Gott hat etwas vor!
Die Tücken der Technik haben verhindert, dass die Predigt zu Neujahr als Podcast veröffentlicht wird. Ich wollte die Predigt auf meinen iPod Touch aufnehmen, merkte aber erst nachher, was das Kürzel TRRS bedeutet: Ein Kravattenmikrophon mit gewöhnlichem Stecker wird vom iPod ignoriert. Weil mir die Predigt wichtig ist, folgt sie hier schriftlich.
Lukas P. Huber,
Liebe Gemeinde
Die Jahreslosung für 2013 lautet: «Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.» Hebräer 13,14
Als ich meiner Frau sagte, wie die Jahreslosung lautet, über die ich predigen wolle an Neujahr, sagte sie sinngemäss: Das ist aber eine doofe Jahreslosung. So negativ, und das soll ein Motto für ein gutes Jahr sein!
Ich hingegen meinte: Ganz im Gegenteil, dieser Vers ist grossartig! Er ist eine genaue Beschreibung der Tatsachen: Wir haben hier keine bleibende Stadt.
Letzte Woche erst hatten wir Probleme mit unserer Geschirrspülmaschine. Sie zickt immer öfter. Mehrfach kam eine kryptische Fehlermeldung: F7. Und die Gummidichtung der Türe ist gerissen. Die Geschirrspülmaschine sei aber schon 18 Jahre alt, sagte die Sekretärin bei VZug, als ich anrief und einen Servicemonteur bestellen wollte. Ich solle gleich eine neue Maschine kaufen, eine Geschirrspülmaschine habe eine Lebenserwartung von zwölf oder 13 Jahren, da lohne es sich nicht mehr, dass ein Monteur vorbeikommt. Wir haben hier keine bleibende Stadt.
Das erlebt ja auch Guntmadingen zurzeit. Mit dem heutigen Neujahrstag ist die Politische Gemeinde Guntmadingen nach 900 Jahren am Ende der eigenen Geschichte angelangt. Seit heute morgen gehören alle Guntmadinger zur Politischen Gemeinde Beringen. Wir haben hier keine bleibende Stadt.
Ich mache zurzeit Konf-Elterngespräche. Das sind gewöhnlich spannende Gespräche. Sie zeigen immer wieder, was ich als Vater ja auch schon angefangen habe zu spüren: Nein, wir haben die Kinder nicht zum behalten bekommen. Sie sind gekommen, wir haben uns unglaublich gefreut, jetzt werden sie langsam älter, und in ein paar Jahren werden sie unseren Haushalt verlassen.
Und: Nein, wir haben unser Leben nicht zum behalten bekommen. Wie schnell die Gesundheit vergehen kann manchmal. Wie schnell die Zeit vergeht, sagen andere Leute, schon wieder ein Jahr vorbei, schon wieder Neujahr. Die Zeit verrinnt einem unter den Händen.
Wir haben keine bleibende Stadt. Gut, das ist tatsächlich eine präzise Beschreibung unseres Lebens, finde ich, nur ist es eigentlich gar nicht so erfreulich. Wir haben uns doch gut eingerichtet in diesem Leben und in unserer Welt. Vor allem die Leute, die erst gebaut haben oder das noch tun wollen. Da plant man doch nicht bloss für den nächsten Tag oder für zwölf oder 13 Jahre!
Dazu kommt der zweite Einwand meiner Frau. «Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir» – das tönt ein bisschen nach noch nicht verdautem Weltuntergang, das tönt nach Weltflucht. Wer keine Lust hat, einen neuen Geschirrspüler anzuschaffen, der flüchtet sich in Phantasien der jenseitigen Welt.
Aber wenn man den Text genau anschaut, dann ist das ein Missverständnis: «die zukünftige (Welt) suchen wir» heisst es. Das Suchen ist keine Phantasiereise, sondern ein sehr aktiver Vorgang, und zwar gleich doppelt. Im griechischen Original wird das Verb «zäteo» gebraucht, das bedeutet «streben nach, suchen»; an dieser Stelle wird das Verb aber noch mit einem Präfix verstärkt: «epizäteo», «mit Nachdruck suchen, sich sehnen nach».
