Natur und Kultur auf der Insel Kreta
Noch liegt Schnee auf den Bergen Kretas
Es waren 26 Leute, die sich schon im letzten Jahr für eine Reise mit Babis Bistolas nach Kreta angemeldet hatten. Viele kannten sich noch nicht, gemeinsam war einfach das Interesse an der Natur und an der Kultur. Es kamen alle auf ihre Rechnung und genossen den Frühling und das Wandern in diesem Land voller Olivenbäume.
Es ist eine faszinierende Insel, viel grösser als wir es uns vorgestellt haben. Auf den hohen Bergen lag noch Schnee, am Meer wagten sich die ersten ins kühle Wasser. Und auf dem Weg von der Südküste zur Nordküste und umgekehrt lernten wir die wild-schöne Landschaft dieser Insel kennen. Und immer wieder musste unser Bus anhalten, denn die Botaniker in unsern Reihen hatten eine Pflanze entdeckt, die sie unbedingt fotografieren wollten. Das war auch das Spezialgebiet unseres Reiseleiters Babis Bistolas, der als Grieche Schweizer geworden ist und schon viele Jahre bei uns auf der Breite wohnt. Legendär auf dieser Reise wurde sein "Uiuiui" - Ruf, wenn er eine endemische Pflanze entdeckt hat, die es nur auf Kreta gibt. Da blieb er manchmal hinter der Gruppe zurück, weil er nicht fertig wurde mit fotografieren. Ein "Ebenus cretica", ein kretischer Ebenholzstrauch, da konnte man doch nicht vorbeifahren, und es waren noch viel mehr Blumen, über die die Fachleute in unserer Gruppe sich austauschten, aber für den Schreibenden waren es zu viel der lateinischen Namen, um sie alle behalten zu können. Doch auch andere Interessen kamen auf die Rechnung, wenn wir die orthodoxen Kirchen besuchten und alte byzantinische Wandmalereien zu deuten versuchten. Immerhin gilt Titus, der Begleiter des Apostels Paulus, als erster Bischof auf dieser Insel, auch wenn die Kirche, die seinen Namen trägt, nur noch als Ruine zu besichtigen ist. Doch auf dieser Insel gibt es viel ältere Kulturen, darum landeten wir immer wieder in archäologischen Ausgrabungen, wo wir versucht haben, uns vorzustellen, wie das einmal ausgesehen hat. Die älteste Kultur der Insel wird die minoische genannt, nach dem sagenhaften König aus der griechischen Mythologie. Daher kommt auch die Geschichte von Zeus, der auf dieser Insel (versteckt in einer Höhle auf dem Berg Ida) aufgewachsen und später als Stier die schöne Europa aus der Levante entführt hat. Fliessend ist der Uebergang vom Mythos zur Historie, denn nur wenig weiss man von der ältesten Kultur auf Kreta. Es muss jedenfalls ein friedliches Volk ohne Machtverherrlichung gewesen sein, und wertvolle kleine Fundstücke sind Zeugen einer grossen Meisterschaft. Sind es Göttinnen, die sie verehrt haben, und was bedeutet ihre Schrift, die immer noch nicht gelesen werden kann? Doch das ist lange her, über 4000 Jahre, älter als die biblischen Geschichten. Und warum ist das alles untergegangen, war es ein Vulkanausbruch oder ein Erdbeben? Neue Völker eroberten die Insel, die Dorer kamen, die Römer, die Byzantiner und die Osmanen, von denen noch Moscheen übrig geblieben sind. Die Insel liegt zwischen dem Orient und dem Westen, da sind viele Einflüsse spürbar. Doch unserer Reise bestand nicht nur in dem, was wir alles lernen konnten, sondern auch in Geselligkeit, kulinarischen Genüssen, einer Schifffahrt, und die Mutigsten wagten sich sogar ins Meer hinein. Glücklich über alles Erlebte und dankbar für die kompetente Reiseleitung von Babis Bistolas kehrten wir heim und freuen uns schon auf jedes Wiedersehen.
Markus Sieber