|
Der Mann, der Spuren hinterliess Mit Ulrich Beutel verlässt ein "wertvolles, kompetentes Mitglied und ein Freund" so Kirchenratspräsidentin Silvia Pfeiffer - die "Regierung" der reformierten Schaffhauser Kantonalkirche.. Von Martin Edlin
laute Wahl. Es war keine stille Wahl gewesen, damals im Sommer 1995, als es an der Synode um die Nachfolge des zurücktretenden Zentralkassiers ging, jenes Mitgliedes des siebenköpfigen Kirchenrates, welches das Ressort "Finanzen" leitet. Ulrich Beutel, damals Kirchenpfleger von Neuhausen und öfters harter Kritiker der kantonalkirchlichen Exekutive, war als Gegenkandidat angetreten. Und wurde mit grossem Stimmenvorsprung gewählt! Mit Jahrgang 1925 im Ruhestand lebend - sein Malergeschäft hatte er seinem Sohn Felix übergeben und seine lange, politische Karriere als Einwohnerrat in Neuhausen und als Mitglied des Grossen Rates abgeschlossen -, galt der neue "Finanzminister" eher als Übergangslösung. rote Zahlen. Jetzt, da er sein Amt niederlegt, ist das anders zu sehen. Denn was Ueli Beutel während der letzten sechseinhalb Jahre für die Kantonalkirche geleistet hat, ist für sie prägend. Der Beginn seiner Tätigkeit war allerdings nicht gerade leicht: Die Rechnung 1995 hatte mit einem Defizit von 224'750 Franken abgeschlossen. Eine Erhöhung der Zentralsteuer um 0,25 Prozent wurde nötig. Und das Vermögen der Kantonalkirche näherte sich gefährlich dem Nullpunkt. Aber gerade das war die Herausforderung für Ueli Beutel. So verwundert es nicht, dass seine erste Grosstat eine strukturelle Besoldungsrevision war. Der neue Finanzminister gewann nicht nur hier, sondern fast immer die Mehrheit in der Synode für sich. Das gilt für all seine Finanzvorlagen: Revision des Pensionskassendekrets, Entschädigungsdekret, Richtlinien für die Vergütung von Nebenkosten, Erstellung eines Finanzplanes, neue Ordnung für die Leitung und Verwaltung der Schaffhauser Kirche und natürlich alljährlich Budget und Rechnung. Wenn heute die Schaffhauser reformierte Kantonalkirche über einen gesunden Finanzhaushalt und wieder über das notwendige "Polster" verfügt, dann darf sich dies Ueli Beutel auch als sein Erfolg gutschreiben lassen. engagiert. Es war nicht einfach die Legitimation des Finanzverantwortlichen, die Ueli Beutel im Kirchenrat bei ungezählten Geschäften mitdiskutieren und mitentscheiden liess. Er mischte sich aus persönlichem Engagement, aus Verantwortung für das auch immaterielle Wohl der Kirche im Kanton Schaffhausen ein. Keine Arbeit war ihm zuviel. Manchmal hartnäckig und sich nichts nehmen lassend. Mit Sorgfalt und Liebe zum Detail. Aber auch fürsorglich, ja geradezu väterlich, mit einem ausgeprägten Gerechtigkeitssinn. Sein Denken war keineswegs bloss von Zahlen bestimmt: Er zeigte sich ebenso als mitfühlender, anteilnehmender Mensch, der bereit ist, grosszügig zu geben und Unterstützung jenen zukommen zu lassen, die es nötig haben. Ruhestand. In seinem nunmehrigen "kirchenrätlichen Ruhestand" wird Ueli Beutel wohl verfolgen, ob und wie "seine" Kirche den Weg weiter geht, dessen Richtung er wesentlich mitbestimmt hat. publiziert am 21. Dezember 2001 |