Gottesdienst mit Kühen
Erntedank
Interessierte Kühe, eine Tauffamilie und eine ansehnliche Gemeinde hörten am Sonntag, dem 5. September, dem Spiel von Marlene Jost (Cornett) und Esther Bollinger (E-Piano) und der Predigt von Pfr. Joachim Finger zu.
Eine rechte Schar hatte sich zum Erntdank-Gottesdienst auf dem Bauernhof Blashalde eingefunden – im Kuhstall. Pfr. Finger wies darauf hin, dass schliesslich schon Jesus im (Kuh-)Stall zur Weltgekommen sei, ein Esel sei allerdings leider nicht anwesend. Dafür aber ein kleines Kind: Lia Dommen wurde in dieser sehr speziellen ad-hoc-Kirche getauft.
Passend zum Viehbestand auf der Blashalde handelte die Predigt von der roten Jungkuh aus 4.Mose 19,2ff, mit deren Asche das sog. Reinigungswasser hergestellt wird. Die Kuh muss absolut fehlerlos sein. Die Perfektionierung der Fehlerlosigkeit kann aber dazu führen, dass das, was Leben und Gottesbeziehung fördern soll, unmenschlich wird. Bei den Kühen ist die reinrassige nicht unbedingt die leistungsfähigere und robustere Kuh. Bei der Ernte müssen wir uns fragen, ob der fleckenlose Apfel, die Pommesfrites-gerechte Kartoffel, das genetisch optimierte Getreide wirklich das ist, was dem Leben gerecht wird. Und ob die lernzieloptimierte und leistungsorientierte Pädagogik, die heute schon im Kindergarten beginnt, kindsgerecht und menschengerecht ist? Es besteht auch bei uns die Gefahr, dass wir das Leben perfektionieren, die Vergänglichkeit verdrängen wollen und damit dem Leben letztlich schaden. Jesus sei Dank muss der Mensch vor Gott nicht perfekt sein.
Zum anschliessenden Apéro im Stall und an der Sonne spielten die Musikerinnen nochmals auf und Röbel Zoller packte auch noch sein Alphorn aus. Die Kühe, die sich vor dem Gottesdienst noch kräftig miteinander unterhalten hatten, verhielten sich übrigens mustergültig. Und als die letzten Gottesdienstbesucher nach dem Apéro den Heimweg antraten, verliessen auch die letzten Kühe den offenen Stall und gingen auf die Weide.