern auch des kirchlichen Lebens, dessen Zeuge er wurde. Zum Thema Abendmahl knüpft er an Erinnerungen aus seiner Kindheit an, die er in einer Pfarrfamilie in der Pfalz erlebte, und führt sie dann weiter bis zur Frage des gemeinsamen Abendmahls in der Ökumene. Da ging es zunächst recht weltlich zu und her, wenn das gestiftete Abendmahlsbrot und der Wein beim Abendmahl auch auf deren Qualität hin gekostet wurden. Arnold Bittlinger gelingt es jedoch, sein kirchliches Engagement so zu schildern, dass es nicht beim Anekdotischen stehen bleibt, sondern dass die Thematik durch die treffend geschilderten Episoden vertieft wird. Beeindruckend sind auch die Schilderungen der Kirchen in verschiedenen Kontinenten, die Arnold Bittlinger im Auftrag des Ökumenischen Rats der Kirchen in Genf besuchte. Seine Reaktionen zeigen, dass er sich vom Erlebten persönlich bewegen liess. Schon 1973 entdeckte er auf eigene Faust eine der zahlreichen unabhängigen Kirchen in Westafrika, deren gelebte Freude ihn hoffnungsvoll stimmte. Längere Kapitel sind den Reisen nach Südamerika und der Begegnung mit den nordamerikanischen Indianern gewidmet, wo Arnold Bittlinger unter anderem mit dem Schamanen „Rolling Thunder“ zusammentraf.

Weites Beziehungsnetz
Ganz praktisch wird auch Bittlingers Arbeitsweise geschildert, die sich an der Begegnung mit Menschen orientiert. Von der 5. Vollversammlung der Kirchen in Nairobi hatte er den Auftrag erhalten, über die charismatische Erneuerung innerhalb der Mitgliedkirchen einen Überblick zu erarbeiten. Um die Antworten zu ordnen, zog er dann einen Pfarrkollegen in der Nachbarschaft zu Rate. So schildert er, wie er mit dem damaligen Begginger Pfarrer Peter Felber die zahlreichen Briefe auf dem Boden des Begginger Pfarrhauses ausbreitete, um sie zu sichten und zu einem Bericht zusammen zu stellen. Praktische Unterstützung fand er auch in Gertrud Erni als Organisatorin von Tagungen an der Ökumenischen Akademie und von Sonja Scheuermeier, die sich für die dazu gehörigen Publikationen einsetzte, die seit 1987 zur Gründung des Metanoia-Verlags führten. So legt dieser Erinnerungsband Zeugnis ab von dem breiten Kreis einer kirchlichen Erneuerungsbewegung, die Arnold Bittlinger um sich versammeln und miteinander in Kontakt zu bringen vermochte. Wer allerdings Personen wie Walter Hollenweger noch nicht kennt, muss sich mit den Mosaiksteinchen begnügen, die Arnold Bittlinger anführt, denn über viele der genannten Personen wäre je ein separates Buch zu schreiben.
» » Zur Biographie von Arnold Bittlinger
Arnold Bittlinger: Oft auch gegen den Strom – Erinnerungen Teil 3, Mein Weg in die Weite, ISBN 978-3-905827-08-8
Erhältlich für 23.50 Fr. bei » www.metanoia-verlag.ch (ab Januar 2012)