Letzten Sonntag waren wir in einem Gottesdienst, der den Titel «Gestillte Sehnsucht» trug. Es ging um die Frage, ob Gott unsere Sehnsucht stillt. Je länger der Gottesdienst dauerte, desto nervöser wurde ich. Geht es wirklich darum, fragte ich mich, dass im Glauben an Jesus unsere Sehnsucht gestillt wird, dass sie gewissermassen zum erlöschen kommt? Aber das wäre doch gar kein christlicher Glaube, das wäre Buddhismus, dort ist die Auslöschung aller Begierden und Sehnsüchte das Ziel.
Klar, die zutiefst menschliche Sehnsucht nach Eigentum, nach «bekommen», nach «behalten», die ist fruchtlos. Es heisst ja in der Jahreslosung: Wir haben hier keine bleibende Stadt. Der Glaube an Jesus kann uns tatsächlich davor bewahren, auf Materielles zu setzen, und das ist gut so.
Trotzdem – wenn unsere Sehnsucht nicht einfach erlöscht, dann ist das, wie ich glaube, nicht falsch. Wenn wir Sehnsucht haben, dann ist nichts schief gegangen. Es geht nur darum, dass wir der richtigen Sehnsucht hingeben.
Wenn ich einmal grosse Worte brauchen darf: Auch Gott hat Sehnsucht, er hat sogar grosse Sehnsucht. So wird Gott in der Bibel beschrieben: Er ist nicht ein jenseitiges Wesen ohne Leidenschaft, Gott möchte etwas – mit und in dieser Welt.
Gott hat zum Beispiel Sehnsucht nach Frieden: «Ehre sei Gott und Friede auf Erden» heisst es in der Weihnachtsgeschichte, die wir in den letzten Tagen gehört haben. «Friede auf Erden», das ist kein frommer Wunsch, sondern die tiefe Sehnsucht Gottes. Er möchte, dass Menschen in Frieden leben, dass sie einen Weg finden, den Streit und Krieg zu überwinden. Immerhin ist er darum Mensch geworden, sagt die Weihnachtsgeschichte. Die Sehnsucht nach Frieden ist die Leidenschaft, die Gott in und für die Welt hat.
Am Anfang davon, dass Frieden werden soll, steht die Geschichte, dass Gott Mensch geworden ist und zwar ein wehrloser Neugeborener. Er ist nicht als mächtiger Herrscher gekommen, sondern als hilfloses und hilfebedürftiges Baby. Damit zeigt Gott: Ich habe Sehnsucht nach euch Menschen, ich möchte eine Beziehung mit den Menschen.
Wenn wir diese Geschichte ernst nehmen, dann sollen wir zwei Dinge machen:
• Wir sollen uns persönlich auf ihn einlassen, die Tatsache akzeptieren, dass unsere Stadt nicht bleiben wird, sondern «seine» Stadt suchen. Vor der Predigt habe ich die Geschichte der Berufung von Abraham erzählt. Abraham und Sarah haben sich rufen lassen, sie haben sich auf Gott eingelassen, auf die Geschichte, die Gott mit ihnen schreiben wollte.
• Das Zweite, was wir tun sollen: Gott hat Abraham versprochen: «Ich will dich zum grossen Volk machen und will dich segnen und dir einen grossen Namen machen, und du sollst ein Segen sein.» (1. Mose 12,2). Diese Zusage gilt auch für uns, wenn wir uns auf Gott einlassen – Gott möchte uns in seine Sehnsucht für diese Welt hineinnehmen, er möchte uns brauchen, damit andere Menschen gesegnet werden. Er möchte unser Leben, unser Denken und Fühlen und unser Handeln so verändern, dass dadurch Segen ausgeht und Menschen in unserer Umgebung vom Segen und vom Frieden Gottes berührt werden, sei es die eigenen Kinder, der Nachbar oder die Schwiegermutter oder der Geschäftspartner. Unser Leben soll ein Segen sein für andere.
