Ordination zur Sozialdiakonin

Inhalt:
Bericht Ordination
Kommentar Dekanin (I)
Kommentar Dekanin (II)
Portrait B. Hitz
Diskussion um Ausbildung

Mit einem «Ja, mit Gottes Hilfe» nun Sozialdiakonin

Bild: Die vier ordinierten Sozialdiakonischen Mitarbeiterinnen Bettina Hitz-Bovey, Beatrice Martin, Yvonne Möckli und Renate Wolf (von links) neben Kirchenrätin Sabine Dubach und Kirchenrat Pfr. Daniel Müller; im Hintergrund das Pfarrehepaar Katharina und Anselm Leser, den «Hausherren» der Kirche Burg-Stein am Rhein.

Erstmals empfingen im Kanton Schaffhausen Sozialdiakonische Mitarbeiterinnen der reformierten Kirche die Ordination für ihren Dienst.

Martin Edlin, Barbara Helg, Esther Schweizer, Werner Näf (Redaktion)

(Martin Edlin). Die Ordination, die feierliche Amtsübertragung und Befähigung zum Dienst, kannte man in der Evangelisch-reformierten Kirche des Kantons Schaffhausen bisher nur für Pfarrerinnen und Pfarrer. Zwar erlaubt die kirchliche Gesetzgebung bereits seit 1983 die Ordination auch von Gemeindehelferinnen, doch wurde nie davon Gebrauch gemacht. Erst die gesamtschweizerische Regelung der Ausbildung zur – so die heutige Bezeichnung – Sozialdiakonischen Mitarbeiterin (SDM) und die Anfang dieses Jahres in Kraft getretene neue Schaffhauser Kirchenverfassung haben nun zur ersten Ordination geführt. Denn die neue Verfassung schreibt vor, dass « zum Pfarramt und zum Diakonat Kandidatinnen und Kandidaten ordiniert werden, deren Ausbildung und Kompetenz von der Kirche anerkannt worden sind». Es besteht auch keine hierarchische Unterscheidung mehr zwischen Pfarrschaft und Sozialdiakonischen Mitarbeitenden; vielmehr «ergänzen sich in der Kirchgemeinde die verschiedenen Dienste und Ämter gegenseitig». Zudem ist als Organ der Diakoniekonvent, das Gremium aller im Kanton tätigen Sozialdiakonischen Mitarbeitenden, verfassungsmässig verankert worden.

Dekanin Esther Schweizer
Dekanin Pfrn.
Esther
Schweizer
Kommentar
Ich habe mich sehr gefreut über die Ordination dieser vier Sozialdiakonischen Mitarbeiterinnen. Weil ich selber nicht am Gottesdienst dabei sein konnte, möchte ich auf diesem Weg im Namen der ganzen Pfarrschaft meinen Glückwunsch aussprechen; verbunden mit vielen guten Wünschen!
Ich habe mich gefreut über diese Ordination, weil sie mich an meine eigene Ordination erinnert. Ich denke gerne daran zurück, denn sie bedeutet mir viel. Die Ordination erscheint mir wie ein Geschenk; ein Geschenk mit einem besonderen Gewicht und manchmal auch mit einer gewissen Schwere.
» Fortsetzung

offiziell beauftragt.   Unter diesen neuen Voraussetzungen haben nun am vergangenen Sonntag die seit vielen Jahren in den Kirchgemeinden Schaffhausen-St. Johann, Schaffhausen-Münster, Schaffhausen-Steig und Burg-Stein am Rhein tätigen Mitarbeiterinnen für Sozialdiakonie, Beatrice Martin, Yvonne Möckli, Renate Wolf und Bettina Hitz-Bovey im Rahmen eines festlichen Gottesdienstes die Ordination zum Sozialdiakonat durch Kirchenrat Pfr. Daniel Müller (Beggingen) erhalten. Mit ihrem «Ja, mit Gottes Hilfe» legten sie ihr Amtsgelübde ab, das sie, wie Kirchenrätin Sabine Dubach sagte, «offiziell für ihren Dienst beauftragt». Der Gottesdienst, liturgisch begleitet vom Pfarrehepaar Anselm und Katharina Leser (Burg) und musikalisch umrahmt vom Kirchenchor Burg unter Leitung von Vreni Winzeler, der Organistin Silvia Müller und der Pianistin Evelyne Schmid, wurde von den vier Sozialdiakoninnen selbst gestaltet. Eindrücklich ausgelegt und in die Gegenwart gerückt erhielt die biblische Geschichte von den beiden Schwestern Maria und Martha, die Jesus in ihrem Haus empfingen – die eine um die Gastfreundschaft bemüht, die andere zu Füssen Jesu dessen Worte lauschend – einen aktuellen Bezug. Sozialdiakonische Mitarbeitende sind nämlich, so wurde dargelegt, Maria und Martha in einer Person. Beides, Handeln und Hören, ist einander gleich gestellt und gehört zum sozialdiakonischen Dienst. Dieser, so heisst es in der Ordinationsurkunde, «umfasst Tätigkeiten in Gemeinden, Gesamtkirche und kirchlichen Institutionen, durch welche die soziale Kraft der von Jesus Christus vorgelebten Liebe Gottes durch konkretes Wirken und verbindendes Handeln in die Gegenwart von Gemeinde, Kirche und Welt einfliesst».

