Konkordat

Die Synode beschloss wortlos "das Konkordat" - was ist das?

Haben die Synodalen eine Katze im Sack gekauft? Am 19. Juni gab es keine Wortmeldung, als es um die Zustimmung zum neuen Konkordat ging. Das Konkordat regelt die Ausbildung der Gemeindepfarrpersonen. Ein wahrlich wichtiges Thema für das Gemeindeleben. ref-sh.ch fragte nach bei Pfr. Dr. phil. Andreas Heieck (Gemeindepfarrer Schaffhausen-St.Johann, Ausbildungspfarrer). Er ist Mitglied der Konkordatsprüfungsbehörde.

Werner Näf

Grundlegende Informationen
Andreas Heieck: «Aufgrund des sog. "Bologna-Vereinbarung" vom Juli 1999 konzipieren derzeit die europäischen Universitäten und Hochschulen ihre Ausbildungen neu, um sie aufeinander abzustimmen und so gemeinsame Studiennormen zu schaffen. Davon ist auch das Theologiestudium betroffen, das neu aus dem Bachelor- und Masterteil bestehen wird. Die Prüfungsstruktur an den Fakultäten
wird verändert, und es wird ein neues Bewertungssystem mit Punkten für die Lehrveranstaltungen eingeführt.

Eine aus dieser "Bologna-Vereinbarung" resultierende und für die Kirchen einschneidende Veränderung wird sein, dass sie bei den universitären theologischen Prüfungen (Propädeutikum und Staatsexamen) nicht mehr vertreten sein werden. Bisher waren von den einzelnen Kirchen des bisherigen Konkordats (wie Schaffhausen) Pfarrerinnen und Pfarrer in die Konkordatsprüfungsbehörde (KPB) abgeordnet, die zusammen mit den Lehrkräften der Universitäten Basel und Zürich die Prüfungen abnahmen. Weil aber die "Bologna-Vereinbarung" die Identität von Ausbildenden und Prüfenden vorschreibt, wird die KPB Ende 2003 aufgelöst, und die Prüfungsverantwortung geht ganz auf die theologischen Fakultäten über. Aufgrund dieser Entflechtung haben die Kirchen des bisherigen Konkordats beschlossen, auch ihr eigenes Ausbildungssystem neu zu gestalten. Dafür wurde ein neues Ausbildungskonkordat erarbeitet, das am 1.Januar 2004 in Kraft tritt, wenn bis dahin mindestens fünf Mitgliedkirchen des SEK (Schweizerischer Evangelischer Kirchenbund) diesem neuen Konkordat beigetreten sind.»
Weitere Einzelheiten unter www.weiterbildungkirche.ch

"Das Konkordat" ist ein Zusammenschluss von reformierten Kirchen, die sich um die Ausbildung der Pfarrpersonen kümmert (Grundlegende Information siehe Kasten). Jetzt steht eine grosse Änderung an. Neu wird klar zwischen universitärer und kirchlicher Ausbildung getrennt. Die Fragen an Andreas Heieck stellte Werner Näf.

Die Synode hat wortlos dem neuen Ausbildungskonkordat für
Pfarrpersonen zugestimmt. Wird in den Kirchgemeinden in nächster Zeit
etwas spürbar vom neuen Ausbildungsmodus?

Neu an diesem Ausbildungskonkordat ist zunächst, dass dessen Mitgliedkirchen die Ausbildung der Konkordatskonferenz übertragen. Diese wird dann auch die Mitglieder der verschiedenen Behörden (insbesondere Ausbildungs- und Prüfungskommission, Kommission zur Entwicklungsorientierten Eignungsabklärung und Rekurskommission) wählen.

Neu ist dann auch die Struktur der kirchlichen Ausbildung. Neben das Theologiestudium stellen die Kirchen ihre "Ausbildungsschiene", die altes und neues verbindet:
1) während des Studiums werden die Studierenden von der Kommission zur Eignungsabklärung (KEA) begleitet, um die Persönlichkeitsbildung für den immer vielschichtiger werdenden Pfarrberuf zu unterstützen und zu evaluieren;
2) ferner sollen Pfarrerinnen und Pfarrer als Mentoratspersonen die Studierenden begleiten;
3) ebenfalls in das Studium sollen Praxiserfahrungen integriert werden, die verschiedene Handlungsfelder umfassen (Kirchgemeinde,
Schule, allenfalls auch Verwaltung, Unternehmen, Heim o.a.) und damit (zum Teil) neue Lernorte erschliessen, mit denen Pfarrerinnen und Pfarrer konfrontiert sind;
4) nach dem Studium erfolgt das Lernvikariat, das zum pfarramtlichen Dienst in seiner ganzen Breite vorbereiten soll;
5) weiter soll eine Weiterbildung in den ersten fünf Amtsjahren (WEA) verpflichtend eingeführt werden, um berufsbezogene Fähigkeiten zu erweitern und zu vertiefen,
und 6) eine Beratung in den ersten Amtsjahren (BEA) angeboten werden, die der Auswertung der selbständigen Berufsausübung dient und persönliche Arbeitsschwerpunkte weiterentwickeln helfen soll.