Oh, und wenn wir da noch etwas weiter nachdenken, dann gibt es noch etwas Drittes zu sagen: «Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir», das gilt auch für uns als Kirchgemeinde. Gott möchte uns auch als Kirchgemeinde aus dem Alltagstrott herausrufen und in seine Sehnsucht für diese Welt hineinnehmen.
Der Ausgangspunkt zurzeit ist wieder ein banaler: «Wir haben hier keine bleibende Stadt». Wir stecken als Kantonalkirche und als Kirchgemeinde mitten in einer Strukturreform, die Stellenreduktionen nach sich ziehen wird. Diese Reform ist nicht selbst gewählt, sie ist keine Folge einer geistlichen Vision oder so, wir wurden wegen der Finanzen alle in diese Strukturreform gestossen. Und diese Strukturreform wird unsere Kirche verändern.
Wenn man nun sieht, dass «diese Stadt nicht bleiben wird», kann man jammern und sich bedauern. Man kann aber auch fragen: «Jesus, was ist deine Leidenschaft, was ist deine Sehnsucht für Guntmadingen und Löhningen, was ist deine Sehnsucht für das Chläggi?» Man kann bedauern, dass die Kirche, wie wir sie bisher kannten, vergeht, man kann aber auch die künftige Gestalt der Kirche suchen und sie gestalten wollen.
Liebe Gemeinde,
ich persönlich bin nur für das Zweite zu haben. «Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.» Ich habe kein Bedürfnis, der Vergangenheit nachzutrauern, ich will lieber darüber nachdenken, was Gott mit unserer Kirchgemeinde vorhat. Was hat er für eine Sehnsucht in unseren Nachbarschaften, was möchte er für Guntmadingen und für Löhningen? Was soll im Chläggi passieren, damit sein Reich gebaut wird?
Das ist der Grund, warum wir diesen Frühling in den Studienurlaub nach Greifswald an die Ostsee fahren. Glauben Sie mir, es ist nicht langweilig geworden in meinem Job, glauben Sie mir, es liegt nicht daran, dass ich mal in Ruhe der Ostsee entlang laufen will – ok, das werde ich zwar auch tun –, sondern wir reisen in den Studienurlaub, weil ich glaube: Gott hat eine Sehnsucht für unsere Kirchgemeinde und für das Chläggi.
Ich glaube: Gott hat mit uns als Kirchgemeinde etwas vor. Jetzt müssen wir speziell in diesem Jahr genau hinhören auf Gott, damit wir seine Sehnsucht spüren und uns zu eigen machen. Das sollen wir als Einzelne machen, aber auch als ganze Kirchgemeinde. Darum bitte ich Sie: Überlassen Sie das nicht Ihrem Pfarrer oder dem Kirchenstand, hören Sie selber auf Gott! Und dann reden Sie mit mir oder mit jemand anderem mit dem Kirchenstand. Die Kirche wird sich dieses Jahr ändern.
Im 1. Mosebuch heisst es, Gott habe zu Abraham gesprochen. Ich weiss nicht, wie man sich das genau vorstellen muss, auf jeden Fall scheint Gott direkt zu Abraham gesprochen zu haben. Das passiert heute nicht mehr oft. Meistens redet Gott zu mir durch die Bibel oder durch andere Menschen, durch meine Frau oder sonst jemand. Drum hören auch Sie genau hin, was Gott uns zu sagen hat in diesem Jahr. Und dann teilen Sie es mit anderen.
Als Christinnen und Christen sind wir aufgerufen, nicht dem Vergangenen nachzutrauern oder zu versuchen, das Bisherige zu verteidigen, sondern uns wie Abraham und Sarah herauszurufen lassen aus dem Vertrauten und neue Wege suchen.