für die Öffentlichkeit.  Mit dieser ersten Ordination zum Sozialdiakonat im Kanton Schaffhausen, welcher der fast vollständige Kirchenrat und viele Vertreter der Kirchenbehörden aus den Gemeinden der Ordinierten beiwohnten, hat die Tätigkeit der einstigen Gemeindehelferinnen und heute «in eigener Verantwortung für die Kirche und die Menschen stehenden Sozialdiakonischen Mitarbeiterinnen» (so Pfr. Daniel Müller) die gebührende Anerkennung erfahren. Doch wichtiger ist, so wurde mehrmals betont, dass mit der Ordination nun auch für die Öffentlichkeit das Amtsverständnis dieser kirchlichen Mitarbeitenden sicht- und fassbar gemacht wird.
Martin Edlin

Kommentar Dekanin Esther Schweizer (Fortsetzung)

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(Fortsetzung; » Teil 1 lesen)
Die Ordination ist Ausdruck von Vertrauen. Dieses Vertrauen zieht Ermächtigung nach sich. Ermächtigung bedeutet Verantwortung und diese wird angenommen über das Versprechen, das die Ordinierten öffentlich abgeben – „ja, mit Gottes Hilfe“. Oder anders gesagt:
Ordination heisst, dass jemand – die Kirche – sagt: Ich schenke dir das Vertrauen, dass du den Dienst, den ich dir übertrage, erfüllen kannst. In Zeiten des Selbstzweifels, die jedes Amt begleiten, kann die Erinnerung an die Ordination Mut machen. Denn sie ist ja die Zusage: „Du musst nicht alles alleine tragen, du bist ja selbst auch getragen“. Und andererseits bindet in enthousiastischen Zeiten die Ordination immer wieder in dem Sinn zurück als sie daran erinnert, dass das Licht nicht auf uns selbst fallen soll, sondern auf die Botschaft und auf den Glauben, in dessen Namen wir in den Dienst gestellt sind.
Meine Ordination ist mir kostbar. Sie weist darauf hin, dass ich nicht einfach in einem Anstellungsverhältnis stehe, sondern dass da noch so etwas wie Berufung dazukommt.
Ich wünsche den vier Sozialdiakonischen Mitarbeiterinnen, dass auch sie etwas spüren werden von der Kraft, die von der Ordination ausgeht. Und ich freue mich, dass ihre Arbeit und ihr Amt nun eindrücklich und sichtbar in diesen weiten Horizont gestellt wurde. Es erscheint mir gut und richtig.

Auf der anderen Seite weiss ich, dass diese Ordination bei uns Pfarrerinnen und Pfarrern nicht nur Freude aufkommen lässt. Wir verlieren etwas von unserer „Exklusivität“. Bis jetzt war die Ordination uns vorbehalten. Mir kommt es vor, wie wenn ein Einzelkind ein Geschwisterchen bekommt. Zur Freude gesellt sich die Angst, nun nicht mehr gleich geliebt zu werden, oder gar, dass einem der Platz streitig gemacht werden könnte.
Ich denke, auch die zwiespältigen Gefühle sollen benannt werden dürfen. Denn der Anspruch ist gross: dass es keine Hierarchie (mehr) geben soll und die verschiedenen Ämter sich gegenseitig ergänzen.

