Seelsorge startet im Bundesasylzentrum
Im Juni starteten zwei Seelsorgende der Evangelisch-reformierten Kirche im Bundesasylzentrum in Schaffhausen. Damit konnte endlich einer langjährigen Anfrage der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz nachgekommen werden. Diese beteiligt sich auch finanziell daran. Auch die Römisch-katholische Kirche des Kantons Schaffhausen zeigt Interesse. Die Seelsorgenden berichten über ihre neue Aufgabe:
Rundschreiben R
Das Angebot von Seelsorge im Schaffhauser Bundesasylzentrum (BAZ) geschieht mit einer gewissen Vorläufigkeit. Jeden Moment können die Zahlen der Asylbewerber und damit auch die Organisation der Asylzentren wechseln. Zurzeit besteht die Möglichkeit zum Gespräch mit den Pfarrpersonen Daniela Scherello und Felix Blum jeweils am Montagnachmittag.
Empathisches Zuhören ist eine heilsame Kraft, die oft unterschätzt wird. Vor allem da Seelsorgende die Möglichkeit haben, ihr Gegenüber -ohne zu werten- wahrzunehmen. Menschen, die einen Antrag auf Asyl gestellt haben, werden also nicht auf ihre Lebensgeschichte festgelegt, nicht als Opfer stigmatisiert, sondern zuallererst einfach als Mensch wahrgenommen. Ein Individuum, das gerade erzählen will von Lebenserfahrungen, von Frustration, von Hoffnung und Visionen, auch über das Warten, von Verlusten, dem Aushalten von Trennung und von vielen anderen Dingen mehr, das andere Personen – natürlich im hiesigen Kontext anders gelagert- als Grundemotion ebenfalls kennen.
Alle Personen im Schaffhauser Bundesasylzentrum (BAZ) leben fern von der Heimat, ohne Familie, ohne Partner:in und Kinder, dafür zusammengewürfelt mit Menschen aus vielen Nationen, die sie sich nicht ausgesucht haben und nun tagtäglich sehen und partiell den Alltag teilen müssen. Das verlangt viel Stärke, Selbstdisziplin und Resilienz.
«Was wird..? Werden meine Asylgründe anerkannt? Kann ich bleiben muss ich gehen? Kann ich in meiner Heimat unter den Umständen weiterleben? Wie könnte ein Leben in der Fremde aussehen? Kommt meine kranke Frau mit den Kindern ohne mich zurecht? Wie ergeht es meinem Kind, wenn es nun temporär von anderen aufgezogen wird?«, dies ist nur ein kleiner Teil von Fragen, welche Frauen und Männer im BAZ umtreibt. Zum Glück müssen Seelsorger:innen im BAZ über gewisse Dinge nicht entscheiden, sie dürfen neutral bleiben. Oft teilen die Seelsorgenden den Moment und halten mit aus: die Hoffnung (auf Anerkennung des Asylgrundes) und das Warten (auf Antwort nach der Anhörung zu den Asylgründen) und die temporäre Ungewissheit. Manchmal sind es jedoch auch konkrete Fragen und Situationen. Und immer wieder gilt es Ängste zu mildern und Aufregung, Anspannung und Nervosität zu lösen.
Bevor Seelsorgende ein BAZ betreten, wissen sie nie, was sie konkret erwarten wird, doch wenn sie das BAZ verlassen, bleiben ruhigere Gemüter und sie dürfen viel Dankbarkeit mit nach Hause nehmen.
Es ist eine gute Sache, die wir dort machen dürfen.
Daniela Scherello und Felix Blum, Seelsorgende im Bundesasylzentrum Schaffhausen
Empathisches Zuhören ist eine heilsame Kraft, die oft unterschätzt wird. Vor allem da Seelsorgende die Möglichkeit haben, ihr Gegenüber -ohne zu werten- wahrzunehmen. Menschen, die einen Antrag auf Asyl gestellt haben, werden also nicht auf ihre Lebensgeschichte festgelegt, nicht als Opfer stigmatisiert, sondern zuallererst einfach als Mensch wahrgenommen. Ein Individuum, das gerade erzählen will von Lebenserfahrungen, von Frustration, von Hoffnung und Visionen, auch über das Warten, von Verlusten, dem Aushalten von Trennung und von vielen anderen Dingen mehr, das andere Personen – natürlich im hiesigen Kontext anders gelagert- als Grundemotion ebenfalls kennen.
Alle Personen im Schaffhauser Bundesasylzentrum (BAZ) leben fern von der Heimat, ohne Familie, ohne Partner:in und Kinder, dafür zusammengewürfelt mit Menschen aus vielen Nationen, die sie sich nicht ausgesucht haben und nun tagtäglich sehen und partiell den Alltag teilen müssen. Das verlangt viel Stärke, Selbstdisziplin und Resilienz.
«Was wird..? Werden meine Asylgründe anerkannt? Kann ich bleiben muss ich gehen? Kann ich in meiner Heimat unter den Umständen weiterleben? Wie könnte ein Leben in der Fremde aussehen? Kommt meine kranke Frau mit den Kindern ohne mich zurecht? Wie ergeht es meinem Kind, wenn es nun temporär von anderen aufgezogen wird?«, dies ist nur ein kleiner Teil von Fragen, welche Frauen und Männer im BAZ umtreibt. Zum Glück müssen Seelsorger:innen im BAZ über gewisse Dinge nicht entscheiden, sie dürfen neutral bleiben. Oft teilen die Seelsorgenden den Moment und halten mit aus: die Hoffnung (auf Anerkennung des Asylgrundes) und das Warten (auf Antwort nach der Anhörung zu den Asylgründen) und die temporäre Ungewissheit. Manchmal sind es jedoch auch konkrete Fragen und Situationen. Und immer wieder gilt es Ängste zu mildern und Aufregung, Anspannung und Nervosität zu lösen.
Bevor Seelsorgende ein BAZ betreten, wissen sie nie, was sie konkret erwarten wird, doch wenn sie das BAZ verlassen, bleiben ruhigere Gemüter und sie dürfen viel Dankbarkeit mit nach Hause nehmen.
Es ist eine gute Sache, die wir dort machen dürfen.
Daniela Scherello und Felix Blum, Seelsorgende im Bundesasylzentrum Schaffhausen