Gott hat etwas mit uns vor – mit uns als Einzelmenschen, aber auch mit uns als Kirchgemeinde. «Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.»
Amen
Die Jahreslosung für 2013 lautet: «Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.» Hebräer 13,14
Als ich meiner Frau sagte, wie die Jahreslosung lautet, über die ich predigen wolle an Neujahr, sagte sie sinngemäss: Das ist aber eine doofe Jahreslosung. So negativ, und das soll ein Motto für ein gutes Jahr sein!
Ich hingegen meinte: Ganz im Gegenteil, dieser Vers ist grossartig! Er ist eine genaue Beschreibung der Tatsachen: Wir haben hier keine bleibende Stadt.
Letzte Woche erst hatten wir Probleme mit unserer Geschirrspülmaschine. Sie zickt immer öfter. Mehrfach kam eine kryptische Fehlermeldung: F7. Und die Gummidichtung der Türe ist gerissen. Die Geschirrspülmaschine sei aber schon 18 Jahre alt, sagte die Sekretärin bei VZug, als ich anrief und einen Servicemonteur bestellen wollte. Ich solle gleich eine neue Maschine kaufen, eine Geschirrspülmaschine habe eine Lebenserwartung von zwölf oder 13 Jahren, da lohne es sich nicht mehr, dass ein Monteur vorbeikommt. Wir haben hier keine bleibende Stadt.
Das erlebt ja auch Guntmadingen zurzeit. Mit dem heutigen Neujahrstag ist die Politische Gemeinde Guntmadingen nach 900 Jahren am Ende der eigenen Geschichte angelangt. Seit heute morgen gehören alle Guntmadinger zur Politischen Gemeinde Beringen. Wir haben hier keine bleibende Stadt.
Ich mache zurzeit Konf-Elterngespräche. Das sind gewöhnlich spannende Gespräche. Sie zeigen immer wieder, was ich als Vater ja auch schon angefangen habe zu spüren: Nein, wir haben die Kinder nicht zum behalten bekommen. Sie sind gekommen, wir haben uns unglaublich gefreut, jetzt werden sie langsam älter, und in ein paar Jahren werden sie unseren Haushalt verlassen.
Und: Nein, wir haben unser Leben nicht zum behalten bekommen. Wie schnell die Gesundheit vergehen kann manchmal. Wie schnell die Zeit vergeht, sagen andere Leute, schon wieder ein Jahr vorbei, schon wieder Neujahr. Die Zeit verrinnt einem unter den Händen.
Wir haben keine bleibende Stadt. Gut, das ist tatsächlich eine präzise Beschreibung unseres Lebens, finde ich, nur ist es eigentlich gar nicht so erfreulich. Wir haben uns doch gut eingerichtet in diesem Leben und in unserer Welt. Vor allem die Leute, die erst gebaut haben oder das noch tun wollen. Da plant man doch nicht bloss für den nächsten Tag oder für zwölf oder 13 Jahre!
Dazu kommt der zweite Einwand meiner Frau. «Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir» – das tönt ein bisschen nach noch nicht verdautem Weltuntergang, das tönt nach Weltflucht. Wer keine Lust hat, einen neuen Geschirrspüler anzuschaffen, der flüchtet sich in Phantasien der jenseitigen Welt.
Aber wenn man den Text genau anschaut, dann ist das ein Missverständnis: «die zukünftige (Welt) suchen wir» heisst es. Das Suchen ist keine Phantasiereise, sondern ein sehr aktiver Vorgang, und zwar gleich doppelt. Im griechischen Original wird das Verb «zäteo» gebraucht, das bedeutet «streben nach, suchen»; an dieser Stelle wird das Verb aber noch mit einem Präfix verstärkt: «epizäteo», «mit Nachdruck suchen, sich sehnen nach».