Vielleicht freue ich mich aber auch gerade darum besonders. Die Kirche mutet uns etwas zu. Zu leben und zu arbeiten im Wissen darum, dass im Teilen die Wahrheit liegt, dass miteinander der Weg gesucht werden muss und dass im Vertrauen die Kraft liegt. Wir alle wissen, wie leicht das gesagt ist und wie schwierig manchmal umzusetzen.
Ich denke aber, solange es uns nicht entgeht, und wir uns immer wieder ehrlich darauf besinnen, dass wir im Dienst stehen - in einem Dienst, den wir schliesslich als Gottes-dienst bezeichnen können - wird es uns gelingen, miteinander Schritt für Schritt den Weg zu gehen.

Ich freue mich sehr über diese Ordination! In einem Bild würde ich es so beschreiben: mehr Kinder am Tisch, mehr Arbeiter im Weinberg, mehr Schwestern beim Hören, mehr Menschen beim Fest...

Esther Schweizer, Dekanin der Reformierten Kirche des Kantons Schaffhausen

Portrait von Bettina Hitz, Sozialdiakonin

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Diskussion um Ausbildung

Begleiten statt beraten

Die biblische Fusswaschung ist für Bettina Hitz-Bovey ein wichtiges Symbol für Ihre Arbeit. Seit elf Jahren ist sie Sozialdiakonin in Burg-Stein am Rhein.

Barbara Helg, Kirchenbote Schaffhausen (Text und Bild)

Bettina Hitz-Bovey ist Präsidentin des seit Anfang Jahr bestehenden Schaffhauser Diakoniekonventes.

Es regnet unfreundlich aus Kübeln in Stein am Rhein. Bettina Hitz-Bovey aber strahlt Wärme und Zuversicht aus unter dem Schirm, als sie die Journalistin am Bahnhof abholt. Sie hat sogar einen zweiten Schirm mitgebracht, unter den sich die Besucherin mit der Kamera ins Trockene bringen kann. Fürsorge und Anteilnahme kennzeichnen den Beruf von Bettina Hitz. Als Sozialdiakonin gehört sie seit elf Jahren zum Team der Kirchgemeinde Burg und begleitet unter anderem Menschen in schwierigen Lebenssituationen.

Das Büro unter dem Dach des Kirchgemeindehauses ist Basisstation von Bettina Hitz und zugleich Sekretariat, das sie ebenfalls betreut. Auch der Boden ist Arbeitsfläche: zum Beispiel für das Manuskript für das Weihnachtsspiel, das sie gerade schreibt. Auf dem Schreibtisch steht eine spätherbstliche Gartenrose, eine Frau hat sie vorbeigebracht. Der Telefonbeantworter speichert noch die dreissig Anmeldungen der Seniorinnen und Senioren, die gestern zum ersten Mal an einem Mittagstisch teilgenommen haben. Die Arbeit der Sozialdiakonin ist äusserst vielseitig: Sie reicht von der Mitgestaltung von Gottesdiensten und der Organisation von Anlässen für Gemeindemitglieder jeden Alters über die Rekrutierung und Begleitung der zahlreichen Freiwilligen bis zur Seelsorge. Mit dem Pfarrerehepaar Katharina und Anselm Leser teilt sie sich die in der Gemeinde anfallenden Arbeiten. Der Unterschied: Das Pfarrerpaar ist durch seine Ausbildung in der Theologie beheimatet, Bettina Hitz in der Diakonie und Sozialarbeit.

«Damit sie in den nächsten Tag gehen kann»

Berufsbild im Wandel
So wichtig die Arbeit der Sozialdiakonin ist, so wenig sind Ausbildung und Tätigkeit bisher geregelt. In jeder Kirchgemeinde ist die Situation anders. Der seit Anfang dieses Jahres bestehende Diakoniekonvent möchte, dass der Beruf kantonal geregelt wird. Bettina Hitz-Bovey, Präsidentin der Diakoniekonferenz sagt: «Ich arbeite darauf hin, dass Sozialdiakoninnen eine anerkannte Ausbildung haben.» Zwei Institutionen bieten in der Deutschschweiz zur Zeit eine Ausbildung an: Die Schule für Diakonie in Greifensee und das Theologisch-Diakonische Seminar Aarau. Am 28. November findet in der Kirche Burg die erste Ordination von Sozialdiakoninnen im Kanton Schaffhausen statt.

