Calvin - Reformator der Schweiz und der Welt
Calvin im Studierzimmer
Am Freitag, 19. November, hielt Pfarrer Dr. Joachim Finger aus Beringen am Gächlinger Seniorennachmittag einen sehr instruktiven Vortrag über „Johannes Calvin – Reformator der Schweiz“.
Calvins Geburtsjahr war 1509, somit ist der Anlass klar: der 500. Geburtstag ist heuer zu feiern. Die Eckdaten sind:
• 10. Juli 1509 Geburt in Noyon (Picardie) als Jean Cauvin
• 27. Mai 1564 Tod in Genf
Mit zwölf Jahren beginnt Jean sein Studium, gleichzeitig erhält er eine Pfründe. Das ist ein regelmässiges Einkommen aus einer Stiftung eines vermögenden Frommen, das zugleich das Lesen einer Messe beinhaltet. Bei Jean ist es eine Art Stipendium.
Er sollte eigentlich Theologe werden, studiert dann aber auf Anregung seines Vaters Jura. Er beschliesst seine Studien im Jahre 1533 mit dem „Licentiat der Rechte“ in Orléans.
Unterdessen ist 1531 sein Vater in Noyon gestorben. Er war vom Bischof wegen Streits um eine kleine Summe exkommuniziert worden, und bereits damals muss Jean sich Gedanken darüber gemacht haben, wie man wegen solcher Kleinigkeiten um sein Seelenheil gebracht werden könne. Aber sein Bekenntnis zur Reformation folgt erst ungefähr 1533/34, als er in Noyon auf seine Pfründe verzichtet.
Danach beginnt ein unstetes Leben: Strassburg, Basel, Paris, Orléans, Paris. Dann möchte er wieder nach Strassburg, kann aber wegen Kriegs nicht direkt reisen und geht deshalb via Lyon nach Genf, wo er nur die Nacht verbringen will. Aber der Genfer Reformator Farel überredet ihn zum Bleiben – er dürfe Genf nicht im Stiche lassen, seine Studien würden ihm zum Verderben, wenn er einfach weiterzöge! – kurz, Calvin bleibt in Genf.
Jedoch nur für kurze 2 Jahre, dann wird er, wegen seiner starren Haltung, aus der Stadt vertrieben. Er lässt sich in Strassburg nieder, wo er als Prediger amtet und das kirchliche Leben organisiert. Auch arbeitet er dort an der 2. Ausgabe seines schon zuvor erschienen Katechismus, der „Institutio“, welche zu einem umfangreichen Werk wird. Hier verheiratet er sich, nach viel Überredung durch seine Freunde, mit der Witwe eines Wiedertäufers, Idelette de Bure. Er lernt sie lieben und schreibt, nachdem sie 1549 stirbt, es sei, „als wäre ein Stück von ihm gestorben“.
Nach zwei Jahren, während denen in Genf gestritten wurde und es beinahe zu einem bewaffneten Konflikt kam, wird Calvin mühsam dazu überredet, wieder zurückzukehren. Er will eigentlich nur ein paar Tage bleiben, es wird aber ein Aufenthalt bis ans Lebensende.
Er organisiert die Kirche neu und führt Ämter ein:
• Pastor und Pastorenkonvent: hält Predigt, spendet Sakramente und besucht Kranke; im Konvent koordinieren die Pastoren ihre Arbeit.
• Lehrer halten Unterricht, besonders in Bibelkenntnis, aber auch Sprachen und allgemeine Bildung.
• 12 Älteste. Diese bilden zusammen mit den 6 Pastoren das Konsistorium, ein Vorgänger der heutigen Synode. Das war die Kirchenverwaltung, welche aber damals sehr viel mehr Kompetenzen hatte als heute.
• Diakone für die Almosenverwaltung und die Führung eines Krankenhauses sowie die Unterstützung der Pastoren bei der Kranken- und Armenpflege.
Auch bemüht sich Calvin um eine Einigung zwischen den evangelischen Strömungen in bestimmten Fragen. Er einigt sich zum Beispiel 1549 mit Zürich zum „Consensus Tigurinus“ (dem Zürcher Konsens), einer Übereinkunft hinsichtlich des Abendmahls. Der Konsens überlässt es jedem einzelnen Gläubigen, wie er Brot und Wein als nur symbolisch oder als wirklich „Fleisch und Blut Christi“ auffassen will.
1555 wird Calvin endlich Genfer Bürger, bis dahin war er immer Franzose gewesen. 1559 gründet er die Genfer Akademie, ein ganz eindrückliches Werk. Sie trägt viel zu der grundsätzlichen Lehre des Calvinismus bei, das Gebäude steht noch heute. Im gleichen Jahr erscheint die letzte Ausgabe seiner Institutio, nun ein umfangreiches Werk von 4 Bänden. Sie ist eines der wichtigsten dogmatischen Werke der evangelischen Theologie.
1564 stirbt er, erst 55-jährig. Sein Leben bestand aus lauter Arbeit und Entbehrung, das heisst auch Krankheit und Schwäche. Obschon er das Gegenteil predigte, enthielt er sich allem und jedem, und sein Eigentum ging grossenteils an die Armen. In seiner Abschiedsrede am 15. Februar 1564 sagte er:
„Ich habe viele Schwächen gehabt, die ihr ertragen musstet, und selbst all das, was ich getan habe, ist im Grunde nichts wert. Die schlechten Menschen werden diesen Ausspruch bestimmt ausschlachten. Aber ich wiederhole noch einmal, dass all mein Tun nichts wert ist und ich eine elende Kreatur bin. Ich kann allerdings wohl von mir sagen, dass ich das Gute gewollt habe, dass mir meine Fehler immer missfallen haben und Gottesfurcht in meinem Herzen Wurzeln geschlagen hat. Ihr könnt es bestätigen, dass mein Bestreben gut gewesen ist. Darum bitte ich Euch, dass ihr mir das Schlechte verzeiht. Wenn es aber auch etwas Gutes gegeben hat, so richtet euch danach und befolgt es!"
Seine Ausstrahlung ist immens. Der Calvinismus geht nach Osteuropa und über England und Schottland nach Amerika (Puritaner), Südafrika und Ostasien und ist in all seinen Varianten die am weitesten verbreitete evangelische Richtung.
Dies alles und noch viel mehr erzählte Herr Finger in einer spannenden Ansprache, unterlegt mit vielen Textbeispielen, Bildern und Darstellungen. Zu Beginn und am Schluss sangen wir je einen Psalm aus der Sammlung, die Calvin angeregt hat. Er hatte ja eine besondere Beziehung zur Kirchenmusik und ihm verdanken wir es, dass auch in der reformierten Kirche allsonntäglich gesungen wird. Den Schluss bildete ein Gebet mit der Bitte, die Ausstrahlung von Calvin weiterhin scheinen zu lassen.
Die beiden guten Geister des Kirchenstandes, Bea Niklaus und Jeannette Kraft, zusammen mit unserem Pfarrer Christian Stettler sorgten anschliessend für unser leibliches Wohl, auf dass wir nicht das Schicksal Calvins erleiden möchten. Vielen Dank allen Mitwirkenden für den gelungenen Nachmittag.