Letzten Sonntag waren wir in einem Gottesdienst, der den Titel «Gestillte Sehnsucht» trug. Es ging um die Frage, ob Gott unsere Sehnsucht stillt. Je länger der Gottesdienst dauerte, desto nervöser wurde ich. Geht es wirklich darum, fragte ich mich, dass im Glauben an Jesus unsere Sehnsucht gestillt wird, dass sie gewissermassen zum erlöschen kommt? Aber das wäre doch gar kein christlicher Glaube, das wäre Buddhismus, dort ist die Auslöschung aller Begierden und Sehnsüchte das Ziel.
Klar, die zutiefst menschliche Sehnsucht nach Eigentum, nach «bekommen», nach «behalten», die ist fruchtlos. Es heisst ja in der Jahreslosung: Wir haben hier keine bleibende Stadt. Der Glaube an Jesus kann uns tatsächlich davor bewahren, auf Materielles zu setzen, und das ist gut so.
Trotzdem – wenn unsere Sehnsucht nicht einfach erlöscht, dann ist das, wie ich glaube, nicht falsch. Wenn wir Sehnsucht haben, dann ist nichts schief gegangen. Es geht nur darum, dass wir der richtigen Sehnsucht hingeben.
Wenn ich einmal grosse Worte brauchen darf: Auch Gott hat Sehnsucht, er hat sogar grosse Sehnsucht. So wird Gott in der Bibel beschrieben: Er ist nicht ein jenseitiges Wesen ohne Leidenschaft, Gott möchte etwas – mit und in dieser Welt.
Gott hat zum Beispiel Sehnsucht nach Frieden: «Ehre sei Gott und Friede auf Erden» heisst es in der Weihnachtsgeschichte, die wir in den letzten Tagen gehört haben. «Friede auf Erden», das ist kein frommer Wunsch, sondern die tiefe Sehnsucht Gottes. Er möchte, dass Menschen in Frieden leben, dass sie einen Weg finden, den Streit und Krieg zu überwinden. Immerhin ist er darum Mensch geworden, sagt die Weihnachtsgeschichte. Die Sehnsucht nach Frieden ist die Leidenschaft, die Gott in und für die Welt hat.
Am Anfang davon, dass Frieden werden soll, steht die Geschichte, dass Gott Mensch geworden ist und zwar ein wehrloser Neugeborener. Er ist nicht als mächtiger Herrscher gekommen, sondern als hilfloses und hilfebedürftiges Baby. Damit zeigt Gott: Ich habe Sehnsucht nach euch Menschen, ich möchte eine Beziehung mit den Menschen.
Wenn wir diese Geschichte ernst nehmen, dann sollen wir zwei Dinge machen:
• Wir sollen uns persönlich auf ihn einlassen, die Tatsache akzeptieren, dass unsere Stadt nicht bleiben wird, sondern «seine» Stadt suchen. Vor der Predigt habe ich die Geschichte der Berufung von Abraham erzählt. Abraham und Sarah haben sich rufen lassen, sie haben sich auf Gott eingelassen, auf die Geschichte, die Gott mit ihnen schreiben wollte.
• Das Zweite, was wir tun sollen: Gott hat Abraham versprochen: «Ich will dich zum grossen Volk machen und will dich segnen und dir einen grossen Namen machen, und du sollst ein Segen sein.» (1. Mose 12,2). Diese Zusage gilt auch für uns, wenn wir uns auf Gott einlassen – Gott möchte uns in seine Sehnsucht für diese Welt hineinnehmen, er möchte uns brauchen, damit andere Menschen gesegnet werden. Er möchte unser Leben, unser Denken und Fühlen und unser Handeln so verändern, dass dadurch Segen ausgeht und Menschen in unserer Umgebung vom Segen und vom Frieden Gottes berührt werden, sei es die eigenen Kinder, der Nachbar oder die Schwiegermutter oder der Geschäftspartner. Unser Leben soll ein Segen sein für andere.