Diese "Bausteine", die noch in Beratung und Arbeit sind, verfolgen das Ziel, den Praxisbezug der Ausbildung zur Pfarrerin bzw. zum Pfarrer zu intensivieren. Dies ist für Theologie und Kirche nötig, um sich in einer immer differenzierteren Gesellschaft adäquat einbringen zu können. Kommt hinzu, dass die Handlungsfelder der Kirche heute und zukünftig manche Spezialisierungen erfordern, die in der bisherigen Ausbildung noch nicht speziell vorgesehen waren (z.B. Notfallseelsorge, Spiritualität im Alltag, Friedensarbeit u.a.).

Und damit kommt in den Blick, wie sich der neue Ausbildungsmodus in den nächsten Jahren in den Kirchen und Kirchgemeinden auswirken dürfte: Die "neuen" Pfarrerinnen und Pfarrer werden schon von ihrer Ausbildung her mit zahlreichen praktischen und theologisch reflektierten Erfahrungen in den Beruf einsteigen; überdies werden sie ihre jeweiligen speziellen Fähigkeiten auch über die Ortsgemeinde hinaus im kirchlichen und gesellschaftlichen Leben einsetzen und so die christliche Botschaft in ganz verschiedene Lebenswelten mit entsprechendem "Rüstzeug" einbringen können. Damit dieses "Rüstzeug" immer wieder aktualisiert werden kann, soll auch die berufsbegleitende Weiterbildung jenseits der ersten fünf Amtsjahre neu strukturiert werden.

Die Kirchen müssen mehr Anteile für die praktische Ausbildung der Pfarrpersonen übernehmen. Wird das teurer?

Pfr. Dr. phil. Andreas Heieck
Pfr. Dr. phil. Andreas Heieck

Über die Kosten dieser veränderten praktischen Ausbildung kann ich von meiner Seite her noch nichts sagen. In einer Finanzordnung wird die Konkordatskonferenz die anfallenden Kosten, die sicher zu reden geben, nach einem bestimmten Verteilschlüssel (wie bis anhin schon) zwischen den Konkordatskirchen aufteilen. Dadurch, dass gewisse Kosten wie etwa für die KPB entfallen, werden solche Mittel für das neue Konkordat frei. Gewiss aber werden die Konkordatskirchen darauf bedacht sein, die neuen Kosten in einem angemessenen Rahmen zu halten - schliesslich sind die Mittel beschränkt. In jedem Fall aber sollten meiner Meinung nach ausreichende Finanzmittel bereit gestellt werden, um den veränderten Anforderungen im Pfarrberuf gerecht zu werden - und dazu gehört eben auch eine angemessene und gute Aus- und Weiterbildung.

Du bist Abgeordneter in die Konkordatsprüfungsbehörde und wirst mit der neuen Vereinbarung abgeschafft. Findest du persönlich, das neue Konkordat sei gut?

Dass ich mit dem neuen Ausbildungskonkordat als Mitglied der KPB "abgeschafft" werde, bedaure ich zwar, weil mir diese Arbeit viel Freude gemacht hat. Aber die Erneuerung der Ausbildung ist für mich unzweideutig nötig und sinnvoll. Nicht ganz glücklich bin ich damit, dass die Kirchen nun bei der universitären Ausbildung "aussen vor bleiben" - aber im Rahmen der einsichtigen europäischen Neuordnung der Universitäts- und Hochschulausbildung kann das nicht anders sein. Doch das neue Ausbildungskonkordat scheint mir dafür mehr als nur ein guter Ersatz zu sein. Denn die Kirchen haben sich damit die Aufgabe gestellt, zum Teil ganz neue Wege in der
kirchlichen Ausbildung einzuschlagen - Wege, die sich bewusst und gezielt auf die veränderte gesellschaftliche Situation einlassen. Das begrüsse und unterstütze ich mit voller Überzeugung und den mir persönlich zu Gebote stehenden Möglichkeiten.

publiziert am 24. Juni 2003




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Die Synode beschloss wortlos "das Konkordat" - was ist das?

Pfr. Dr. phil. Andreas HeieckHaben die Synodalen eine Katze im Sack gekauft? Am 19. Juni gab es keine Wortmeldung, als es um die Zustimmung zum neuen Konkordat ging. Das Konkordat regelt die Ausbildung der Gemeindepfarrpersonen. Ein wahrlich wichtiges Thema für das Gemeindeleben. ref-sh.ch fragte nach bei Pfr. Dr. phil. Andreas Heieck (Gemeindepfarrer Schaffhausen-St.Johann, Ausbildungspfarrer). Er ist Mitglied der Konkordatsprüfungsbehörde.

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