Unterwegs nach Bethlehem - alle Jahre wieder
Play with Jesus
Nicht nur damals vor über 2000 Jahren sind Menschen aufgebrochen, um das Christuskind zu suchen, dessen Geburt verkündet worden war. Jahr für Jahr machen wir Menschen uns auf die Suche, auf ganz unterschiedlichen Wegen. Von ihrem Weg des Suchens erzählten am vierten Adventssonntag in der Steigkirche zwei Gruppen von Kindern in der Gemeindeweihnachtsfeier.
Eine Gruppe von kleinen Kindern war schon während des ganzen Advents unterwegs und entdeckte in unserem Quartier neu das Geschehen der Weihnachtsgeschichte, das uns die Bibel erzählt. Als Hirten hielten sie Wache bei ihrer Herde im Gehege der Geisslein bei der Klinik Breitenau. Bei einem Feuer sitzend erschienen ihnen die Engel, um die frohe Botschaft der Geburt des Christuskindes zu verkünden. Und bei der Sternwarte hielten sie als Könige Ausschau nach dem Stern und brachen auf auf den langen, beschwerlichen Weg, den sie der Stern führte. Maria und Josef wurden zwar von den Wirten in den Hotels unseres Quartiers freundlich empfangen, doch ein Zimmer gab es trotzdem nicht für sie.
Am vergangenen Freitag schliesslich führten all die verschiedenen Wege zusammen im Stall des Hofes Dreieichen, wo das Jesuskindlein auf die Welt kam. Die Hirten fanden das Wunder, das die Engel ihnen angekündigt hatten und der Stern blieb für die Könige über dem Stall stehen. Und auch die Engel staunten mit Maria und Josef über das neugeborene Kind, den Heiland dieser Welt.
Genau diese alte Geschichte aber ist nicht mehr so die Welt der Präparandinnen und Präparanden, wie sie in ihrem Weihnachtsspiel „Play with Jesus“ zum Ausdruck brachten. Weihnacht ist für sie zunächst einmal die Vorfreude aufs Fest, mit allem, was damit verbunden ist - aber auch die Frage, was für eine Freude denn eigentlich anhält. Das Leben spielt den Jugendlichen in der Folge ein Paket in die Hände, das eigentlich für den Pfarrer bestimmt gewesen wäre. Sie öffnen es und entdecken darin ein Jesus-Game. Sie spielen es mit der Option „Geburt Jesu“ , denn schliesslich ist ja Weihnachtszeit, und haben dabei die Möglichkeit, seinen Geburtsort auszuwählen: Schwimmbad, Eisplatz, Ballettcenter usw. Zunehmend mehr lassen die Kinder sich berühren von der Frage, denn jedes möchte, dass Jesus dort geboren wird, wo es viel Zeit verbringt, auf dem Fussballplatz zum Beispiel, oder in der Musikschule, oder im Kampfsportcenter. Jedes möchte am nächsten dabei sein. Es kommt sogar zu einem Streit. Als sie schliesslich die Option „Stall“ wählen, wird ihnen mit Photos die Geburtsgeschichte Jesu erzählt, so wie sie die kleinen Kinder im Quartier erlebt haben. Erst jetzt wird den jungen Menschen klar, wie wichtig es ist, dass Jesus in einem Stall auf die Welt kam, an einem Ort, der für alle offen ist. Denn Jesus gehört niemandem, aber alle gehören zu ihm. Am Schluss trifft die Gruppe sich in einem Stall auf dem Bauernhof, wo ein Klassenkollege zuhause ist, und helfen ihm bei der Arbeit – für dieses Mal geht es nicht ums Shoppen und nicht ums Gamen. Der überwundene Streit, die neue Gemeinschaft, das einfache Arbeiten miteinander werden für die jungen Menschen zu einer Weihnachtserfahrung. Mit einem Spiel hat es begonnen, zu lebendiger Erfahrung ist es geworden. Auch ohne Krippe, in ihrer eigenen Welt, ist Jesus für die jungen Menschen auf die Welt gekommen, ein neuer Weg ist für sie aufgegangen.
Am Schluss standen sie alle miteinander da, die „Grossen“ und die „Kleinen“ und freuten sich über den wohlverdienten Applaus. Ein von Herzen kommendes „o du fröhliche, o du selige Weihnachtszeit“ erfüllte die sehr gut besetzte Kirche – und mit einem köstlich duftenden Brötchen in der Hand machte sich die grosse Schar der Feiernden wieder auf den lichtgesäumten Weg zurück - den eigenen Weg.