Oh, und wenn wir da noch etwas weiter nachdenken, dann gibt es noch etwas Drittes zu sagen: «Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir», das gilt auch für uns als Kirchgemeinde. Gott möchte uns auch als Kirchgemeinde aus dem Alltagstrott herausrufen und in seine Sehnsucht für diese Welt hineinnehmen.
Der Ausgangspunkt zurzeit ist wieder ein banaler: «Wir haben hier keine bleibende Stadt». Wir stecken als Kantonalkirche und als Kirchgemeinde mitten in einer Strukturreform, die Stellenreduktionen nach sich ziehen wird. Diese Reform ist nicht selbst gewählt, sie ist keine Folge einer geistlichen Vision oder so, wir wurden wegen der Finanzen alle in diese Strukturreform gestossen. Und diese Strukturreform wird unsere Kirche verändern.
Wenn man nun sieht, dass «diese Stadt nicht bleiben wird», kann man jammern und sich bedauern. Man kann aber auch fragen: «Jesus, was ist deine Leidenschaft, was ist deine Sehnsucht für Guntmadingen und Löhningen, was ist deine Sehnsucht für das Chläggi?» Man kann bedauern, dass die Kirche, wie wir sie bisher kannten, vergeht, man kann aber auch die künftige Gestalt der Kirche suchen und sie gestalten wollen.
Liebe Gemeinde,
ich persönlich bin nur für das Zweite zu haben. «Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.» Ich habe kein Bedürfnis, der Vergangenheit nachzutrauern, ich will lieber darüber nachdenken, was Gott mit unserer Kirchgemeinde vorhat. Was hat er für eine Sehnsucht in unseren Nachbarschaften, was möchte er für Guntmadingen und für Löhningen? Was soll im Chläggi passieren, damit sein Reich gebaut wird?
Das ist der Grund, warum wir diesen Frühling in den Studienurlaub nach Greifswald an die Ostsee fahren. Glauben Sie mir, es ist nicht langweilig geworden in meinem Job, glauben Sie mir, es liegt nicht daran, dass ich mal in Ruhe der Ostsee entlang laufen will – ok, das werde ich zwar auch tun –, sondern wir reisen in den Studienurlaub, weil ich glaube: Gott hat eine Sehnsucht für unsere Kirchgemeinde und für das Chläggi.
Ich glaube: Gott hat mit uns als Kirchgemeinde etwas vor. Jetzt müssen wir speziell in diesem Jahr genau hinhören auf Gott, damit wir seine Sehnsucht spüren und uns zu eigen machen. Das sollen wir als Einzelne machen, aber auch als ganze Kirchgemeinde. Darum bitte ich Sie: Überlassen Sie das nicht Ihrem Pfarrer oder dem Kirchenstand, hören Sie selber auf Gott! Und dann reden Sie mit mir oder mit jemand anderem mit dem Kirchenstand. Die Kirche wird sich dieses Jahr ändern.
Im 1. Mosebuch heisst es, Gott habe zu Abraham gesprochen. Ich weiss nicht, wie man sich das genau vorstellen muss, auf jeden Fall scheint Gott direkt zu Abraham gesprochen zu haben. Das passiert heute nicht mehr oft. Meistens redet Gott zu mir durch die Bibel oder durch andere Menschen, durch meine Frau oder sonst jemand. Drum hören auch Sie genau hin, was Gott uns zu sagen hat in diesem Jahr. Und dann teilen Sie es mit anderen.
Als Christinnen und Christen sind wir aufgerufen, nicht dem Vergangenen nachzutrauern oder zu versuchen, das Bisherige zu verteidigen, sondern uns wie Abraham und Sarah herauszurufen lassen aus dem Vertrauten und neue Wege suchen.
Gott hat etwas mit uns vor – mit uns als Einzelmenschen, aber auch mit uns als Kirchgemeinde. «Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.»
Amen