Bettina Hitz erzählt von einem Brief, den sie gerade von einer schwer erkrankten Frau erhalten hat: Die Frau schreibt, dass die IV keine Beiträge zahlen will. Eine verzweifelte Situation, weiss die Diakonin, der Boden ist der Familienfrau unter den Füssen weggezogen worden. «Meine Rolle ist, dass ich dies zusammen mit ihr aushalte», sagt Bettina Hitz. «Ich werde zu ihr gehe und sehen, wie es ihr geht. Und ich werde das, was ihr passiert ist, an mich herankommen lasse». Im Unterschied zu einer Sozialarbeiterin wird sie der Frau nicht primär Auskunft darüber geben, was jetzt formal zu tun sei, obwohl sie dies sehr wohl weiss: Es gilt, einen Rekurs einzureichen. Ein Unterschied besteht auch zur Arbeit einer Psychologin. «Eine Psychologin therapiert, ich begleite», definiert Bettina Hitz.«Ich möchte die junge Frau so stärken, so dass sie selber in den nächsten Tag gehen kann.» Hilfe zur Selbsthilfe sei ein wichtiger Begriff für ihre Arbeit.» Oft erlebe sie, dass Menschen in ihrer Gegenwart loslassen können, «das Schlimme zulassen, die Hemmungen verliere – dies ist ein Zeichen von Vertrauen», schildert Bettina Hitz. Dass Jesus seinen Jüngern die Füsse gewaschen hat ist ihr deshalb ein wichtiges Bild für ihre Arbeit geworden. Beatrice Hitz sagt: «Ich will die schwere Situation, in der Menschen stehen, an mich herankommen lassen, in mein Herz nehmen.»

«Wie können wir Zuversicht geben?»

In den letzten Jahren hätten neue Probleme zugenommen: Die Menschen würden zunehmend bedrückt von Arbeitslosikeit, Perspektivelosigkeit, Existenzängsten. Arbeitslosigkeit und Geldknappheit führe zu familiären Problemen bis hin zur Trennung. Es gebe auch immer mehr überforderte Mütter und Hausfrauen, oft Alleinerziehende in ganz schwierigen Situationen. Was sie stark beschäftige, seien auch die Probleme junger Menschen, die als Schulabgänger und Lehrstellensuchende ganz grosse Schwierigkeiten hätten. «Immer ist eine grossen Hoffnungslosigkeit da, die den Menschen auch von den gut dotierten Stellen von Staat und zahlreichen Institutionen nicht abgenommen werden kann. Meine grosse Frage ist jeweils, wie wir als Kirche diesen Menschen Hoffnung und Zuversicht geben können», sagt Bettina Hitz.

Aktuelle Diskussion: Ausbildung von Sozialdiakoninnen

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Kommentar Dekanin (II)
Portrait B. Hitz
Diskussion um Ausbildung

Was für eine Ausbildung brauchen Sozialdiakone?

Diakonie ist das helfende Handeln der Kirche, das benachteiligten Menschen in unserer Gesellschaft zugute kommt. Sie ist gelebte Mitmenschlichkeit, die Lebensfreude ausstrahlen und dem Aufbau der Gemeinde dienen soll. Diese Grundsicht erfährt in der reformierten Landeskirche breite Zustimmung. Differenzierter sieht es aus, wenn es um die Frage geht, was denn die konkreten Aufgaben eines sozial-diakonischen Mitarbeiters oder einer Mitarbeiterin sind und welche Ausbildung dafür notwendig ist.

Die reformierten Kirchensynode des Kantons Zürich vom 30. November stand ganz im Zeichen des Ausbildungsniveaus der sozialdiakonischen Mitarbeiterschaft. Nicht weniger als vier Vorstösse lagen zum Thema vor.

Zürcher Kirchlicher Informstionsdienst (Redaktion: Werner Näf )

In Zukunft Fachhochschul-Niveau

Die Frage der Ausbildung der sozialdiakonischen Mitarbeiterschaft beschäftigt die Landeskirche schon seit mehreren Jahren. 1999 beschloss die Kirchensynode, die bis damals praktizierte Ausbildung zu beenden und sie fortan in Zusammenarbeit mit der Fachhochschule für Soziale Arbeit Zürich (HSSAZ) anzubieten. Die Fachhochschule sollte für den fachlich-theoretischen Teil zuständig sein und die Landeskirche die Praktikumsbegleitung und einen theologischen Zusatzkurs verantworten.

Zu diesem neuem Ausbildungskonzept hat die Einschätzung geführt, dass die sozialdiakonische Realität in der Zürcher Kirche nur bedingt in der Lage ist, künftigen Anforderungen, die sich beispielsweise aus der Verschärfung sozialer Fragestellungen ergeben, zu genügen. Für den Kirchenrat stand deshalb fest, dass eine Aufwertung der Diakonie auch über eine Verbesserung der Ausbildungssituation erreicht werden muss und dass diakonische Berufsleute über die gleiche fachliche Qualifikation wie Sozialarbeiterinnen und -arbeiter verfügen müssen. Sozialdiakonische Mitarbeitende sollen über eine "Helferfunktion" hinaus selbständig und methodengeleitet diakonische Arbeit im Gemeindeaufbau leisten können.

