
Zwingli_Weisch no ... 50 Jahr Jubiläum: Foto: Elke Rüegger

Zwingli_Weisch no ... 50 Jahr Jubiläum: Foto: Bettina Lacher

Zwingli_Weisch no ... 50 Jahr Jubiläum: Foto: Elke Rüegger
| Schwelgen in alten Erinnerungen Vor 50 Jahren fand erstmals ein Gottesdienst in der damals neuen Schaffhauser Zwingli-Kirche statt. Gestern wurde das Jubiläum gefeiert. von Martin Edlin An den Wänden des evangelisch-reformierten Zwingli-Zentrums hingen alte Fotos, vor denen sich Menschentrauben bildeten. «Schau einmal, das bin ich!», hörte man und sah den Zeigefinger, der auf einem Konfirmanden-Gruppenbild aus dem Jahr 1960 auf ein junges Mädchen deutete. Und am Nachmittag, als unter dem Motto «Weisch no…?» ehemalige Aktiv-«Zwinglianerinnen und -Zwinglianer» Episoden und persönliche Erinnerungen aus dem halben Jahrhundert Geschichte dieser Kirchgemeinde erzählten, wurde nicht nur längst Vergangenes wieder lebendig, sondern entstand ebenso ein buntes Mosaikbild, das vom Einst zum Heute und weiter in die Zukunft führte. Den bunten Strauss trugen unter anderem der ehemalige Regierungsrat Herbert Bühl (einst Zwingli-Kirchenstandspräsident), Stadtrat Urs Hunziker (ebenfalls einmal Kirchenstandsmitglied), Georg Stamm, 17 Jahre lang, zusammen mit Willi Helg, Zwingli-Pfarrer, aber auch ehemalige Gemeindehelferinnen, Sonntagsschul-Lehrerinnen, Mesmer, weitere Kirchenstandsmitglieder und der frühere Zwingli-Organist Urs Pfister zusammen, der «z’leid» ein witziges, modernes Orgelstück spielte, das ihm, als er es zum erstenmal in einem Gottesdienst zum besten gab, die Reaktion von Gemeindemitgliedern eintrug: «Jetzt reicht es aber!». Die grosse Jubiläumsfeier begann mit einem Festgottesdienst in der fast bis auf den letzten Platz gefüllten Kirche. Er wurde gestaltet von Zwingli-Pfarrerin Elke Rüegg-Haller, von Matthias Eichrodt, dem Pfarrer der Münster-Gemeinde (zu der zur Zeit des Kirchenbaus das Geissberg-Kirchenquartier gehörte) und vom einstigen Zwingli-Pfarrer Georg Stamm als Prediger. Musikalisch bereichert wurde der Gottesdienst von Beatrice Kunz auf der Flöte, von Marielle Haag und Stefanie Senn an der Orgel oder am Flügel und vom Kirchenchor St. Peter unter Leitung von Vreni Winzeler. In seiner Predigt wählte Georg Stamm das Bibelwort als Ausgangspunkt «Wir haben hier keine bleibende Statt, sondern suchen eine zukünftige», um anhand der Geschichte der Zwingli-Gemeinde aufzuzeigen, dass «Gott in unser eigenes Leben, aber auch in dasjenige der Gemeinde hineinreden» dürfe. «Wir sind in Bewegung nach innen», habe sein Amtskollege Willi Helg einmal auf die Frage geantwortet, was ihn während der über dreissig Jahre in dieser Gemeinde beeindruckt habe. Solche Bewegung sei auch das, was Zuversicht für die Zukunft schenke. Zwischen Festgottesdienst mit Abendmahl und unterhaltsamem Reminiszenzen-Bilderbogen am Nachmittag und abschliessendem Kuchen-und-Kaffee-Kränzchen fand, nicht weniger aussagekräftig, eine «Teilete» statt: Viele Teilnehmende hatten Esswaren mitgebracht, die zu einem ebenso riesigen wie köstlich-reichen Mittagsbuffet aufgebaut wurden und allen zur freien Verfügung stand. «Jeder bringt etwas mit, und gemeinsam geniessen wir dann das viele Unterschiedliche, was sich da zusammentut», hatte Pfarrerin Elke Rüegger-Haller als Motto ausgegeben. Und dieser Gedanke stand wirklich nicht bloss über dem Mittagstisch, sondern gilt ebenso für die 50-jährige Geschichte der Kirche und wohl auch für die Zukunft dieser Kirchgemeinde, die immer wieder vor Schwierigkeiten und Problemen stand und diese dank ihrem Engagement lösen konnte. «Die Zwingli-Kirche ist zum ruhenden Pol in einem Quartier mit starkem Wandel geworden» Urs Hunziker Stadtrat und Ex-«Zwinglianer» Ökumene vor einem halben Jahrhundert: «Wir wollen doch nicht Mischehen fördern» Es hat sich viel geändert für die Kirchgemeinde Zwingli, seit sie sich vor 50 Jahren von der «Muttergemeinde» Münster (zu dieser zählte das Geissbergquartier) trennte und zuerst innerhalb der damals die ganze Stadt umfassenden Kirchgemeinde Schaffhausen und später im Rahmen des städtischen Kirchgemeindenverbandes selbständig wurde. Die neuerbaute Kirche mit ihrem Zeltdach bildete rasch das Zentrum einer blühenden Gemeinde … und war noch weit entfernt von jenem Mitgliederschwund, den sie erfahren musste, als sich das Quartier immer stärker zum Wohnort vor allem für ausländische Familien und Nichtreformierte entwickelte. Von zwei vollen Pfarrstellen blieb schliesslich nur noch eine, für die erst noch zurzeit die Nachfolge geregelt werden muss: Pfarrerin Elke Rüegger-Haller zieht ebenso fort wie die sozialdiakonische Mitarbeiterin. Spuren des Wandels der Zeit weist auch die Kirche selbst auf: Seit ihrer vor Jahresfrist abgeschlossenen und sehr gelungenen Renovation dient sie nicht bloss als Gotteshaus, sondern ist auch Tagungszentrum für kirchliche und säkulare Anlässe. Öffnung heisst ein Stichwort, das sich zum Beispiel positiv in der guten ökumenischen Zusammenarbeit mit der benachbarten römisch-katholischen Pfarrei St. Peter widerspiegelt. So umrahmte und gestaltete deren Kirchenchor liturgisch den gestrigen Jubiläumsgottesdienst. «Zu meiner Zeit hatten wir zwar Kontakt untereinander», erinnert sich Georg Stamm, der ein Jahr nach der Eröffnung der Zwingli-Kirche zuerst deren Pfarrhelfer und dann Pfarrer wurde; aber der Vorschlag, eine gemeinsame Jugendarbeit aufzubauen, scheiterte an der Ablehnung seitens des katholischen Pfarrers: «Wir wollen doch nicht die Mischehen fördern.» (M. E.) |