"An Gott zweifeln - an Bach glauben"
literarisch-musikalisches Programm : v.l.n.r. Gabriele Müller, Martin Schneider, Antje Schneider
Diese provokative Äusserung des Komponisten Mauricio Kagel (1931 - 2008) macht das Berliner Literatenehepaar Martin und Antje Schneider zum Titel seines literarisch-musikalischen Programms, das am Sonntag, 25. März, um 17 Uhr in der Bergkirche St. Moritz in Hallau aufgeführt wird. An der Orgel kommentiert Gabriele Müller die gelesenen Texte.
Hermann Hesse, Jean Giono, Robert Schumann, Karl Liebknecht Johann Wolfgang von Goethe - sie alle haben sich zu Johann Sebastian Bach geäussert. Martin und Antje Schneider sind den Spuren Bachs in der Literatur und unter der Äusserungen von Komponisten und Musikern nachgegangen und haben ein Programm zusammengestellt, das die Konturen der breiten Spur, die Johann Sebastian hinterlassen hat, nachzeichnet. Gabriele Müller "kommentiert" die Texte an der Orgel mit Werken von Johann Sebastian Bach, Mauricio Kagel, Johann Pachelbel, Dietrich Buxtehude, Wolfgang Amadeus Mozart, Felix Mendelssohn Bartholdy und anderen. So entsteht ein Bild des grossen Komponisten und Kirchenmusikers.
Dieses Programm ist auch als Einstimmung aufs Bachfest 2012, das vom 12. bis am 20. Mai in Schaffhausen stattfindet, gedacht. Im Rahmen der Kantatengottesdienste hat das diesjährige Bachfest nämlich Ausläufer, die bis ins Chläggi reichen. Am 18. Mai, das ist der Freitag nach Auffahrt, gelangen im Rahmen einer so genannten "Drei-Bergkirchenfahrt" drei verschiedene Kantaten von Johann Sebastian Bach im Rahmen je eines Kurzgottesdienstes in St. Othmar Wilchingen (9.30 Uhr), in der Bergkirche Neunkirch (10.30 Uhr) und in der Bergkirche St. Moritz in Hallau (11.30 Uhr) zur Aufführung. Die Kantaten, die aufgeführt werden, tragen alle den Titel "Was Gott tut, das ist wohlgetan" (BWV 98, 99 und 100). Sie haben jedoch alle drei eine unterschiedliche textliche Gestaltung und Musik, ausgehend vom gleichnamigen Choral "Was Gott tut das ist wohlgetan" (im reformierten Gesangbuch Nr. 684).
Das kontrastreiche Programm der Berliner Literaten und der Organistin Gabriele Müller, am Sonntag 25. März aufgeführt, wird bestimmt eine interessante Annäherung an Bach sein, eine gute Möglichkeit sich einzustimmen auf die Aufführungen seiner Musik im Rahmen des Bachfestes und dessen Kantatengottesdiensten.
Zum Schluss noch eine Auflösung zum Titel "An Gott zweifeln - an Bach glauben": Mauricio Kagel, der vor drei Jahren verstorbene Komponist, schrieb, dass viele Musiker nicht an Gott glauben, dass sie hingegen alle an Bach glauben. Damit meinte er wohl, dass von der Musik von Johann Sebastian Bach eine grosse Kraft ausgeht, die überzeugend wirkt. Im übrigen bin ich aber der Meinung, dass zwischen Zweifel und Glauben kein Gegensatz gemacht werden sollte, der sich ausschliesst. Denn auch der tiefste Glaube wird von Zweifeln begleitet, wenn er nicht völlig welt- und lebensfremd ist. An menschlichen Zweifeln scheitert Gott nicht. Im Gegenteil, Zweifel können zur Motivation werden, immer tiefer und echter zu verstehen was Glauben ist. Dabei entdecken wir, dass wir durch ihn je und je, schon immer getragen sind.