Begrüssung Pfarrer Wolfram Kötter (Zwinglikirche)

Zügelinvasion vor dem Pfarrhaus Zwingli  |    |  (Originalgrösse durch Anklicken)

Zügelinvasion vor dem Pfarrhaus Zwingli

Am 21. Januar ist die neue Pfarrfamilie mit einer "Zügelautoinvasion" hier in Schaffhausen eingetroffen und ins Pfarrhaus eingezogen. Die Arbeit nimmt das Theologenehepaar am 1. Februar auf und bereits am 21. Februar feiern wir dem Begrüssungsgottesdienst. Lesen wir hier die Begrüssungsworte von Pfarrer Wolfram Kötter.
Liebe Mitglieder der Zwinglikirche in Schaffhausen!

Am 1. Februar werden meine Frau Miriam und ich unsere Arbeit in der Gemeinde aufnehmen. Für uns ist dieser Schritt in ein neues Arbeitsfeld ein bedeutsamer, weil wir nicht nur eine neue Gemeinde, sondern eben auch ein neues Land kennenlernen. Um mich, wenn auch noch nicht persönlich, ein wenig kennenzulernen, will ich Ihnen ein paar Lebensmomente schildern, die mein bisheriges Leben und darum eben auch meine bisherige berufliche Tätigkeit als Pfarrer geprägt haben.
Geboren wurde ich im Jahr 1960 in Wuppertal-Barmen. Bedingt durch berufliche Veränderungen meines Vaters zogen wir über Beckum nach Warendorf, wo meine Eltern heute immer noch leben. Ich habe vier weitere Geschwister, darunter einen Halbbruder aus Vietnam, der zu uns in die Familie kam, nachdem er von der Cap Anamur im Indischen Ozean aufgefischt wurde.
Die Studienzeit verbrachte ich in Bielefeld und in Tübingen. Meine zweite Ausbildungsphase (das Vikariat) führte mich zurück in den Norden Deutschlands nach Steinhagen, wo ich die ersten Gehversuche in einer Gemeinde gemacht habe. In dieser Zeit genutzt habe ich die Möglichkeit der Westfälischen Landeskirche (= Kantonskirche) zu einer Sonderausbildung: so war ich für ein halbes Jahr Vikar im „Haus der Stille“, ein Einkehr- und Meditationshaus, in das hinein die unterschiedlichsten Menschen und Gruppen kamen, um Ruhe und Frieden für ihre Seele zu finden.
Von dort folgte ich dann meiner Frau Miriam nach Rom, um für ein Jahr bei den Waldensern als Beauftragter meiner Landeskirche zu arbeiten. Zum einen galt es, Studierende an der Waldenserfakultät zu unterrichten und zum anderen die Strukturen der Waldenserkirche und die gemeindliche Arbeit in der Gemeinde der IV Novembre kennenzulernen und zu begleiten. Es war eine sehr intensive Zeit mit vielen bleibenden Erinnerungen, die ich dort erleben durfte.
Von Rom nach Herford – von der Weltstadt in die Kleinstadt: so lässt sich der Wechsel am besten beschreiben. 18 Jahre war ich nun Pfarrer in der reformierten Petrigemeinde Herford und einiges ist in dieser Zeit geschehen. Ich habe vor allem in drei Bereichen wertvolle Erfahrungen machen dürfen, die ich in die Gemeinde nach Schaffhausen mitbringe:
1. Gottesdienste sind die Mitte des gemeindlichen Lebens – immer noch und immer wieder neu. Hier kommen die unterschiedlichsten Menschen mit ihren ganz eigenen Befindlichkeiten zusammen und bilden doch eine große Gemeinschaft vor Gott. Der Gottesdienst ist für mich das Atemholen für den Alltag, die heilsame Unterbrechung des Alltags, denn hier kann meine Seele Ruhe finden und zugleich Kraft für den Alltag. Der Gottesdienst als Kraftquelle für mein Leben. Für unser Miteinander in Schaffhausen wünsche ich mir, dass wir viele Gottesdienste feiern, aus denen Menschen gestärkt und getröstet, mal nachdenklich, mal lachend nach Hause gehen.
2. Konfirmandenarbeit: ein großer Schwerpunkt in der Herforder Arbeit war dieser Arbeitsbereich. Sehr schnell haben wir uns von der üblichen und traditionellen Form (wöchentlicher einstündiger Unterricht) freigemacht und ein erlebnis-, erfahrungs- und gemeinschaftsorientiertes Modell für den Konfirmandenunterricht entwickelt. Es würde den Rahmen dieser Vorstellung sprengen, wenn ich jetzt alle Einzelheiten benennen würde, aber ein ganz wichtiger und tragender Gedanke dieses Modells ist, dass die jungen Menschen als solche wahr- und ernstgenommen werden, die auf der Suche nach dem Sinn des Lebens sind und dabei überschüttet werden mit Antworten etwa durch die Medien. Unsere Aufgabe ist es, die Sinnhaftigkeit des christlichen Glaubens ihnen vor Augen zu führen. Ich freue mich auf die gemeinsamen Gespräche und den Gedankenaustausch mit den jungen Menschen in unserer neuen Gemeinde und hoffe auf gemeinsame Wege zum Glauben.
3. Kirche als sozialer Ort: die Kirche ist nie nur für sich, sondern immer für andere. Auch hierzu gäbe es viel zu sagen (wenn Sie Internet haben, besuchen Sie einfach die Seite: www.herforder-mittagstisch.de), doch am trefflichsten ist die Antwort des Heidelberger Katechismus auf diesen Gedanken: „Ich soll das Wohl meines Nächsten fördern, wo ich nur kann, und an ihm so handeln, wie ich möchte, dass man an mir handelt. Auch soll ich gewissenhaft arbeiten, damit ich dem Bedürftigen in seiner Not helfen kann.“ (Heidelberger Katechismus Artikel 111)
Doch neben all dem fehlt das Wichtigste: das Fundament jeglicher Gemeindearbeit ist die Gemeinde selbst. Ohne die Menschen, die in einer Gemeinde zusammenkommen, ist jede Gemeinde gesichtslos. Ich freue mich darauf, viele Gesichter und deren Lebensgeschichten kennenzulernen. Und ich hoffe, dass ich Ihnen ein guter Wegbegleiter sein kann – im Sinne Jesu Christi und unter dem Segen Gottes.

Pfarrer Wolfram Kötter
Autor: Heinz Lacher     bereitgestellt: 21.01.2010     Besuche: 11 Monat