Zwei Wege zum Sozialdiakon?

Ist dies aber nur mit einer Fachhochschul-Ausbildung gewährleistet? Diese Frage stand an der Synodedebatte im Mittelpunkt. Der grundsätzliche Entscheid von 1999, die Diakonen-Ausbildung auf Fachhochschul-Ebene anzubieten, wurde nicht bestritten. Ein Teil der Synodalen ist heute jedoch der Meinung, dass die Beschränkung auf eine einziges Niveau eine Sackgasse ist und dass auch die Ebene Höhere Fachschule als Berufsausbilung zum Sozialdiakon, zur Sozialdiakonin zugelassen sein soll. Postulant Jean E. Bollier, Höngg, lobte die Diakonie-Schulen in Greifensee und Aarau und zeigte sich überzeugt, dass diese Ausbildungsstätten künftig den Standard von Höheren Fachschulen gewährleisten können.

Begründet wurde der Wunsch nach Ausbildungs-Pluralismus mit dem Hinweis auf das weite Berufsfeld der Sozialdiakonie, bedingt durch die unterschiedlichen Profile der Kirchgemeinden. Weiter wurden im Hinblick auf eine Beschränkung der Ausbildung auf Fachhochschul-Niveau finanzielle Folgekosten sowie eine Akademisierung des Berufes auf Kosten einer christlichen Grundprägung befürchtet.

Fachhochschulen bilden Praktiker aus

Der Kirchenrat hielt dem entgegen, dass wie bei der Pfarrschaft die Festlegung auf ein einziges Niveau im Grundstudium die Qualitätssicherung erleichtere und eine gemeinsame Berufsidentität fördere. Auch die Bedenken hinsichtlich Akademisierung und Kosten seien nicht fundiert, da die Fachhochschulen in erster Linie Praktiker ausbilden und die heutigen sozialdiakonischen Mitarbeitenden bereits gleich wie die staatlich ausgebildeten Sozialarbeiter und -arbeiterinnen bezahlt würden.

Unterstützung erzielt der Kirchenrat auch aus der Synode: Die Berufsbildungs-Landschaft habe sich in den letzten Jahren nachhaltig geändert. Wenn heute eine Kindergärtnerin einen Fachhochschul-Abschluss habe, dürfe daran auch für die kirchliche Sozialdiakone kein Weg vorbei führen. Zudem sei es für Höhere Fachschulen sehr schwierig, zu einer staatlichen Anerkennung zu kommen, was für die Absolventen ein bedeutender Nachteil sei.

Eine knappe Mehrheit der Kirchensynode will die Ausbildungs-Frage dennoch weiterhin offen halten. Das Postulat von Bollier, das auch die Höheren Fachschulen berücksichtigen will, wurde mit 65 zu 63 Stimmen an den Kirchenrat überwiesen. Dieser hat damit Gelegenheit, sich in dieser Frage neu zu positionieren bzw. weitere Argumente für den von ihm vorgeschlagenen Kurs in der Diakonie-Ausbildung beizubringen. (kid)

publiziert am 30. November 2004




Die Frontseite von ref-sh.ch zeigte zur Publikationszeit folgenden Einstieg:

Dossier Sozialdiakonie

Ordiniert zum Diakonat

Eine alte Neuigkeit? Neu wurden vier Sozialdianonische Mitarbeiterinnen ordiniert. Alt war die Möglichkeit, nur wurde sie bisher nicht wahrgenommen. ref-sh.ch nimmt die Ordination vom Sonntag 28. Nov. in Stein a.Rh. zum Anlass, ein Dossier zum Thema Diakonat zusammenzustellen.

Lesen Sie den Bericht von der » Ordinationsfeier in der Kirche auf Burg, einen Kommentar der "obersten Pfarrerin" des Kantons » Esther Schweizer, ein Portrait der leitenden Sozialdiakonin » Bettina Hitz und einen aktuellen Beitrag zur Frage der » Ausbildung zum Diakonat, ganz neu beraten heute 30. Nov. in der Zürcher Synode. Diskutieren Sie dazu im Forum zur Frage: "Können wir uns Sozialdiakoninnen noch leisten?"
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